Bergdietikon
Im Limmattal geht wieder ein Luchs um

In den Wäldern von Hasenberg, Honeret und Heitersberg treibt sich ein Luchs um und reisst pro Woche ein Reh - mit unangenehmen Konsequenzen für die Jäger. Bei der Wildkatze handelt es sich vermutlich um ein junges Männchen.

Konrad Stähelin
Merken
Drucken
Teilen
Fridolin Zimmermann hofft, dass der Luchs bald in eine der drei Fotofallen tappt wie der Luchs auf dem Bild (Archiv)

Fridolin Zimmermann hofft, dass der Luchs bald in eine der drei Fotofallen tappt wie der Luchs auf dem Bild (Archiv)

Keystone

Bei dem Luchs handelt es sich nicht um den ersten in der Region zwischen Bergdietikon und Baden. Ein Tier mit Namen Turo war einst besendert und ausgesetzt worden, lebte später medienwirksam in der Stadt Zürich, zog dann aber wie seine Vorgänger weiter. Die Wälder um Baden waren den Luchsen zu fragmentiert, die Zivilisationen zu nahe.

Bereits sechs tote Rehe

Nun hat jedoch offenbar ein Luchs dauerhaft Gefallen am Waldzug der linken Limmattalseite gefunden. Der Bergdietiker Jagdaufseher Urs Müller hat ihn gesehen und bereits sechs tote Rehe mit den entsprechenden Reissspuren gefunden. «Und dies ist nur ein Bruchteil der Tiere, die der Luchs tatsächlich gerissen hat. Es liegen noch mehr im Wald», sagt er. Schon letztes Jahr konstatierte Müller einen Anstieg an Rehen, die der Luchs getötet hatte. Ob es derselbe war, weiss er jedoch nicht. «Nach November fand ich dann keine Rehe mehr, den Winter über war er also nicht hier.»

Drei Fotofallen stehen im Wald

Im Gegensatz zu Müller ist sich Fridolin Zimmermann nur «fast sicher», dass es sich hier um einen Luchs handelt. Zimmermann ist für das Luchsmonitoring bei den KORA (Koordinierte Forschungsprojekte zur Erhaltung und zum Management der Raubtiere in der Schweiz) verantwortlich. «Schon im April 2010 schickte uns die Jagdverwaltung des Kantons Aargau ein Foto, auf dem ein Reh mit entsprechenden Reissspuren zu sehen war.» Genau wie Jagdaufseher Müllers Sichtung reiche dies in der KORA-Wertung jedoch nur für die Kategorie «fast sicher». «Für absolute Gewissheit benötigen wir ein Foto des Luchses selbst.» Zu diesem Zweck stehen nun drei Fotofallen im Wald.

Luchs wird kaum sesshaft bleiben

Zimmermann vermutet, dass es sich beim eingewanderten Tier um einen zwei- bis dreijährigen Luchs handelt. «Diese Lebewesen akzeptieren in ihrem Revier keine Artgenossen desselben Geschlechts. Wahrscheinlich wurde das Jungtier vertrieben, jetzt ist es auf der Suche nach seinem eigenen Territorium.» An Nahrung mangelt es dem Luchs in Bergdietikon zumindest nicht, viel eher an einem Partner. «Der Wald ist dort zu klein für zwei Luchse. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich ein Tier dort langfristig niederlässt», sagt Zimmermann.

Jäger müssen Abschusspläne anpassen

Solange der Luchs jedoch noch in der Region Baden ist, ergeben sich für die hiesigen Jäger Konsequenzen: «Wir müssen die Abschusspläne anpassen», sagt Bergdietikons Jagdaufseher Müller. «Schliesslich ist nun ein Jäger mehr im Gebiet.» Er reisst pro Woche ein Reh, im Jahr also über 50. Zum Vergleich: Momentan dürfen die Bergdietiker Jäger laut Reglement jährlich noch rund 20 Rehe schiessen.

Für Erholungssuchende ändert sich im Wald jedoch nichts. Vor dem Luchs braucht niemand Angst zu haben, selbst wenn er nicht scheu ist, so Zimmermann von der KORA: «In der Regel versteckt er sich vor Passanten nur. Es kann vorkommen, dass Personen nur zehn Meter an ihm vorbeigehen. Solange er sich sicher fühlt, haut er nicht ab.»