Bezirksgericht Dietikon

Illegale Fotos auf Facebook und 95 km/h innerorts – Frau muss 6300 Franken zahlen

Eine Frau hatte eine Gerichtseruteil gegen ihren Mann ohne dessen Einwilligung auf Facebook publiziert. Nun wurde sie selbst verurteilt.

Eine Frau hatte eine Gerichtseruteil gegen ihren Mann ohne dessen Einwilligung auf Facebook publiziert. Nun wurde sie selbst verurteilt.

Das Bezirksgericht Dietikon verurteilte eine Frau, die ein Urteil gegen ihren Mann auf Facebook publizierte.

Ein paar Klicks und schon wars passiert: Das Urteil des Kreisgerichts St. Gallen war online – und für jeden zu sehen auf dem öffentlichen Facebook-Profil der Bosnierin, die sich gestern vor dem Bezirksgericht Dietikon verantworten musste. Das St. Galler Urteil drehte sich um ihren Mann: Der Bosnier wurde 2013 wegen Verbrechen gegen das Betäubungsmittelgesetz zu einer teilbedingten Gefängnisstrafe verurteilt.

Die Urteilsveröffentlichung auf Facebook geschah 2016, also Jahre, nachdem der heute 59-jährige Mann sein Verbrechen begangen hatte. Seine 26-jährige Frau hatte das Urteil in der damals gemeinsamen Dietiker Wohnung abfotografiert. Ans Licht kam dies erst, als sie die Fotos auf Facebook hochlud – ohne dass sie ihren Mann überhaupt um sein Einverständnis gefragt hatte.

Mit 95 km/h innerorts

Die Frau hatte noch mehr auf dem Kerbholz: In Regensdorf wurde sie 2017 erwischt, als sie ihr Auto innerorts auf 95 Kilometer pro Stunde beschleunigte – auf einer Strasse, auf der 60 Kilometer pro Stunde erlaubt sind. Nach Abzug der Sicherheitsmarge von 5 Kilometern pro Stunde sind das immer noch 30 Kilometer pro Stunde zu viel. Hinzu kommt, dass sie zwischen 2013 und 2016 immer wieder mit einem gefälschten Nummernschilder-Paar Auto fuhr.

So wurde sie verurteilt wegen der Verletzung des Geheim- und Privatbereichs durch Aufnahmegeräte, des Missbrauchs von Schildern und der groben Verletzung der Verkehrsregeln. Zu den 1000 Franken Busse kommt eine bedingte Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu 50 Franken hinzu. Zudem muss sie die Verfahrenskosten von 3300 Franken übernehmen und ihrem Mann eine Genugtuung von 500 Franken plus Zinsen sowie 1500 Franken Schadenersatz für seine Anwaltskosten zahlen. Macht zusammen 6300 Franken, die die Frau nun zahlen muss.

Gefälschte Nummernschilder

Damit war die Arbeit für Richterin Alexandra Hardegger gestern aber noch nicht erledigt. Auch der Mann selbst war angeklagt. Seine Frau hatte die Polizei an den gemeinsamen Wohnort gerufen, um dieser in der Tiefgarage zu zeigen, dass an seinem Auto ebenfalls gefälschte Nummernschilder montiert waren. Die Polizei kam und schraubte die Schilder gleich ab, um sie mitzunehmen.

Allerdings hatte die Polizei keinen Durchsuchungsbefehl. Auch nachträglich war kein Durchsuchungsbefehl vorhanden. Deshalb waren die in der privaten Tiefgarage gesammelten Beweise nicht verwertbar und der Mann wurde freigesprochen.

«Danke», sagte der Mann nach dem Urteilsspruch zur Richterin, während er sich mit einem Taschentuch die Tränen aus dem Gesicht wischte.

Er hat auch nach dem Freispruch viele Sorgen: Kürzlich kündigte ihm sein Arbeitgeber. Nun steht er, wenige Monate vor seinem 60. Geburtstag, als alleinstehender arbeitsloser Mann mit gesundheitlichen und psychischen Problem da, der die beiden gemeinsamen Kinder seiner (Noch-)Ehefrau nie sieht.

Eine Versöhnung ist aussichtslos: Vor Gericht war jeweils vom «Herr dort drüben» und von «dieser Frau» die Rede. Und nach der Verhandlung sagte die Frau ihrem Mann noch einige Worte. Man musste kein Bosnisch verstehen, um zu merken, dass es keine Nettigkeiten waren. Der Mann behielt aber seine Contenance. «Was soll ich mich aufregen, wenn ich nichts mehr ändern kann? Das hat schon mein Grossvater gesagt», sagte er.

Das Facebook-Profil der verurteilten Frau ist noch heute öffentlich. Die Fotos vom Urteil aber, die sind weg.

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