Jubiläum Lions Club Limmattal
Im Kampf gegen die Überalterung wird auf die ersten Löwinnen gesetzt

Elitär, geschäftstüchtig, arrogant. Im Gegenteil selbstlos, menschenfreundlich, engagiert. Über sogenannte Serviceclubs kursieren zwiespältige Meinungen. Zwei Mitglieder des Lions Club Limmattal äussern sich zu Vorurteilen, ihrer Motivation, Menschen zu helfen, und warum auch der eigene Spass dabei nicht zu kurz kommen soll – etwa beim Jubiläumsfest am 10. Juni.

Gabriele Heigl
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 Anlässlich des 25-Jahr-Jubiläums errichteten LCL-Mitglieder einen WC-Anbau an der Alphütte Sanaspans. Von links: Andreas Soliva, Walter Wernli, Walter Geiger, Hans Wehrli, Charly Mettier, Urs Stierli und Ernst Thommen.
 In den 1980er-Jahren realisierte der LCL einen Spielplatz im Urner Realp. Auf dem Gerüst: Gründungsmitglied Walter Wernli.

Severin Bigler

Wenn alle Mitglieder des Lions Clubs Limmattal so gut drauf sind wie diese beiden, muss es sich um eine fröhliche Truppe handeln. Präsident Charly Mettier (58) und Gründungsmitglied Pierre Lalive d’Epinay (81) sitzen gut gelaunt im Wintergarten des Dietiker Restaurants Sommerau-Ticino und werfen sich während des Gesprächs die Bälle zu. «Wir sind ein fröhlicher Club, der es gerne lustig hat», bestätigt Lalive d’Epinay.

Unbeschwert wird es zwar auch bei den Feierlichkeiten zum 40-jährigen Bestehen am kommenden Samstag zugehen. Aber im Mittelpunkt der Veranstaltung steht das Sammeln von Geld für das Projekt «One Dollar Glasses». Der Wunsch, Benachteiligten zu helfen, ist schliesslich die Hauptaufgabe für die Mitglieder eines Lions Clubs. «Wir Lions-Leute sind dankbar, alle Möglichkeiten im Leben gehabt zu haben. Uns ist bewusst, dass wir privilegiert sind, so gut wie es uns geht. Daraus entsteht der starke Wunsch, der Gesellschaft etwas zurückzugeben», erläutert Mettier den Lions-Markenkern.

Über die Jahrzehnte unterstützte der Lions Club Limmattal (LCL) diverse karitative Projekte und Organisationen, meist mit Geld, aber auch mit Arbeitskraft. So wurde beispielsweise einer Spitexorganisation in Rumänien finanziell unter die Arme gegriffen und gemeinsam mit einem anderen Serviceclub eine Grillierstelle im Freibad Schlieren gespendet und gebaut. Derzeit werden Defibrillatoren für den öffentlichen Raum im Limmattal angeschafft. Kostenpunkt: 4000 Franken das Stück. Ein Defibrillator wurde am Kirchplatz Dietikon, der andere im Einkaufszentrum Oberengstringen installiert, Oetwil ist demnächst an der Reihe.

«Wir Lions-Mitglieder sind dankbar, alle Möglichkeiten im Leben gehabt zu haben. Uns ist bewusst, dass wir privilegiert sind. Daraus entsteht der starke Wunsch, der Gesellschaft etwas zurückzugeben.»

Charly Mettier, Präsident Lions Club Limmattal

Mal wurden Briefmarken für 1500 Franken zugunsten des Schweizerischen Blinden- und Sehbehindertenverbandes verkauft, mal ein aktiver Einsatz geleistet, indem die Mitglieder mit Bewohnern des Pflegezentrums im Spital Limmattal einen Ausflug zum Zirkus Biber in Arni unternahmen. 12 000 bis 15 000 Franken kommen durch die Spenden der insgesamt 42 Mitglieder pro Jahr zusammen. An die grosse Glocke hängen will Mettier, der in Schlieren wohnt, das nicht. «Wir wollen nicht auf Gutmenschen machen.»

