Der heute 43-jährige Türke hinterliess vor Obergericht einen denkbar schlechten Eindruck. Er lebt schon seit Frühling 2007 illegal in der Schweiz und schlägt sich widerrechtlich mit diversen Jobs durch. Sei es als Gemüsehändler, Kickbox-Trainer oder als Organisator von verbotenen Wettspielen.

Obwohl seine türkische Ehefrau von der Sozialhilfe lebte, liess er sie als Halterin eines Luxusautos der Marke Mercedes eintragen. Da sie keinen Führerausweis besass, fuhr er damit herum. Mit den entwendeten Papieren eines in Deutschland wohnhaften Türken.

Nach Verkehrsunfall aufgeflogen

Es war am 22. August 2008, als der Beschuldigte mit dem Mercedes auf der Bernstrasse durch Schlieren fuhr und kurz vor Mittag sein klingelndes Mobiltelefon auf dem Beifahrersitz ergreifen wollte. Mit schweren Folgen: Auf der Suche nach dem Handy verlor er die Herrschaft über seinen Wagen und krachte in einen 31-jährigen Motorradlenker.

Das Opfer wurde dabei über das Auto katapultiert und zog sich diverse Verletzungen zu. Unter anderen den Bruch der rechten Hand, eine Gehirnerschütterung und einen Nasenbeinbruch. Was aber am schlimmsten wog: Der Geschädigte leidet heute noch unter neuropsychologischen Störungen. So hat er Mühe, die richtigen Worte zu finden und verarbeitet Informationen deutlich langsamer.

Der Unfallverursacher log die Polizei in der Folge an und wies den entwendeten deutschen Führerausweis vor. Mit der Folge, dass gegen die unschuldige Person in Deutschland ein Strafverfahren eröffnet wurde.

Ausgeschafft und zurückgekehrt

Doch nun flog auch der Beschuldigte auf. Die Strafuntersuchung der Staatsanwaltschaft ergab, dass der Beschuldigte früher in Deutschland gelebt und 1998 wegen Drogenhandels eine Freiheitsstrafe von vier Jahren kassiert hatte.

«Ich will nur noch in der Schweiz leben», führte der Beschuldigte am Donnerstag am Obergericht aus. Er wurde im Oktober 2010 aus der Schweiz ausgeschafft, kehrte aber im Herbst 2012 wegen der anstehenden Verhandlung am Bezirksgericht Dietikon wieder zurück und stellte einen Asylantrag.

Seither lebt er wieder in der Ostschweiz mit seiner Frau und seiner siebenjährigen Tochter zusammen. Er und seine Angehörigen erhalten eine IV-Rente von monatlich rund 6000 Franken. Aufgrund der Trennung von seiner Familie sei er in der Türkei weder körperlich noch geistig in der Lage gewesen, dort zu arbeiten, erklärte er.

18 Monate bedingt in Dietikon

Am Obergericht stand nun das erstinstanzliche Urteil des Bezirksgerichts Dietikon zur Debatte. Dieses hatte den nur teilgeständigen Koch wegen falscher Anschuldigung, fahrlässig schwerer Körperverletzung, Urkundenfälschung, Fälschung von Ausweisen, Widerhandlung gegen das Lotteriegesetz sowie illegalen Aufenthaltes zu einer gerade noch bedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten sowie zu einer Busse von 2000 Franken verurteilt.

Zu wenig für die Staatsanwaltschaft, die Berufung einlegte und vor Obergericht eine deutlich höhere Strafe von 27 Monaten verlangte.

Verteidigung für Geldstrafe

Die Verteidigung hielt dagegen und setzte sich für eine bedingte Geldstrafe von 240 Tagessätzen zu 20 Franken ein. Dabei verlangte die Anwältin einen Freispruch beim Vorwurf der falschen Anschuldigung. So habe ihr Mandant bloss den legalen Versuch einer Identitätsvertuschung begangen. Als illegal eingereiste Person sei er geradezu gezwungen gewesen, sich falsch auszuweisen, plädierte sie.

Das Obergericht kannte aber kein Pardon. Es bezeichnete das Verhalten des Beschuldigten als frech, dreist und impertinent. Er habe einen unschuldigen Menschen vorgeschoben, führte der Gerichtsvorsitzende Peter Marti aus.

Damit bestätigten die Oberrichter die Dietiker Schuldpunkte und kamen zu einer drastischen Straferhöhung. Mit zweieinhalb Jahren Freiheitsentzug unbedingt sowie einer ebenso unbedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 50 Franken überschritten sie gar den Antrag des Staatsanwaltes.

Präsident Marti sprach aufgrund der absoluten Uneinsichtigkeit des Beschuldigten von einer klassischen Schlechtprognose. Bei Rechtskraft des Entscheides muss der Vater erneut mit seiner Ausschaffung rechnen. Allerdings will er sich dagegen mit allen rechtlichen Mitteln zur Wehr setzen, kündigte er an der Verhandlung an.