Die kleine Gruppe aus Frauen diskutiert eifrig. Wenige Minuten zuvor kannten sich viele von ihnen noch nicht. Doch nach einer kurzen Aufwärmzeit wirken sie wie alte Freundinnen. «Hier auf dem Bild sind Soldaten: Das steht für Unsinn», sagt eine von ihnen. Die 20 Teilnehmerinnen diskutierten gestern im Erzählcafé für Frauen, organisiert von der Dialoggruppe Christentum-Islam Dietikon, zum Gesprächsthema «Sinn und Unsinn». Etwa so viele Frauen kämen durchschnittlich zur zweimal jährlich stattfindenden Gesprächsrunde, sagt Monika Hemri von der Dialoggruppe. Initiiert wurde diese 2009, als auffiel, dass an den interreligiösen Veranstaltungen von muslimischer Seite fast nur Männer teilnahmen. Mit einem mütterfreundlichen Konzept – Kinder sind im Erzählcafé willkommen – sollten auch Frauen zum interkulturellen Austausch bewogen werden.

Sie wolle mit ihrer Teilnahme den Anteil an Musliminnen etwas erhöhen, sagt Fatma Okur, deren blaues Kopftuch perfekt auf das blaue Muster ihrer Bluse abgestimmt ist. Ihre Bekannten, die zu den ersten Erzählcafés noch gekommen seien, hätten sich zurückgezogen, weil sie die katholischen und reformierten Teilnehmerinnen etwas zu alt fanden.

Frauen kommen nicht automatisch

Es sei nicht immer einfach, Frauen zum Kommen zu motivieren, sagt Hemri nach sieben Jahren Erzählcafé. Neue Teilnehmerinnen würden hauptsächlich durch persönliche Kontakte zu Stammbesucherinnen oder Mitgliedern der Dialoggruppe neugierig auf das Café. «Wenn wir etwa von einer der Dietiker Moscheen gerade keine Vertreterin in der Gruppe haben, kommen gewöhnlich auch keine Frauen dieses Zirkels zu uns.»

Seit der Gründung der Dialoggruppe habe es immer wieder Ein- und Austritte gegeben, was die Arbeit zeitweise erschwert habe, sagt Hemri. Es sei eine zeitaufwendige Freizeitbeschäftigung, die sich nicht immer mit den restlichen Pflichten vereinbaren liesse. Doch hätten die Wechsel auch neue Ideen in die Gruppe gebracht. Ayse Kisa hat türkische Wurzeln und ist vor einem Jahr zur Dialoggruppe gestossen. «Ich habe für heute zwölf Bekannte eingeladen», sagt sie. Vier davon seien gekommen. Viele zögerten wegen fehlender Sprachkenntnisse. Doch nicht alle.

Zwei Musliminnen, zum ersten Mal im Erzählcafé, können der in Hochdeutsch gehaltenen Konversation nicht immer folgen, nehmen aber gleichwohl am Gespräch teil. Während des zweistündigen Anlasses wird nicht nur im Plenum diskutiert. Die intensivsten Gespräche ergeben sich beim Pausenkaffee, bei dem türkisches Gebäck gereicht wird. Kisa wünscht sich, dass durch das Erzählcafé noch mehr Vorurteile abgebaut werden können. «Die Frauen im Erzählcafé sind alle sehr aufgeschlossen bezüglich anderer Kulturen und Religionen.» Doch sie würde auch gerne Frauen, die einer anderen Religion kritisch gegenüberstehen, im Erzählcafé begrüssen, so Kisa. «Wir können hier einen offenen Dialog führen, an dem die Frauen sich aussprechen sollen.» Andere Besucherinnen bestätigen die entspannte Atmosphäre. Diese Resonanz gibt der Dialoggruppe die nötige Motivation, um das Projekt weiterzuziehen. Das nächste Treffen im kommenden März steht bereits fest.