Schlieren

Im Gasi-Areal schnurren die Kameras beim Dreh eines Kurzfilms

Regisseurin Caroline Feder (23) dreht im Rahmen der Diplomarbeit der Zürcher Hochschule für Künste im Industriequartier einen Kurzfilm. Der Kurzfilm soll die Leute unterhalten.

Zum dritten Mal schlägt die Klappe zusammen, Mauri mit der Teleskopstange und dem hochempfindlichen Mikrofon in der Hand ist bereit, Kamerafrau Nathali Kamber auch. Versteckt hinter der Mauer, für die Kameralinse unsichtbar, kauert Caroline Feder, eingepackt in eine warme Winterjacke. «Und bitte», gibt die 23-jährige Filmstudentin das Zeichen. Schlagartig wird es still im Atelier an der Gaswerkstrasse im Schlieremer Industriequartier. Wo noch vor wenigen Augenblicken emsiges Treiben herrschte, wird nun höchstens noch auf Zehenspitzen herumgeschlichen.

Im Gasi-Areal entsteht ein Kurzfil Teil 1

Im Gasi-Areal entsteht ein Kurzfil Teil 1

Die erfolglose Künstlerin Suzie, gespielt von Lea Whitcher, öffnet den Vorhang und grinst freudig in die Kamera. «Schnitt», ruft Regisseurin Feder nach zwei Minuten. Ganz zufrieden ist sie noch nicht, es gibt einen vierten Durchgang. Über eine Stunde arbeitet das Team nun schon an dieser einzelnen Einstellung, gemurrt oder geklagt wird aber trotz Kälte nicht. «Es läuft gut», meint Lea Whitcher zwischen den Aufnahmen, «die Stimmung ist angenehm und hoch konzentriert, alle arbeiten zusammen.»

Im Gasi-Areal entsteht ein Kurzfil Teil 2

Im Gasi-Areal entsteht ein Kurzfil Teil 2


Film soll Leute unterhalten

Im Rahmen der Diplomarbeit an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) verfilmt Caroline Feder die Kurzgeschichte «Last leaf». Auch das Drehbuch hat sie auf der Basis der Geschichte selbst verfasst. Eine Erzählung aus dem Leben gegriffen, Hoffnung und Illusion inklusive, lässt sie verschiedene Generationen aufeinandertreffen. «Für diese aus dem Jahr 1906 stammende Geschichte haben wir eine passende Location gesucht», erzählt Feder. Nach erfolglosem Suchen in Zürich sei sie auf das Atelier von «Mickry 3» gestossen. «Ich wollte eine spezifische Art von Location, die als Referenz an diese Zeit steht», begründet sie die Wahl. Die Idee kam auch bei den drei Mickry-Künstlerinnen Dominique Vigne, Nina von Meiss und Christina Pfander, die in diesem Atelier arbeiten, gut an.

Im Gasi-Areal entsteht ein Kurzfil Teil 3

Im Gasi-Areal entsteht ein Kurzfil Teil 3

«Das Atelier ist ein bisschen verträumt, hat Charme und ist einfach sehr schön», ist Feder vom Drehplatz begeistert. Nach zwei Tagen Vorbereitung stehen drei Drehtage auf dem Programm. Für alle Beteiligten sind diese fünf Tage sehr intensiv. Trotz Schlafmangel ist das Feuer in Feders Augen zu sehen. Augenscheinlich wird klar: Für sie ist das keine Arbeit, vielmehr pure Leidenschaft. «Ich möchte Geschichten erzählen und mit Menschen Momente festhalten», versucht sie ihre Begeisterung in Worte zu fassen. Aber schlussendlich soll auch dieser Film die Leute unterhalten. Bei ihrem Projekt helfen ihr insgesamt über 20 Personen, viele davon absolvieren ebenso ein Studium an der ZHdK oder schlossen dieses schon ab. Das professionelle Material gehört der Hochschule.

Auch wenn schlussendlich ein nur ungefähr 15 Minuten dauerndes Leinwanderlebnis resultieren wird - Feder hat mit ihrer Bachelorarbeit doch einen Hauch Hollywood ins Schlieremer Industrieareal gebracht und somit auch das Atelier von «Mickry 3» für die Nachwelt verewigt.

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