Dietikon
Im Einsatz für die Schwachen: Ordensschwester erzählt aus ihrem Leben

Im Gleis 21 stellte die Dietikerin Helene Arnet ihr Buch über die Ordensschwester Gaudentia vor, die 50 Jahre in Papua-Neuguinea wirkte.

Fabio Müller
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Journalistin Helene Arnet stellte mit Schwester Gaudentia und Schwester Lukas Süess ihr neues Buch vor.

Journalistin Helene Arnet stellte mit Schwester Gaudentia und Schwester Lukas Süess ihr neues Buch vor.

Fabio Müller

«Man muss sich vorstellen, dass die Einwohner von Papua-Neuguinea innert kurzer Zeit von der Steinzeit ins Computer­zeitalter gekommen sind», erzählt Helene Arnet im Dietiker Gleis 21. Am Sonntag konn- ten Interessierte sowohl von zu Hause per Livestream wie auch vor Ort der Vernissage ihres neuen Buches «Mit Gottvertrauen im Gepäck» beiwohnen. Die Dietikerin beschreibt darin das Leben der Baldegger Ordensschwester Gaudentia Meier, die rund 50 Jahre lang in Papua- Neuguinea auf Mission war. Zusammen mit Schwester Lukas Süess erzählte sie dem Publikum von ihren Erlebnissen. Musikalisch begleitet wurde die Vernissage vom Trio Trello.

Als die Ordensschwestern 1969 im Hochland des Inselstaates landeten, hatten die meisten Einheimischen noch nie zuvor eine weisse Frau gesehen. «Sie waren komplett baff, dass da einfach fünf weisse Frauen aus einem fliegenden Fahrzeug stiegen. Es ist gewesen, als wären wir in die Steinzeit gereist», erzählt Schwester Gaudentia. Für die Mission sei die Ankunft zuerst ein Kulturschock gewesen. Das Ziel war es, beim Aufbau eines Krankensystems zu helfen: «Die Kindersterblichkeit war damals so hoch, dass sie den Kindern erst ab einem Alter von ungefähr einem Jahr einen Namen gegeben haben.» Zu dieser Zeit starben auch viele Frauen während der Geburt, weswegen Schwester Gaudentia, die Hebamme war, viel Arbeit hatte. Gaudentia Meier hat während ihrer Zeit in Papua-Neuguinea mehr als 5000 Frauen bei der Geburt geholfen. Die Hilfe hat Wirkung gezeigt: Unter ihrer Aufsicht ist keine Frau mehr während der Geburt verstorben und die Kindersterblichkeit nahm ab.

Die Zeit auf der Insel war teilweise schwer. Immer wieder gab es in der Nähe der Missionsstation schwere Sippenkämpfe. Anfänglich noch mit Pfeil und Bogen, später mit Gewehren, trugen manche Grossfamilien Streitereien aus. Doch nicht nur die Sippenunruhen erschwerten das Leben. Ab den 1990er- Jahren verbreitete sich HIV und Schwester Gaudentia begann, die Einwohner über das Virus aufzuklären. Mit Plakaten informierte sie die Bevölkerung und führte Tests bei schwangeren Frauen durch. Die Massnahmen, die sie einleitete, zeigten Wirkung und wurden von anderen Gegenden im Land ebenfalls angewandt, sodass die Zahl von Neugeborenen mit HIV gesenkt werden konnte.

Ab 2013 setze sich die Schwester ausserdem gegen die Verfolgung vermeintlicher Hexen ein. Seit Januar 2018 ist sie wieder in der Schweiz. Gesundheitliche Probleme haben sie zu einer Rückkehr gezwungen. Dieses Jahr hätte sie in der Mission ihr 50. Jubiläum gehabt: «Leider konnte ich wegen Corona nicht ins Land reisen. Ich hoffe aber, dass ich zu einem spä­teren Zeitpunkt wieder gehen kann.»

Das Thema war schwer in Worte zu fassen

Auf die Idee für das Buch gekommen ist Autorin Helene Arnet über ihre Schwägerin: «Sie hat mir erzählt, dass ihre Tante in Papua-Neuguinea auf Mission sei. Das fand ich sehr interessant. 2013 habe ich dann im Magazin des ‹Tages-Anzeigers› gelesen, dass es im Land immer noch Hexenverbrennungen gibt.» Das habe sie dazu gebracht, mit Schwester Gau- dentia zu sprechen. Daraus sei schliesslich das Buch geworden. Zuerst wollte sie einfach die Geschichten von Schwester Gaudentia aufschreiben. Ihr sei aber aufgefallen, wie umfangreich das Thema ist und wie schwer es ist, das alles in Worte zu fassen. Ihr Fazit: «Ich bin sehr zufrieden mit dem Buch, das aus der Zusammenarbeit entstanden ist. Vor allem war aber die Begegnung mit Schwester Gaudentia für mich eine Bereicherung.»