Zürich zählte rund 7000 Einwohner, als Conrad Gessner am 16. März 1516 geboren wurde. Wenig deutete damals darauf hin, dass aus ihm einst ein berühmter Gelehrter werden sollte. Einer, der weit über die Schweiz hinaus Ansehen genoss und vom Historiker Urs B. Leu «Leonardo da Vinci der Schweiz» genannt wird.

Gessner war das fünfte von acht Kindern eines Kürschners, dessen Lohn nicht ausreichte, um die Familie zu ernähren. Er verbrachte deshalb den Grossteil seiner Kindheit ausserhalb des Elternhauses. Mit fünf Jahren kam er zu seinem Grossonkel Johannes Frick, in dessen Garten er die Liebe zur Natur entdeckte.

Gönner sollten auch weiterhin eine zentrale Rolle in Gessners Leben spielen. Mit 14 Jahren ersuchte Gessner den Zürcher Reformator Huldrych Zwingli, den er verehrte, um ein Stipendium. Dieses wurde gewährt. Doch kurz darauf starb Zwingli – wie auch Gessners Vater – in Kappel am Albis in der Schlacht gegen die Katholiken. Für den jungen Mann war der Verlust des Mentors eine grosse Katastrophe.

Dennoch konnte Gessner auf Vermittlung von Bekannten in Paris und Bourges studieren. In Basel schloss er schliesslich 1541 sein Medizinstudium ab. Zuvor war er drei Jahre als Professor für Altgriechisch in Lausanne tätig.

Vater der modernen Zoologie

In Zürich, wo sich Gessner nach seiner Promotion in Basel niederliess, arbeitete er fortan als Arzt und Professor für Naturgeschichte. Allerdings waren seine Einkünfte gering. Deshalb sah er sich gezwungen, nebenbei schriftstellerisch tätig zu sein. Zwei dieser zahlreichen Schriften sollten seinen Ruhm begründen.

1545 veröffentlichte Gessner die «Bibliotheca universalis», dank derer er als Vater der Bibliografie gilt. Darin erstellte er eine Übersicht aller bis dahin bekannten hebräischen, griechischen und lateinischen Bücher. Sein bekanntestes Werk ist indes die mehrbändige «Historia animalium».

Das monumentale und prachtvoll – mit teilweise von ihm selbst erstellten Zeichnungen – bebilderte Tierkundelexikon, das ab 1551 erschien, machte Gessner europaweit berühmt und zum Begründer der modernen Zoologie.

In jene Zeit fiel auch Gessners Ernennung zum offiziellen Zürcher Stadtarzt. Er behandelte unter anderem den Reformator Heinrich Bullinger, dem er eine Pestbeule ausbrannte. Gessner selber war jedoch machtlos, als er selber von der Pest befallen wurde. Er starb in der Nacht auf den 14. Dezember 1565.