Der schwarze Lockenschopf hüpft mit jedem Schritt auf und ab. So als wolle er Isabella Bellottis Eifer unterstützen. Ihre beiden Hände liegen fest um den Griff des Tennisrackets. Die braunen Augen blicken konzentriert auf den Ball. Der ganze Körper strahlt zähe Entschlossenheit aus. Diese brauchte die 24-jährige, um mit ihrer Interclubmannschaft bis in die Nationalliga A aufzusteigen.

Einige Stunden vor dem Training in Urdorf sass Bellotti noch im Vorlesungssaal der Universität Zürich. Im Uni-Café erklärte sie, dass sie immer gewusst habe, dass sie auch noch etwas Kopflastiges machen müsse nebst dem Tennis. Deshalb entschloss sie sich für ein Sprachstudium. Die Stunden auf dem Sandplatz geben ihr den nötigen Ausgleich zur intellektuellen Arbeit. Man könnte sagen, das Tennis wurde Bellotti in die Wiege gelegt.

Ihr Vater ist Trainer im Tennisclub Weihermatt in Urdorf, ihre Eltern verbrachten bereits viele gemeinsame Stunden auf dem Tennisplatz. Mit sechs Jahren spielte Isabella Bellotti zum ersten Mal Tennis. Es war nicht die einzige Sportart, die sie getestet habe, betont sie. «Mein Bruder spielte Hockey. Wir probierten einiges aus, doch Tennis machte mir einfach am meisten Spass», sagt Bellotti. Sie habe ihren Vater geradezu dazu gedrängt, mit ihr in seinen freien Stunden auf den Platz zu kommen.

«Ich war nicht der Party-Typ»

Auch heute ist Renato Bellotti da, wenn auch nur per Zufall. «Ich musste ihr eine Sporthose für die Trainingspartnerin bringen», sagt Renato Bellotti. Bevor er das Clubhaus oberhalb des Tennisplatzes verlässt, betont er, dass nicht in erster Linie sein Training, sondern der Spass seiner Tochter am Tennis sie so weit gebracht habe. «Man muss Disziplin haben, doch das wollten wir nie erzwingen, das kam ganz von Isabella», sagt er.

Als die Entscheidung anstand, in welches Gymnasium sie gehen sollte, wählte Isabella Bellotti ein reguläres und trainierte daneben mindestens vier Mal in der Woche. So blieb nicht viel Zeit für Partys oder freie Abende. «Doch ich war sowieso nicht der Party-Typ», sagt Bellotti. Im Gegenteil, sie sei ein Bewegungsmensch. «Ohne Sport läuft bei mir nichts.» Deshalb ist sie glücklich, wenn sie nach den Vorlesungen jeweils ihre Kraft noch auf dem Sandplatz der Tennishalle loswerden kann.

So war sie denn auch nach den anstrengenden Jahren im Gymnasium froh um ein Zwischenjahr. In diesem kam für sie nichts anderes als Tennis infrage. Sie genoss es, sich keine Gedanken über die Schule machen zu müssen. «Ich konnte die ganze Zeit Tennis spielen und meine freie Zeit nachholen», sagt sie. Doch nach diesen Monaten machte sich der Lerneifer in ihr wieder bemerkbar.

Aufstieg auch mit Studium

Bellotti schrieb sich an der Universität in Zürich für französische und spanische Sprach- und Literaturwissenschaften ein. Besonders Spanisch liegt ihr, da sie mütterlicherseits spanische Wurzeln hat. Was sie aus dem Studium machen will, ist ihr schon heute klar: Sie wird weiterhin die Schule besuchen, nur auf der anderen Seite des Pultes. «Ich will Kanti-Lehrerin werden.» Wahrscheinlich werde sie eine strenge Lehrerin werden, sagt sie mit einem Grinsen.

