Gerichtspräsident Stephan Aeschbacher sprach am Donnerstag gleich zu Beginn der Verhandlung Klartext. «Wie ist es zu dieser Fahrt gekommen, die man etwas salopp als hirnrissig bezeichnen kann?», fragte er den Schweizer Töff-Fahrer, der sich wegen einer Raserfahrt verantworten musste. «Es war eine Kurzschlussreaktion», antwortete der Mann aus dem Limmattal, der von einer Teil-Invaliden-Rente lebt und im städtischen Teil des Limmattals wohnt.

Diese Strecke ist der Töff-Raser gefahren.

Das Wettrennen gegen die Polizei

Diese Strecke ist der Töff-Raser gefahren.

Zum Kurzschluss kam es am 28. Juli 2016. Beim Ostportal des Gubristtunnels überholte der Raser in der Mitte der Autobahn einen BMW, der sich auf der Überholspur befand. Als die Weininger Gubrist-Seite näher kam, überholte er zwei weitere Fahrzeuge, wiederum rechts. Sein Pech: Eines davon war ein ziviles Polizeiauto. Als der Raser erneut ein Auto rechts überholte, bevor er definitiv auf die Spur Richtung Westring einbog, reagierten die Kantonspolizisten mit Blaulicht und Sirene. Auch die «Stop-Polizei»-Leuchte wurde angeschaltet. Hier hätte es zu einem glimpflichen Ende kommen können, mit mindestens einem Ausweisentzug und einer saftigen Geldstrafe. Stattdessen: Panik beim vorbestraften Mann! Er drehte den Gasgriff weiter. Die 1000-Kubikzentimeter-Honda schoss mit 153 Kilometern pro Stunde über das Limmattaler Kreuz. An einer Stelle, wo maximal 80 gilt.

Lebensgefahr beim Limmi-Spital

Nachdem er die A3 in Urdorf verliess, ging es mit Tempo 116 über die Birmensdorferstrasse, obwohl dort nur 50 erlaubt wären. Bei der Pappel-Kreuzung bog er ohne zu blinken abrupt in die Schlierenstrasse ab und raubte so einem Lastwagen den Vortritt. Und das an einem sowieso gefährlichen Ort: der letzte Unfall mit Schwerverletztenfolge ereignete sich an dieser Stelle gerade erst Ende Mai. Über mehrere Fussgängerstreifen ging es weiter in den Kreisel von Schlieren- und Feldstrasse. Dann ein Überholmanöver im Kreisel selbst.

Beim Spital Limmattal fuhr er – innerorts – mit 115 km/h auf einen Mann zu, der gerade korrekt den Fussgängerstreifen überquerte. Juristisch gesehen war dies der schlimmste Teil seiner Flucht: Sie wird als Gefährdung des Lebens taxiert.

Weiter, immer weiter: 131 km/h auf der Urdorferstrasse – bis zur Linkskurve. Erlaubt wären 50. Beim Kesslerplatz wich er einer Polizeisperre aus, bog auf die Badenerstrasse Richtung Dietikon ein. Tempo 118, erlaubt wären 60. Gleich mehrere Rotlichter missachtete der Töff-Raser. Doch schliesslich geriet er doch noch in die Fänge der Polizei.

Da der Raser mit dem Urteilvorschlag der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis einverstanden war, gab es ein abgekürztes Verfahren. Am Donnerstag akzeptierte das Gericht den Vorschlag: 24 Monate Gefängnis, die Hälfte davon unbedingt. «24 Monate Freiheitsstrafe sind aus unserer Sicht sehr wohlwollend, aber knapp vertretbar», erläuterte Richter Aeschbacher. Hinzu kommen eine Geldstrafe, eine Busse und die Verfahrenskosten. Ebenfalls ins Urteil mit ein floss der Umstand, dass der Mann ohne Berechtigung zwei Waffen besass.

Seine letzte Freiheitsstrafe betrug sechs Jahre

Am 7. Dezember ist die Haft vorbei. Die Probezeit: fünf Jahre. Der Mann wurde erst 2014 von einer 2009 verhängten sechsjährigen Freiheitsstrafe bedingt entlassen. Und den Führerausweis gibt er nicht zum ersten Mal ab. Er werde sich nach der Freilassung ans Gesetz halten, versicherte er. Dazu Richter Aeschbacher: «Das haben schon andere gesagt.» Das Gericht hoffe aber, dass es ihm gelinge.