Täglich schlängelt sich Gemeinderat Lucas Neff (Grüne) mit dem Velo durch das Dietiker Zentrum zu seinem Architekturbüro in der Fahrweid. Er bezeichnet sich als geübten Velofahrer, da er schliesslich in der Stadt Zürich aufgewachsen sei. Trotz der Übung findet Neff: «Es gibt Stellen in Dietikon, die für Velofahrer extrem gefährlich sind.» Schon mehrere Male sei er als Velofahrer in eine Situation geraten, die für ihn sehr kritisch gewesen sei.

Immer wieder wurden in der Stadt Dietikon politische Vorstösse zur Verbesserung des Velonetzes gemacht. Doch umgesetzt wurde laut Catherine Peer, SP-Gemeinderätin aus Dietikon und Vorstandsmitglied von «Pro Velo Limmattal», noch nicht viel: «Der Stadt fehlt es an der nötigen Konsequenz, um das Thema ernsthaft anzupacken.»

Liste mit über 30 Mängeln

Im letzten Geschäftsbericht der Gemeinde wird den Problemen der Velofahrer zu wenig Rechnung getragen, findet Peer. «Pro Velo Limmattal» hat dem Stadtpräsidenten deshalb eine Liste überreicht, die aufzeigt, wo in Dietikon überall Handlungsbedarf für den Veloverkehr besteht.

Die Liste ist drei Seiten lang und enthält über 30 Punkte. Bisher haben weder Peer noch «Pro Velo Limmattal» von der Stadt eine Rückmeldung erhalten: «Ich befürchte, dass die Liste in der untersten Schublade verschwinden wird», so Peer.

Dem widerspricht der Dietiker Stadtpräsident Otto Müller (FDP). Er hat die Liste von «Pro Velo Limmattal» an die zuständige Fachabteilung zur Abklärung und Bearbeitung gegeben: «Die Förderung des Veloverkehrs wird als eine Daueraufgabe angesehen», sagt Müller. Gerade erst sei die Erschliessung des Limmatfeldes mit dem Fahrrad bewilligt worden.

Aufs Trottoir ausweichen

Dass die Verbesserung der Velorouten als Daueraufgabe angesehen wird, findet Neff grundsätzlich gut: «Nur müssen die Aufgaben auch konkret angegangen werden.» Vor etwa zehn Jahren sei in Dietikon viel für den Veloverkehr gemacht worden. Heute aber gäbe es diesbezüglich keine aktuellen Projekte, so Neff.

Vor allem auf der Bremgartner-strasse beim Restaurant Honeret weiche er jeweils lieber auf das Trottoir aus, sagt Neff. Die Strasse sei ab dort so eng, dass neben zwei sich kreuzenden Autos kein Platz für Velos bleibe. «Das übersehen einzelne Autofahrer immer wieder und drängen Velofahrer ab», so Neff.

«Da muss sich etwas ändern»

Die von Neff beschriebene Strecke gehört zu einem der Punkte auf der Liste von «Pro Velo Limmattal». Auch Peer findet, dass auf diesem Strassenabschnitt besonders brenzlige Situationen entstehen können. Gefährlich findet sie vor allem, dass sich gleich unterhalb dieser Stelle das Schulhaus Zentral befindet: «Es gibt keine Velostreifen, die zum Schulhaus führen.

Da muss sich etwas ändern.» Weiteren Handlungsbedarf sieht Peer bei der Zentrumserschliessung mit dem Velo. Die Gemeinderätin bemängelt in diesem Zusammenhang, dass keine Velospur durch das Stadt- und zum Einkaufszentrum führt.

Wenig Bemühungen zu spüren

Auch CVP-Kantonsrat Josef Wiederkehr hat sich in seiner Zeit als Dietiker Gemeinderat immer wieder für die Verbesserung der Velorouten starkgemacht und entsprechende Vorstösse eingereicht. Wenn man die Verkehrssituation verbessern wolle, dann müsse man auch den Veloverkehr attraktiver machen, findet Wiederkehr: «Eine gesunde Verkehrspolitik ist eine, die alle Verkehrsteilnehmer gleichermassen einbezieht.»

Dass die Stadt Dietikon bemüht sei, die bestehenden Probleme im Zusammenhang mit dem Velonetz anzugehen, spüre er aber viel zu wenig, sagt Wiederkehr.