Weltumspannendes Netzwerk

Diese Haltung teilt der LCL mit anderen Serviceclubs wie Rotary, Kiwanis und Soroptimist. Vielleicht begründet darin auch eines der Vorurteile, mit denen man den Lions Clubs und Co. begegnet: dass es den Mitgliedern nur um Networking und Geschäftsanbahnung gehe. «Geschäftliches in den Club hineinzutragen, gar Werbung zu machen, ist verpönt», betont Mettier. Aber natürlich entstünden gute Kontakte, auch Freundschaften. Da die Clubs international organisiert sind, reichen die Kontakte weit. «Als meiner Tochter vor vielen Jahren auf einer Weltreise in Australien das Geld ausging, vermittelte ich ihr den Kontakt zum örtlichen Lions Club, wo ihr schnell und unkompliziert geholfen wurde», so Lalive d’Epinay. So sei sie «flüssig» gewesen, bis Papas Geld aus Dietikon eintraf.

Wann gibt es die erste Löwin?

Richtig ist, dass nicht nur bei den Löwen, sondern auch bei den anderen Clubs grosser Wert auf das gesellige Beisammensein gelegt wird. Jeden ersten Dienstag im Monat trifft man sich zum Lunch im Clublokal Sommerau-Ticino, jeden dritten Dienstag gibt es ein Abendprogramm. Bei besonderen Gelegenheiten sind die Partnerinnen eingeladen. Derzeit sind die Herren noch unter sich. Nicht mehr zeitgemäss – das hat man im Limmattaler Club erkannt.

«Wir bauen»: Von den Anfängen des Lions Club Limmattal

22 Gründungsmitglieder trafen sich im November 1977 zur sogenannten Charterfeier in der Kirche Weiningen. Sechs der Gründer sind noch heute aktiv. Das Galadiner fand im Oetwiler Gemeindesaal statt. Die Einnahmen aus der Charternight gingen an die Stiftung Eingliederungs- und Dauerwerkstätte Limmattal und Knonaueramt. 5000 Franken kamen dabei für die Finanzierung eines Betriebsfahrzeugs zusammen.

Das Gründungsmotto lautete: «Wir bauen», nach dem 20-jährigen Bestehen abgewandelt in «Wir bauen weiter». Der Club-Präsident wechselt in jedem Jahr. Mit acht Mitgliedern sind die Urdorfer die stärkste Gemeindegruppe, gefolgt von Dietikon (6), Bergdietikon (5) und Schlieren (4). Bei den Berufen sind Gewerbe, Medizin und Dienstleistungen (je 8) und Industrie (6) am stärksten vertreten. Aber auch aus den Berufsgruppen Landwirtschaft und Politik ist je ein Vertreter dabei. (GAH)

Beim Kampf gegen die Überalterung möchte man auch auf das weibliche Geschlecht setzen. Doch die Mitglieder sind der Ansicht, dass sich eine einzelne Frau nicht wohlfühlen würde, daher will man die ersten Löwinnen nur mindestens im Zweierpack aufnehmen. «Die Diskussion einer Frauenmitgliedschaft ist dem Zeitgeist geschuldet», meint Mettier. Jetzt halte man Ausschau nach geeigneten Frauen.

Womit man beim nächsten Vorurteil gelandet ist: Arroganz. Was ist das auch für ein Verein, bei dem man sich nicht einfach anmelden kann, sondern auf eine Einladung warten muss? «Damit wollen wir sichergehen, dass nur Mitglied wird, der zu uns und zum Club-Gedanken passt», erklärt Mettier. Denn das Ziel ist lebenslange Mitgliedschaft. Hat ein Mitglied einen Kandidaten im Auge, muss er sich einen Götti für ihn unter den anderen Mitgliedern suchen.

Eine Kommission hat später darüber zu befinden, ob der Neue den Anforderungen entspricht. Dabei ist Einstimmigkeit erforderlich. Nach ein paar Schnupperbesuchen kann der Neuling dann für sich entscheiden, ob er bleiben will. Um den Club ein wenig zu verjüngen, ist das Ziel, ein bis zwei Neumitglieder pro Jahr aufzunehmen. Einfach sei das nicht, so Mettier. Immerhin haben es in den letzten drei Jahren drei Neue hineingeschafft. Das jüngste Mitglied ist 44, das älteste 85 Jahre alt.

