Wenn alle Mitglieder des Lions Clubs Limmattal so gut drauf sind wie diese beiden, muss es sich um eine fröhliche Truppe handeln. Präsident Charly Mettier (58) und Gründungsmitglied Pierre Lalive d’Epinay (81) sitzen gut gelaunt im Wintergarten des Dietiker Restaurants Sommerau-Ticino und werfen sich während des Gesprächs die Bälle zu. «Wir sind ein fröhlicher Club, der es gerne lustig hat», bestätigt Lalive d’Epinay.

Unbeschwert wird es zwar auch bei den Feierlichkeiten zum 40-jährigen Bestehen am kommenden Samstag zugehen. Aber im Mittelpunkt der Veranstaltung steht das Sammeln von Geld für das Projekt «One Dollar Glasses». Der Wunsch, Benachteiligten zu helfen, ist schliesslich die Hauptaufgabe für die Mitglieder eines Lions Clubs. «Wir Lions-Leute sind dankbar, alle Möglichkeiten im Leben gehabt zu haben. Uns ist bewusst, dass wir privilegiert sind, so gut wie es uns geht. Daraus entsteht der starke Wunsch, der Gesellschaft etwas zurückzugeben», erläutert Mettier den Lions-Markenkern.

Über die Jahrzehnte unterstützte der Lions Club Limmattal (LCL) diverse karitative Projekte und Organisationen, meist mit Geld, aber auch mit Arbeitskraft. So wurde beispielsweise einer Spitexorganisation in Rumänien finanziell unter die Arme gegriffen und gemeinsam mit einem anderen Serviceclub eine Grillierstelle im Freibad Schlieren gespendet und gebaut. Derzeit werden Defibrillatoren für den öffentlichen Raum im Limmattal angeschafft. Kostenpunkt: 4000 Franken das Stück. Ein Defibrillator wurde am Kirchplatz Dietikon, der andere im Einkaufszentrum Oberengstringen installiert, Oetwil ist demnächst an der Reihe.

Mal wurden Briefmarken für 1500 Franken zugunsten des Schweizerischen Blinden- und Sehbehindertenverbandes verkauft, mal ein aktiver Einsatz geleistet, indem die Mitglieder mit Bewohnern des Pflegezentrums im Spital Limmattal einen Ausflug zum Zirkus Biber in Arni unternahmen. 12 000 bis 15 000 Franken kommen durch die Spenden der insgesamt 42 Mitglieder pro Jahr zusammen. An die grosse Glocke hängen will Mettier, der in Schlieren wohnt, das nicht. «Wir wollen nicht auf Gutmenschen machen.»

Weltumspannendes Netzwerk

Diese Haltung teilt der LCL mit anderen Serviceclubs wie Rotary, Kiwanis und Soroptimist. Vielleicht begründet darin auch eines der Vorurteile, mit denen man den Lions Clubs und Co. begegnet: dass es den Mitgliedern nur um Networking und Geschäftsanbahnung gehe. «Geschäftliches in den Club hineinzutragen, gar Werbung zu machen, ist verpönt», betont Mettier. Aber natürlich entstünden gute Kontakte, auch Freundschaften. Da die Clubs international organisiert sind, reichen die Kontakte weit. «Als meiner Tochter vor vielen Jahren auf einer Weltreise in Australien das Geld ausging, vermittelte ich ihr den Kontakt zum örtlichen Lions Club, wo ihr schnell und unkompliziert geholfen wurde», so Lalive d’Epinay. So sei sie «flüssig» gewesen, bis Papas Geld aus Dietikon eintraf.

Wann gibt es die erste Löwin?

Richtig ist, dass nicht nur bei den Löwen, sondern auch bei den anderen Clubs grosser Wert auf das gesellige Beisammensein gelegt wird. Jeden ersten Dienstag im Monat trifft man sich zum Lunch im Clublokal Sommerau-Ticino, jeden dritten Dienstag gibt es ein Abendprogramm. Bei besonderen Gelegenheiten sind die Partnerinnen eingeladen. Derzeit sind die Herren noch unter sich. Nicht mehr zeitgemäss – das hat man im Limmattaler Club erkannt.

Beim Kampf gegen die Überalterung möchte man auch auf das weibliche Geschlecht setzen. Doch die Mitglieder sind der Ansicht, dass sich eine einzelne Frau nicht wohlfühlen würde, daher will man die ersten Löwinnen nur mindestens im Zweierpack aufnehmen. «Die Diskussion einer Frauenmitgliedschaft ist dem Zeitgeist geschuldet», meint Mettier. Jetzt halte man Ausschau nach geeigneten Frauen.

Womit man beim nächsten Vorurteil gelandet ist: Arroganz. Was ist das auch für ein Verein, bei dem man sich nicht einfach anmelden kann, sondern auf eine Einladung warten muss? «Damit wollen wir sichergehen, dass nur Mitglied wird, der zu uns und zum Club-Gedanken passt», erklärt Mettier. Denn das Ziel ist lebenslange Mitgliedschaft. Hat ein Mitglied einen Kandidaten im Auge, muss er sich einen Götti für ihn unter den anderen Mitgliedern suchen.

