Bezirksgericht Dietikon
Im Gubrist rechts überholt, dann mit 115 km/h auf Fussgänger los – Raser verurteilt

Ein vorbestrafter Töff-Raser muss ein Jahr ins Gefängnis. Sein Tempo-Exzess war skrupellos. Das Gericht sprach Klartext mit ihm.

David Egger
Merken
Drucken
Teilen
Rechtsüberholen im Gubristtunnel: nur eine der zahlreichen Taten des Limmattaler Töff-Rasers. Nach Ende des Tunnels ging beim zivilen Polizeiauto die Sirene los.

Rechtsüberholen im Gubristtunnel: nur eine der zahlreichen Taten des Limmattaler Töff-Rasers. Nach Ende des Tunnels ging beim zivilen Polizeiauto die Sirene los.

Keystone

Gerichtspräsident Stephan Aeschbacher sprach am Donnerstag gleich zu Beginn der Verhandlung Klartext. «Wie ist es zu dieser Fahrt gekommen, die man etwas salopp als hirnrissig bezeichnen kann?», fragte er den Schweizer Töff-Fahrer, der sich wegen einer Raserfahrt verantworten musste. «Es war eine Kurzschlussreaktion», antwortete der Mann aus dem Limmattal, der von einer Teil-Invaliden-Rente lebt und im städtischen Teil des Limmattals wohnt.

Das Wettrennen gegen die Polizei Diese Strecke ist der Töff-Raser gefahren.

Das Wettrennen gegen die Polizei Diese Strecke ist der Töff-Raser gefahren.

Limmattaler Zeitung

Zum Kurzschluss kam es am 28. Juli 2016. Beim Ostportal des Gubristtunnels überholte der Raser in der Mitte der Autobahn einen BMW, der sich auf der Überholspur befand. Als die Weininger Gubrist-Seite näher kam, überholte er zwei weitere Fahrzeuge, wiederum rechts. Sein Pech: Eines davon war ein ziviles Polizeiauto. Als der Raser erneut ein Auto rechts überholte, bevor er definitiv auf die Spur Richtung Westring einbog, reagierten die Kantonspolizisten mit Blaulicht und Sirene. Auch die «Stop-Polizei»-Leuchte wurde angeschaltet. Hier hätte es zu einem glimpflichen Ende kommen können, mit mindestens einem Ausweisentzug und einer saftigen Geldstrafe. Stattdessen: Panik beim vorbestraften Mann! Er drehte den Gasgriff weiter. Die 1000-Kubikzentimeter-Honda schoss mit 153 Kilometern pro Stunde über das Limmattaler Kreuz. An einer Stelle, wo maximal 80 gilt.

Lebensgefahr beim Limmi-Spital

Nachdem er die A3 in Urdorf verliess, ging es mit Tempo 116 über die Birmensdorferstrasse, obwohl dort nur 50 erlaubt wären. Bei der Pappel-Kreuzung bog er ohne zu blinken abrupt in die Schlierenstrasse ab und raubte so einem Lastwagen den Vortritt. Und das an einem sowieso gefährlichen Ort: der letzte Unfall mit Schwerverletztenfolge ereignete sich an dieser Stelle gerade erst Ende Mai. Über mehrere Fussgängerstreifen ging es weiter in den Kreisel von Schlieren- und Feldstrasse. Dann ein Überholmanöver im Kreisel selbst.

Beim Spital Limmattal fuhr er – innerorts – mit 115 km/h auf einen Mann zu, der gerade korrekt den Fussgängerstreifen überquerte. Juristisch gesehen war dies der schlimmste Teil seiner Flucht: Sie wird als Gefährdung des Lebens taxiert.

Die Raser-Definition – gezeigt an Limmattaler Beispielen

40 km/h schneller als erlaubt muss man mindestens fahren, um als Raser zu gelten – dort, wo das Tempolimit weniger als oder genau 30 beträgt.

Beispiel: Raser sausen mit 70 am Stürmeierhuus in der Schlieremer Freiestrasse vorbei, wo das Tempolimit 30 gilt.

50km/h Überschreitung sind es dort, wo das Limit zwischen 30 und 50 beträgt.

Beispiel: Raser zischen mit 100 über die Zürcherstrasse durchs Birmensdorfer Zentrum, wo das Tempolimit 50 gilt.

60km/h Überschreitung sind es bei einem Limit zwischen 50 und 80.

Beispiel: Raser schiessen mit 120 auf der Zürcherstrasse beim Bahnhof Glanzenberg vorbei, wo das Tempolimit 60 beträgt.

80km/h Überschreitung sind es bei einem Limit, das über 80 liegt.

Beispiel: Raser jagen mit 200 über die Limmat-Autobahnbrücke bei Oetwil und Geroldswil. Dort gilt Maximaltempo 120.

Weiter, immer weiter: 131 km/h auf der Urdorferstrasse – bis zur Linkskurve. Erlaubt wären 50. Beim Kesslerplatz wich er einer Polizeisperre aus, bog auf die Badenerstrasse Richtung Dietikon ein. Tempo 118, erlaubt wären 60. Gleich mehrere Rotlichter missachtete der Töff-Raser. Doch schliesslich geriet er doch noch in die Fänge der Polizei.

Da der Raser mit dem Urteilvorschlag der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis einverstanden war, gab es ein abgekürztes Verfahren. Am Donnerstag akzeptierte das Gericht den Vorschlag: 24 Monate Gefängnis, die Hälfte davon unbedingt. «24 Monate Freiheitsstrafe sind aus unserer Sicht sehr wohlwollend, aber knapp vertretbar», erläuterte Richter Aeschbacher. Hinzu kommen eine Geldstrafe, eine Busse und die Verfahrenskosten. Ebenfalls ins Urteil mit ein floss der Umstand, dass der Mann ohne Berechtigung zwei Waffen besass.

Seine letzte Freiheitsstrafe betrug sechs Jahre

Am 7. Dezember ist die Haft vorbei. Die Probezeit: fünf Jahre. Der Mann wurde erst 2014 von einer 2009 verhängten sechsjährigen Freiheitsstrafe bedingt entlassen. Und den Führerausweis gibt er nicht zum ersten Mal ab. Er werde sich nach der Freilassung ans Gesetz halten, versicherte er. Dazu Richter Aeschbacher: «Das haben schon andere gesagt.» Das Gericht hoffe aber, dass es ihm gelinge.