In der vergangenen Saison wurde Bellottis Ehrgeiz auch neben der Uni belohnt. Zum ersten Mal stieg ein Interclub-Damenteam des TC Weihermatt in die Nationalliga A auf. Ein Erfolg, von dem viele Tennisspielerinnen träumen und für den sie viel Zeit und Geld einsetzen würden. Die familiäre Atmosphäre im Team besteht weiter, auch wenn jede der Frauen ihre eigene Tenniskarriere verfolgt.

«Wir sind über die ganze Welt verstreut, trotzdem treffen wir uns immer wieder oder halten den Kontakt via Chat aufrecht», sagt Bellotti. Mittlerweile ist sie die Einzige ihres Teams, die neben dem Tennis noch einem Studium nachgeht. Alle anderen spielen im Vollzeitpensum. «Für mich war es immer klar, dass zuerst die Schule kommt und danach das Tennis.» Für die R1-klassierte Spielerin sei es nie zur Debatte gestanden, Profi zu werden.

Diese Entscheidung bringt auch Grenzen mit sich. «Ab einem gewissen Punkt kann ich natürlich nicht mehr mithalten mit Spielerinnen, die fünf Stunden täglich trainieren», sagt Bellotti. Trotzdem hat der Ehrgeiz sie nicht losgelassen: Wann immer sie Zeit hat, verbringt sie die Abendstunden auf dem Platz in Urdorf. Dort schlägt sie ihre Bälle über das Netz und powert sich aus. Im erlauchten Kreis der sechs besten Tennisclubs der Schweiz spielten vergangene Saison auch Tennisgrössen wie Timea Bacsinszky und Patty Schnyder.

Einmal gegen sie zu spielen, wäre Bellottis Traum. Doch sie ist sich bewusst, dass ihre Chancen auf eine Partie gegen die bekannten Spielerinnen gering sind. «Da die anderen Teammitglieder mehr Zeit fürs Training haben, wird mein Vater sie auch eher an die Wettkämpfe einteilen», sagt sie. Das sei nichts als fair.

Renato Bellotti ist sich des Talents seiner Tochter wohl bewusst, doch gerade deshalb war er seit dem Anfang ihrer Karriere eher vorsichtig. «Bei so motivierten Spielerinnen muss man Acht geben, dass man sie nicht zu stark pusht. Das könnte sich negativ auswirken», sagt er. Für ihn sei es vor allem wichtig gewesen, dass seine Tochter den Spass am Tennis ins Erwachsenenalter retten könne.

Heute ist sie selbst Trainerin

Isabella Bellotti weiss, dass manche der Komplimente ihres Coaches auch seinem Vaterstolz entspringen. Trotzdem ist sie sicher, dass sie keinen besseren Trainer als ihren Vater hätte haben können. «Er hat uns als Gruppe zusammengebracht und war immer fair zu uns allen.»

Auch wenn das manchmal geheissen habe, dass sie sich hätte hinten anstellen müssen. «Überdies war ich auch in einer privilegierten Lage, dass ich überhaupt so viele Tennisstunden erhalten habe. Für andere wäre dies nur schon aus finanzieller Sicht nicht möglich gewesen.»

Während des Studiums hat sich Bellottis Fokus vom Trainieren auch auf das Trainingleiten verschoben. In der Tennishalle will sie den Mädchen ein wenig von ihrem Ehrgeiz und Selbstvertrauen mitgeben.

«Die Mädchen brauchen meist einen Tick mehr Unterstützung, viele wollen erst gar nicht an Wettkämpfe gehen», sagt Bellotti. Sie seien schlicht zu wenig ambitioniert. Deshalb seien dann auch mehr Knaben an den Wettkämpfen vertreten.

Nach ihren beiden Bachelorarbeiten im Gebiet der Phonetik hofft sie, auch im neuen Jahr wieder mehr Zeit zu haben, Tennismatchs zu spielen. Dafür trainiert sie mindestens viermal in der Woche auf dem Sandplatz in Urdorf.

Dort gibt sie nach einer gemütlichen Runde Einwärmen rund um das etwa 24 Meter lange Spielfeld voll Gas. Auch wenn es dabei nicht ernst gilt, wird dem Zuschauer schnell klar, dass Verlieren für sie keine Option ist.