Eine Kommission hat später darüber zu befinden, ob der Neue den Anforderungen entspricht. Dabei ist Einstimmigkeit erforderlich. Nach ein paar Schnupperbesuchen kann der Neuling dann für sich entscheiden, ob er bleiben will. Um den Club ein wenig zu verjüngen, ist das Ziel, ein bis zwei Neumitglieder pro Jahr aufzunehmen. Einfach sei das nicht, so Mettier. Immerhin haben es in den letzten drei Jahren drei Neue hineingeschafft. Das jüngste Mitglied ist 44, das älteste 85 Jahre alt.

Jede Berufsgruppe nur einmal

Zusätzlich erschwert wird die Suche durch die «Berufsklausel». Jede Berufsgruppe soll wegen der Vielfalt der Zusammensetzung nur genau einmal vertreten sein. Lediglich bei den Ärzten wurde eine Ausnahme gemacht und die verschiedenen Fachrichtungen als eigenständig betrachtet. Mit Lalive d’Epinay war bereits bei der Gründung des LCL ein Arzt dabei. Er erinnert sich noch gut an seine «Einladung» im Jahr 1977, die mehr eine Aufforderung zum Mitmachen war. «Die Gründungsmitglieder Klemenz Räber, der dann erster Club-Präsident wurde, und Manuel Frey-Wettstein haben mich gefragt, ob ich mir das vorstellen könne.

Damals musste ich mich erst einmal über den Club informieren.» Es habe sich herausgestellt, dass viele interessante Leute mitgemacht haben und es gar nicht so «inzuchtmässig» war, wie er befürchtet hatte. «Jeder hatte es in seiner Berufsgruppe zu etwas gebracht und war bereit, etwas für die anderen zu tun.» Ausser ihm und Frey-Wettstein sind noch vier weitere Gründungsmitglieder aktiv: Kurt Gerhard, Fritz Hunziker, Dölf Ulrich und Walter Wernli. Mettier wurde vor 19 Jahren zur Mitgliedschaft eingeladen. «Auch ich musste mich erst mal informieren, was es mit dem Club auf sich hat. Am Anfang war ich sehr skeptisch.» Er habe aber seine Entscheidung nie bereut.

Auch der Club hat einen Götti

Familienmitglieder zu werben, ist übrigens nicht erwünscht. Für die gibt es den Nachwuchsclub «Leo Club Limmattal», der vor drei Jahren gegründet wurde. Dessen 24 Mitglieder sind zwischen 22 und 28 Jahre alt. Sie sind die Einzigen, die sich für die Mitgliedschaft selbst bewerben können. So wie die Neulinge Göttis brauchen, so brauchen auch Club-Neugründungen einen Götti-Club. Bei den Limmattalern war das der mittlerweile gut 60 Jahre alte Lions Club Baden. Darüber hinaus pflegt man eine Partnerschaft zum Lions Club Olympiaturm München. Auch mit den anderen Serviceclubs ist man in gutem Kontakt. «Es gibt keinen wesentlichen Unterschied zu den anderen Clubs», so Mettier. Hin und wieder sind die Mitglieder auch zusammen im Einsatz, etwa als sie beim Urdorffäscht 2014 gemeinsam mit den Rotariern und Kiwanern eine Festwirtschaft betrieben.

Noch ein weiteres Vorurteil gegenüber den Clubs muss man nennen: elitäre Vereinigungen der Vermögenden zu sein. Mettier: «Keiner soll bei uns ausgeschlossen sein, weil er finanziell nicht so potent ist.» Nicht alle Mitglieder seien vermögend. Wer mehr zu geben hat, spendet oft auch noch privat, also ausserhalb des Clubs. Jedes Mitglied zahlt 300 Franken Jahresbeitrag in die sogenannten Activity-Kasse, aus der das Geld für die karitativen Zwecke entnommen wird. Fehlt für ein Projekt noch Geld, werden die Mitglieder gefragt, wer noch etwas spenden möchte. «Viel beliebter aber ist es, selbst Hand anzulegen», meint Lalive d’Epinay.

Das sei befriedigender, weil man das Ergebnis der Arbeit direkt sehe. Das passt auch zum Motto, das sich der LCL vor 40 Jahren zur Gründung gegeben hat: «Wir bauen». Tatsächlich wurde in der Clubgeschichte häufiger gebaut, etwa ein Kinderspielplatz im Urner Bauen oder ein Klohäuschen bei einer Alphütte auf der Alp Sanaspans oberhalb der Lenzerheide. Am 10. Juni geht es nun also um das «One-Dollar-Glasses»-Projekt; alle Einnahmen des Fests werden dafür verwendet. «Wir sind so begeistert davon, dass wir das Projekt auch über das Jubiläum hinaus noch weiter unterstützen werden», so Mettier. Dabei handelt es sich um Montagekisten, mithilfe derer Brillen aus einem Federstahlrahmen und vorgeschliffenen Kunststoffgläsern hergestellt werden können. Jede Kiste kostet 2500 Franken. Zwei hat der LCL schon finanziert, ein Mitglied wird anlässlich seines Geburtstages am Jubiläumsfesttag eine dritte spendieren. «Wir freuen uns über jede Kiste mehr, die wir nach Kenia schicken können», sagt Charly Mettier.