«Ich treffe hier viele Kolleginnen. Es macht Spass, zusammen zu essen», sagt die 14-jährige Gioia. Mit zwei Freundinnen hat sie gerade das Jugendhaus in Oberengstringen betreten. Noch müssen sich die drei Mädchen etwas gedulden. Jugendarbeiterin Sandra Jenny ist fast fertig mit dem Kochen. Es gibt Schnitzel, Gemüse und Kartoffelstock, dazu Salat und zum Dessert Erdbeeren mit Vanilleeis.

Neben Gioia und ihren Freundinnen sind elf weitere Oberstufenschüler für das Essen angemeldet. «Das entspricht dem Schnitt», sagt Lukas Vogt, Jugendbeauftragter von Oberengstringen. Auch er ist jeweils am Freitagmittag im Jugendhaus anzutreffen.

Anmeldung über Facebook

Seit Ende Oktober wechseln sich Jenny und Vogt mit dem Kochen ab. Damals, nach den Herbstferien, haben sie den Mittagstisch für die Oberstufenschüler ins Leben gerufen und damit eine Lücke geschlossen. Der bereits bestehende Mittagstisch der Schule richtet sich an Kinder ab dem Kindergarten bis und mit der 6. Klasse. «An warmen Tagen gab es immer wieder Schüler, die vor dem Jugendhaus über Mittag ihr Sandwich gegessen haben. Deshalb sind wir auf die Idee mit dem Oberstufenmittagstisch gekommen», sagt Jenny.

Bei ihrer Arbeit erhalten die beiden Jugendarbeiter Hilfe von einer Schulabgängerin, die derzeit auf der Suche nach einer Lehrstelle ist und beim Mittagstisch ihr Sackgeld aufbessern kann. «Wir haben insgesamt acht fixe Anmeldungen. Dazu kommen jeweils fünf bis sieben weitere», so Jenny. Anmelden können sich die Schüler via Facebook bis spätestens am Mittwoch. Das Menü kostet 5 Franken. «Der Mittagstisch ist eine Erfolgsgeschichte», sagt Jenny. Allerdings habe man mit den rund 15 Schülern bereits die Kapazitätsgrenze erreicht. Einerseits könne man in der kleinen Küche im Jugendhaus nicht für mehr Personen kochen. Andererseits sei der Essraum mit 15 Personen voll belegt.

Trotz der grossen Auslastung ist derzeit keine Erweiterung des Angebotes geplant. «Wir bleiben vorläufig dabei, den Mittagstisch nur am Freitag durchzuführen», sagt Jenny. Rechne man Vorbereitung und Aufräumen dazu, nehme die Organisation zwei bis drei Stunden in Anspruch. Diesen Aufwand könne sie nicht die ganze Woche betreiben. «Natürlich wäre es schön, wenn wir den Mittagstisch dereinst auch an anderen Tagen anbieten könnten. Möglicherweise gibt es Hausfrauen, die uns unterstützen würden», hält Jenny fest. Dies sei aber Zukunftsmusik.

Angenehm wäre es aus der Sicht der beiden Jugendarbeiter auch, wenn sie künftig einen Geschirrspüler zur Verfügung hätten. Derzeit müssen sie den Abwasch von Hand verrichten. «Vielleicht gibt es jemanden, der uns einen alten Geschirrspüler überlässt. Das gesamte Geschirr haben wir auch gratis zur Verfügung gestellt bekommen», sagt Jenny. Der Grossteil stamme aus aufgelösten Haushalten.

Schüler helfen mit

Vorerst arbeiten die Jugendarbeiter mit dem, was sie haben – und geniessen es. «Es ist sehr angenehm, zusammen mit den Schülern zu essen. Wir sind wie eine grosse Familie», sagt Vogt. Der Mittagstisch sei eine gute Gelegenheit, sich unkompliziert mit den Jugendlichen zu unterhalten. Auch bei den Schülern geniesst man die Atmosphäre im Jugendhaus. «Wir können uns gut unterhalten. Zudem gibt es immer feines Essen», so Gioia. Deshalb komme sie regelmässig.

Bei der Wahl des Essens liegt denn auch ein weiterer Grund für den Erfolg des Mittagstisches. Sowohl Jenny als auch Vogt achten darauf, dass die Mahlzeiten gesund sind, lassen die Jugendlichen bei der Menüwahl so weit als möglich aber auch mitbestimmen. Die Schüler danken es ihnen, indem sie nach dem Essen beim Abräumen helfen und auch sonst bereit sind, kleinere Aufgaben zu übernehmen.

Während die ersten Schüler bereits kurz nach dem Dessert wieder in die Schule müssen, haben andere noch eine Stunde Zeit, bis der Unterricht wieder beginnt. Wahlweise wird dieser Zeitraum für Hausaufgaben oder eine Partie Tischfussball genutzt.