Jede Berufsgruppe nur einmal

Zusätzlich erschwert wird die Suche durch die «Berufsklausel». Jede Berufsgruppe soll wegen der Vielfalt der Zusammensetzung nur genau einmal vertreten sein. Lediglich bei den Ärzten wurde eine Ausnahme gemacht und die verschiedenen Fachrichtungen als eigenständig betrachtet. Mit Lalive d’Epinay war bereits bei der Gründung des LCL ein Arzt dabei. Er erinnert sich noch gut an seine «Einladung» im Jahr 1977, die mehr eine Aufforderung zum Mitmachen war. «Die Gründungsmitglieder Klemenz Räber, der dann erster Club-Präsident wurde, und Manuel Frey-Wettstein haben mich gefragt, ob ich mir das vorstellen könne.

Damals musste ich mich erst einmal über den Club informieren.» Es habe sich herausgestellt, dass viele interessante Leute mitgemacht haben und es gar nicht so «inzuchtmässig» war, wie er befürchtet hatte. «Jeder hatte es in seiner Berufsgruppe zu etwas gebracht und war bereit, etwas für die anderen zu tun.» Ausser ihm und Frey-Wettstein sind noch vier weitere Gründungsmitglieder aktiv: Kurt Gerhard, Fritz Hunziker, Dölf Ulrich und Walter Wernli. Mettier wurde vor 19 Jahren zur Mitgliedschaft eingeladen. «Auch ich musste mich erst mal informieren, was es mit dem Club auf sich hat. Am Anfang war ich sehr skeptisch.» Er habe aber seine Entscheidung nie bereut.

Der Ehrenkodex der deutschsprachigen Lions Clubs

Der deutschsprachige europäische Destrict hat sich im April 2003 auf eine einheitliche Fassung des Lions-Ehren-Kodexes geeinigt.

- Ich werde das Ansehen meines Berufsstandes fördern und so beachten, dass ich mit Recht in dem Ruf stehe, etwas geleistet zu haben.

- Ich will dabei erfolgreich sein und mich um den mir zustehenden angemessenen Gewinn bemühen. Dieses Ziel werde ich jedoch nicht zulasten meiner Selbstachtung durch Wahrnehmen eines unlauteren Vorteils oder fragwürdiger Handlungen anstreben.

- Ich werde um des eigenen Vorteils willen nicht die Existenz eines anderen gefährden. Meinen Geschäftspartnern gegenüber will ich loyal sein und mir selbst treu bleiben.

- Wann immer ein Zweifel an der Korrektheit und moralischen Integrität meiner Einstellung oder meines Verhaltens gegenüber meinen Mitmenschen entsteht, werde ich mich selbstkritisch prüfen.

- Ich betrachte die Freundschaft als Ziel, nicht als Mittel zum Zweck. Ich bin mir bewusst, dass wahre Freundschaft nicht erwiesener Dienste wegen besteht.

- Ich werde mich stets meiner Verpflichtungen als Staatsbürger gegenüber meinem Land und der Gesellschaft bewusst bleiben und in Wort und Tat loyal zu ihnen stehen. Im Rahmen meiner Möglichkeiten werde ich sie mit persönlichem Engagement und finanziellen Mitteln bei der Erfüllung ihrer Aufgaben unterstützen.

- Ich werde meinen Mitmenschen helfen, indem ich den Unglücklichen mit Trost, den Schwachen mit Tatkraft und den Bedürftigen mit meinen wirtschaftlichen Mitteln beistehe.

- Ich werde behutsam sein mit meiner Kritik und freigebig mit meinem Lob, ich will mich bemühen, aufzubauen und nicht zu verletzen.

