Am 22. November entscheidet sich, ob die Stimmberechtigten im Kanton Zürich die Ampel für die Limmattalbahn auf Grün oder Rot schalten. Würde bereits heute über das Jahrhundertprojekt abgestimmt, könnte die Bahn schon bald Fahrt aufnehmen. Das zeigt eine von der az Limmattaler Zeitung in Auftrag gegebene Repräsentativbefragung des Meinungsforschungs-Instituts Demoscope bei 1000 im Kanton Zürich stimmberechtigten Personen.

Darum gehts bei der Limmattalbahn: Jürg Krebs, Chefredaktor der Limmattaler Zeitung, erklärt.

Darum gehts bei der Limmattalbahn: Jürg Krebs, Chefredaktor der Limmattaler Zeitung, erklärt.

Demnach befürworten 48 Prozent das Projekt, 13 Prozent lehnen es ab. 36 Prozent sind noch unentschlossen. Die restlichen 3 Prozent antworteten nicht auf diese Frage. Betrachtet man speziell den Bezirk Dietikon, stellt man fest, dass die Ablehnung der Bahn dort am grössten ist: 31 Prozent lehnen das Projekt ab, 46 Prozent unterstützen es im Limmattal. 22 Prozent sind noch unentschlossen. Ein ganz anderes Bild zeigt sich in den angrenzenden Bezirken Zürich, Affoltern und Dielsdorf.

Dort befürworten insgesamt 60 Prozent die Limmattalbahn, 9 Prozent lehnen sie ab, 29 Prozent haben sich noch nicht festgelegt. In den übrigen Bezirken spricht sich eine relative Mehrheit von 41 Prozent für das Projekt aus. Allerdings sind dort auch noch 42 Prozent der Befragten unentschlossen. Dieses Ergebnis ist insofern überraschend, dass die Ablehnung solcher Grossprojekte oft umso grösser ist, je weiter weg jemand wohnt und daher einen umso geringeren persönlichen Nutzen für sich darin sieht.

Für viele eine unbekannte Vorlage

Weniger überraschend sind die Resultate bezüglich der Parteiaffinität der Befragten. So befürworten 64 Prozent der links-grünen Wähler das Projekt. Bei den Mittewählern, zu denen auch die FDP-Wähler gezählt werden, liegt die Zustimmung zur Limmattalbahn bei 59 Prozent. Einzig bei den SVP-Wählern erreicht die Vorlage keine absolute Mehrheit. Dort sprechen sich 44 Prozent für das Projekt aus.

Eine Fahrt mit der Limmattalbahn gefällig? Die geplante Strecke im Schnelldurchlauf – inklusive Haltestellen.

Eine Fahrt mit der Limmattalbahn gefällig? Die geplante Strecke im Schnelldurchlauf – inklusive Haltestellen.

Allerdings haben sich bei allen drei Parteigruppen immer noch jeweils rund ein Drittel nicht festgelegt.
Nebst der grossen Zahl an noch unentschlossenen Stimmbürgern fällt auch auf, dass von allen Befragten zum Zeitpunkt der Erhebung (19. bis 29. Oktober 2015) kantonsweit bislang erst 58 Prozent Kenntnis von der Vorlage haben. 41 Prozent ist nicht bekannt, dass am 22. November über die Limmattalbahn befunden wird. Ganz anders die Situation im Bezirk Dietikon: 86 Prozent ist die Vorlage bekannt, nur gerade 14 Prozent nicht.

Geklärt wurde mit der Befragung nicht nur, ob man für oder gegen die Limmattalbahn ist, sondern auch worin die Vor- und Nachteile des Projekts gesehen werden. Dabei liess die Umfrage Mehrfachnennungen zu. Es zeigt sich, dass die Befürworter verschiedene Vorteile aufzählen, während bei den Gegnern ein Ablehnungsgrund im Vordergrund steht.

Viele Befürworter bemängeln Kosten

27 Prozent aller Befragten im Kanton Zürich glauben, dass durch die Limmattalbahn die Strassen entlastet werden. Im Bezirk Dietikon sind 20 Prozent dieser Ansicht. Ebenso glauben 24 Prozent aller Befragten, dass die Bahn das Limmattal ganz allgemein attraktiver machen wird. 7 Prozent der kantonsweit befragten Personen sind der Ansicht, dass das Limmattal durch die Bahn zu einem attraktiveren Wohnort wird. 6 Prozent glauben, dass die Region auch ein attraktiverer Arbeitsort wird. Im Bezirk Dietikon sind 22 Prozent der Ansicht, dass die Region durch das Projekt ganz allgemein attraktiver wird. 20 Prozent aller kantonsweit Befragten glauben weiter, dass die Bahn bequemer und schneller als Busse ist.

Hans Egloff (Pro, links) und Christian Meier (Kontra) im Streitgespräch zur Limmattalbahn – Moderator: Jürg Krebs, Chefredaktor der Limmattaler Zeitung (Mitte).

Hans Egloff (Pro, links) und Christian Meier (Kontra) im Streitgespräch zur Limmattalbahn – Moderator: Jürg Krebs, Chefredaktor der Limmattaler Zeitung (Mitte).

Der Hauptgrund für die Ablehnung der Bahn sind die hohen Kosten und der mangelnde Mehrwert. Die Ergebnisse zeigen, dass 35 Prozent aller Befragten im Kanton die hohen Kosten der Limmattalbahn als Nachteil bezeichnen. Im Bezirk Dietikon sind es 28 Prozent. Das heisst, dass selbst bei den Befürwortern des Projektes die Kosten nicht unumstritten sind. 32 Prozent der Ja-Sager führen die hohen Kosten ins Feld.

Bei den Nein-Sagern liegt dieser Wert bei 39 Prozent. 34 Prozent von ihnen erachten die Limmattalbahn darüber hinaus als unnötig. Auch 23 Prozent der Befragten im Bezirk Dietikon geben an, dass es keine Notwendigkeit für eine Limmattalbahn gibt.

Demgegenüber zeigt sich aber auch, dass kaum jemand die Befürchtung hegt, dass die Bahn zu einem beschleunigten Wachstum im Limmattal führen könnte, wie das im Abstimmungskampf von den Gegnern ins Feld geführt wird. Gerade 1 Prozent der Befragten im Bezirk Dietikon hat Angst, dass die Limmattalbahn zu Dichtestress führen könnte. Auch dass Busse flexibler seien als eine Bahn wird nur von einer kleinen Minderheit angeführt. Im Bezirk Dietikon sind 3 Prozent der Befragten dieser Ansicht.

 Lesen Sie alles zur Abstimmung über die Limmattalbahn in unserem Dossier Limmattalbahn.