Dietikon
Illegale Fäll-Markierungen – fast die falschen Bäume gefällt

Unbekannte haben im Dietiker Eichenwald beim Brüggliweg rund 40 Bäume mit einem rot-orange-farbigen Strich markiert: Der Revierförster Felix Holenstein überlegt sich nun, eine Anzeige gegen Unbekannt einzureichen. Die Markierung am Baum gilt als Bewilligung zum Fällen, und diese ist dem Förster vorbehalten.

Oliver Graf
Merken
Drucken
Teilen
Felix Holenstein
6 Bilder
Felix Holenstein zeichnete in Dietiker Wäldern kranke Bäume zum Fällen an. Ein Unbekannter markierte weitere Bäume ähnlich - ein Flugblatt ruft nun zur Rettung dieser Bäume auf.
Felix Holenstein zeichnete in Dietiker Wäldern kranke Bäume zum Fällen an. Ein Unbekannter markierte weitere Bäume ähnlich - ein Flugblatt ruft nun zur Rettung dieser Bäume auf.
Felix Holenstein zeichnete in Dietiker Wäldern kranke Bäume zum Fällen an. Ein Unbekannter markierte weitere Bäume ähnlich - ein Flugblatt ruft nun zur Rettung dieser Bäume auf.
Felix Holenstein zeichnete in Dietiker Wäldern kranke Bäume zum Fällen an. Ein Unbekannter markierte weitere Bäume ähnlich - ein Flugblatt ruft nun zur Rettung dieser Bäume auf.
Felix Holenstein zeichnete in Dietiker Wäldern kranke Bäume zum Fällen an. Ein Unbekannter markierte weitere Bäume ähnlich - ein Flugblatt ruft nun zur Rettung dieser Bäume auf.

Felix Holenstein

Claudio Thoma

Die rot-orange-farbigen Striche auf mehreren Dutzend Baumstämmen im Dietiker Eichenwald zeigen es eigentlich klar an: Diese Eschen und Buchen beim Brüggliweg sollen gefällt werden.
Mit einer Markierung versehen sind viele mächtige Bäume direkt entlang des Spazierwegs, der von der Grunschen bis zum Reppischhof führt.

Dies hat inzwischen Wanderer aufgeschreckt: «Bitte nicht umhauen», steht etwa auf einem Blatt, das an einer gesunden Douglasie beim Spazierweg angebracht ist. «Sonst hat es hier keine Bäume mehr», heisst es weiter. An einem anderen Baumstamm hängt ein Plakat mit der Aufschrift: «Ich bin zu jung zum Sterben.»

Diese Flugblätter hat auch Revierförster Felix Holenstein kürzlich entdeckt. Und er war irritiert: Denn diese beiden schönen Bäume hatte er gar nicht zum Fällen gekennzeichnet. Das zeigt auch ein Blick auf die Markierungen: Sie sind zwar in derselben Farbe auf den Stamm gesprayt worden, die auch Holenstein verwendet. Doch die Striche sind etwas ungelenkiger, etwas länger als beim erfahrenen Förster ausgefallen. Als sich Holenstein umblickte, erkannte er, dass Unbekannte an rund 40 weiteren Bäumen eine illegale Markierung angebracht hatten.

Demnächst starten die Arbeiten

Nicht alle der rot-orange-farbigen Striche beim Brüggliweg sind falsch: Ein paar Buchen und Eschen hatte der Revierförster hier im vergangenen Herbst angezeichnet. Etwa Eschen, die vom Eschentriebsterben befallen sind und deren Äste abbrechen könnten. Oder morsche Buchen, die bei einem heftigen Sturm zu Boden krachen könnten. «Da diesen Weg viele Spaziergänger nutzen, müssen wir aus Sicherheitsgründen ein paar Bäume fällen», erklärt Holenstein.

Diese Arbeit steht bevor: Spielt das Wetter mit, geht das Forstteam noch in dieser oder in der nächsten Woche in den Eichenwald. Das Team hat den Auftrag, alle markierten Bäume zu fällen. Hätte Holenstein – dank der Plakate – die fremden Markierungen nicht entdeckt, hätten auch die falschen Bäume abgeholzt werden können.

Aus diesem Grund steht der Revierförster auch mit dem Statthalter in Kontakt. Die Bewilligung für das Fällen eines Baumes, die mit der farbigen Markierung erteilt wird, ist ein hoheitlicher Akt und dem Förster vorbehalten. Das weitere Vorgehen ist derzeit noch unklar. «Wir klären ab, wie wir weiter verfahren sollen.» Denkbar ist, dass Holenstein eine Anzeige gegen Unbekannt einreichen wird.

Üblich sind fehlende Striche

Weshalb Unbekannte die Markierungen angebracht haben, ist unklar. Über das Motiv lasse sich nur spekulieren, sagt Felix Holenstein.

Förster sind in ihrem Alltag mit dem gegenteiligen Phänomen konfrontiert: Statt dass zusätzliche Bäume zum Abholzen falsch markiert werden, verschwinden in den Wäldern eher die richtigen Linien. Es komme vor, dass eine Person mit einem bestimmten Baum verbunden ist und deshalb die Markierung abkratzt, um ihn erhalten zu können, sagt Holenstein.

Doch warum sind nun im Dietiker Eichenwald von Fremden weitere Bäume zum Fällen markiert worden? Dass eine Person so auf einfache Art zu Brennholz für ihr Cheminée gelangen wollte, ist für Holenstein nicht vorstellbar. Denn das Holz gelangt gar nicht zu Einzelpersonen, es wird durch die Holzkorporation direkt über den Förster weitergehandelt.

Allenfalls steckt hinter den falschen Strichen auch gar kein tiefergehendes Motiv. Am Ende könnte es auch bloss ein Lausbubenstreich gewesen sein, mutmasst Holenstein.

Bevor nun das Forstteam mit seinen schweren Motorsägen anrückt, wird Felix Holenstein beim Brüggliweg nochmals sämtliche Markierungen prüfen. Er hatte dies auch den besorgten Waldbesuchern versprochen.

Auf deren Flugblättern hinterliess er schriftlich die Antwort: «Diese und weitere Bäume wurden durch Unbekannte illegal angezeichnet. Diese Bäume bleiben stehen.»