Es ist eine filigrane Arbeit. Schicht für Schicht tragen die Restauratoren ab. Neben kleinem Werkzeug kommt immer wieder sanfter Dampf zum Einsatz. Dadurch wird die Farbe aufgeweicht, damit sie leichter entfernt werden kann. An einigen Stellen ist die ursprüngliche Stuckverzierung bereits vollständig freigelegt. Bis der ganze Raum im Propsteiflügel des Klosters Fahr in alter Pracht erstrahlt, wird es aber noch einige Zeit dauern.

Dennoch ist Reto Nussbaumer jetzt schon begeistert. «Es kommt nicht jeden Tag vor, dass man solch reich verzierte Stuckarbeiten zu Gesicht bekommt», sagt der Denkmalpfleger des Kantons Aargau. Auch seine Stellvertreterin Isabel Haupt ist von den Stuckarbeiten angetan.

Sie begleitet die Sanierungsarbeiten im Kloster Fahr aus denkmalpflegerischer Sicht. «Aus Rechnungen aus dem 18. Jahrhundert geht hervor, dass Stuckateure damals mehr verdienten als Maler, die für die Deckenmalereien verantwortlich zeichneten. Stuckateur war damals ein hoch angesehenes Kunsthandwerk», sagt Haupt. Wenn man sich die Arbeiten im Kloster Fahr anschaue, wisse man, weshalb das so gewesen sei.

Ausstellungsraum für Silja Walter

Nebst der Begleitung der Restaurierungsarbeiten umfasst die Aufgabe von Haupt ein weites Spektrum. «Ziel ist es, dass das Kloster nach der Sanierung heutigen Ansprüchen bezüglich Nutzung und Sicherheit genügt. Das bedeutet, dass man die elektrischen Leitungen ersetzt», so Haupt. Bei diesen Arbeiten werde diskutiert, wo Steckdosen installiert und Leitungen verlegt werden sollen. Gleichzeitig werde eine sanfte Renovierung der Anlage vorgenommen. «Es gilt, dass die einzelnen Räume im Kloster angemessen saniert werden. Keinesfalls wollen wir es museal konservieren», sagt sie.

Angemessen bedeutet, dass bei jedem Raum diskutiert wird, welche Funktion er übernehmen soll und was deshalb unbedingt gemacht werden muss. «In manchen Räumen, die auch für die Öffentlichkeit zugänglich sind, werden grössere Arbeiten vorgenommen, als in solchen, die nicht oft gebraucht werden», hält Haupt fest. So werde das ehemalige Zimmer des Propstes nach der Sanierung als Ausstellungsraum für das Werk der 2011 verstorbenen Ordensschwester und Schriftstellerin Silja Walter genutzt.

Damit die Räume im einstigen Glanz erstrahlen, bedarf es umfangreicher Voruntersuchungen. «An einigen Stellen sind die Wände mit bis zu elf Farbschichten überstrichen. Gleiches gilt für die Stuckverzierungen», so Haupt. Die Schichten würden in einem so genannten Befundfenster freigelegt. Dann diskutiere man, welche Farbstimmung der Raum haben soll.

Teure Voruntersuchungen nötig

«Es ist unmöglich, sämtliche Räume komplett zu restaurieren. Dafür reichen die finanziellen Mittel nicht aus», sagt Haupt. Deshalb werde untersucht, welche Farbschichten im Laufe der Jahre aufgetragen worden sind und ob sie für die Bausubstanz schädlich seien. Sei das der Fall, müsse sie abgetragen werden.

Wenn nicht, könne eine Restaurierung auf später verschoben werden. «Solche Voruntersuchungen sind zwar teuer, helfen im Endeffekt aber Kosten einzusparen», sagt Nussbaumer. Aus diesem Grund würden sie auch hoch subventioniert. Zusammen mit den darauf folgenden Restaurierungsarbeiten werden sie dokumentiert und sollen künftigen Generationen als Informationsquellen dienen.

In der Gegenwart ist die Denkmalpflege mit der Vorbereitung für die anstehenden Restaurierungsarbeiten der Freskenmalereien beschäftigt. Sie gelten als eigentliches Prunkstück des Klosters.

«Aus denkmalpflegerischer Sicht gehört das Fahr Schweiz weit zur Top Liga. Dies hat vor allem mit den Fresken der Gebrüder Torricelli zu tun», so Nussbaumer. Wie auch bei den Stuckarbeiten werden für die Restaurierung der Fresken erfahrene Restauratoren eingesetzt. «Auf einer Denkmalpflege-Baustelle sind die Handwerker die wichtigsten Personen», so Nussbaumer. Die Arbeiten müssten möglichst substanzschonend ausgeführt werden. «Ein Verlust an historischer Substanz ist und bleibt unwiederbringlich.»