Auch der Club hat einen Götti

Familienmitglieder zu werben, ist übrigens nicht erwünscht. Für die gibt es den Nachwuchsclub «Leo Club Limmattal», der vor drei Jahren gegründet wurde. Dessen 24 Mitglieder sind zwischen 22 und 28 Jahre alt. Sie sind die Einzigen, die sich für die Mitgliedschaft selbst bewerben können. So wie die Neulinge Göttis brauchen, so brauchen auch Club-Neugründungen einen Götti-Club. Bei den Limmattalern war das der mittlerweile gut 60 Jahre alte Lions Club Baden. Darüber hinaus pflegt man eine Partnerschaft zum Lions Club Olympiaturm München. Auch mit den anderen Serviceclubs ist man in gutem Kontakt. «Es gibt keinen wesentlichen Unterschied zu den anderen Clubs», so Mettier. Hin und wieder sind die Mitglieder auch zusammen im Einsatz, etwa als sie beim Urdorffäscht 2014 gemeinsam mit den Rotariern und Kiwanern eine Festwirtschaft betrieben.

Noch ein weiteres Vorurteil gegenüber den Clubs muss man nennen: elitäre Vereinigungen der Vermögenden zu sein. Mettier: «Keiner soll bei uns ausgeschlossen sein, weil er finanziell nicht so potent ist.» Nicht alle Mitglieder seien vermögend. Wer mehr zu geben hat, spendet oft auch noch privat, also ausserhalb des Clubs. Jedes Mitglied zahlt 300 Franken Jahresbeitrag in die sogenannten Activity-Kasse, aus der das Geld für die karitativen Zwecke entnommen wird. Fehlt für ein Projekt noch Geld, werden die Mitglieder gefragt, wer noch etwas spenden möchte. «Viel beliebter aber ist es, selbst Hand anzulegen», meint Lalive d’Epinay.

Das sei befriedigender, weil man das Ergebnis der Arbeit direkt sehe. Das passt auch zum Motto, das sich der LCL vor 40 Jahren zur Gründung gegeben hat: «Wir bauen». Tatsächlich wurde in der Clubgeschichte häufiger gebaut, etwa ein Kinderspielplatz im Urner Bauen oder ein Klohäuschen bei einer Alphütte auf der Alp Sanaspans oberhalb der Lenzerheide. Am 10. Juni geht es nun also um das «One-Dollar-Glasses»-Projekt; alle Einnahmen des Fests werden dafür verwendet. «Wir sind so begeistert davon, dass wir das Projekt auch über das Jubiläum hinaus noch weiter unterstützen werden», so Mettier. Dabei handelt es sich um Montagekisten, mithilfe derer Brillen aus einem Federstahlrahmen und vorgeschliffenen Kunststoffgläsern hergestellt werden können. Jede Kiste kostet 2500 Franken. Zwei hat der LCL schon finanziert, ein Mitglied wird anlässlich seines Geburtstages am Jubiläumsfesttag eine dritte spendieren. «Wir freuen uns über jede Kiste mehr, die wir nach Kenia schicken können», sagt Charly Mettier.

Tue Gutes, und lass es dir gut gehen

Zum Jubiläum gibt es ein Fest auf dem Kirchplatz.

Gleich zwei runde Geburtstage kann der Lions Club Limmattal (LCL) feiern: das 100-jährige Bestehen von Lions Club International sowie das
40-Jahr-Jubiläum des eigenen Clubs. Am kommenden Samstag, 10. Juni, lädt der LCL die Bevölkerung von 9 bis 14 Uhr zu seinem Fest-Event auf den Kirchplatz Dietikon respektive in die Markthalle. Neben einer Festwirtschaft und einem Kinderkarussell werden die Stadtjugendmusik mit Drums Corps, die CEM-Band mit African Grooves und ein Gospelchor für Stimmung sorgen. Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht die «One-Dollar-Glasses»-Charity-Aktion für Kenia. Alle Festeinnahmen fliessen in die Finanzierung dieses Projekts.

Dessen Ziel ist es, eine Kleinstfabrikationsinfrastruktur für Ein-Dollar-Brillen aufzubauen. So können sehschwache Kinder und Erwachsene zu billigen Sehhilfen kommen. Die Fertigungskisten für die einfachen Brillen werden zu einem günstigen Preis an Kleinst- und Ein-Mann-Unternehmer abgegeben, welche mit der Produktion der Brillen ihren Lebensunterhalt verdienen können. Die Festbesucher können am Jubiläumstag eine Kiste besichtigen und bei der Brillen-Produktion zuschauen. Ein Exemplar der Kiste kostet 2500 Franken.