Beim Eintritt in das Haus der Dietikerin Marisa Miracola sticht schnell die Dekoration ins Auge. Im Eingangsbereich steht eine Schale, drei Kerzenständer befinden sich auf einem Sideboard, eine aus schmalen Strängen geformte Kugel hat am Fussboden ihren Platz und kleine, filigrane Rosen schmücken den Esstisch. Das Spezielle daran, alle Kunstwerke wurden aus Beton gefertigt. Vor drei Jahren entdeckte Miracola diese besondere Kunstform für sich. «Meine Nachbarin belegte damals einen Wochenendkurs und hat danach eine grosse Betonschale mitgebracht. Ich fand die Idee genial und habe mich ihr angeschlossen.»

Beton wie Kuchenteig

Zu Beginn habe sie mit einfachen Dingen angefangen. Es sei auch oft ein Rumprobieren gewesen. Mit einem anderen Material zu hantieren, ist für Miracola keine Option. «Der Beton ist meine grosse Liebe. Es ist ein äusserst vielseitiges Material, mit dem fast alles möglich ist.»
Bei der Arbeit mit Beton ist jedoch auch Vorsicht geboten. Handschuhe und ein Mundschutz seien zwingend notwendig. Miracola arbeitet mit einem speziellen Knetbeton, der sich «auswallen lässt wie ein Kuchenteig.» Er besteht aus gewöhnlichem Quarzsandbeton, dem etwas Fliesenkleber beigefügt wurde. Wenn ein Objekt fertiggestellt ist, dauert es rund einen Monat, bis es ganz aushärtet.

Anfänglich schleppten die zwei Frauen emsig Betonmischungen in ihre Gärten. Eine Nachbarin beobachtete sie dabei und bekundete ebenfalls ihr Interesse an der kreativen Arbeit. Der Garten glich während dieser Zeit einem Schlachtfeld. «Irgendwann hörten wir, dass im Nachbarshaus ein Hobbyraum frei geworden ist. Diesen konnten wir dann für unsere Zwecke mieten – und unsere Männer wieder aufatmen», sagt Miracola und lacht.

Vor zwei Jahren verkaufte das Trio erstmals seine Arbeiten am Dietiker Weihnachtsmarkt. Auch für dieses Jahr haben sie sich bereits angemeldet. «Wir treffen uns drei Monate vor dem Markt regelmässig und stellen unsere Werke fertig.» Es gebe aber keine fixen Zeiten, zu denen man zusammenkomme und an den Projekten weiterarbeite. Jeder kommt und geht, wie es ihm gefällt. «Es ist erstaunlich, wie schnell die Zeit im Hobbyraum vergeht. Ich will eigentlich nur für eine Stunde hinüber und wenn ich das nächste Mal auf die Uhr schaue, sind bereits fünf vergangen.»

Herausforderungen erwünscht

Schon als kleines Mädchen ging Miracola kreativen Tätigkeiten nach. «Ich habe immer gestickt und gestrickt. Gebastelt habe ich auch und meine Kleider selber genäht.» Aufgewachsen ist die 59-jährige in der Stadt Zürich. Nach einiger Zeit, die sie in England verbrachte, kehrte die gebürtige Sizilianerin in die Schweiz zurück. Ihre Inspirationen holt Miracola von überall her. «Manchmal sehe ich etwas, und dann denke ich mir, das könnte ich doch aus Beton machen.» Miracola deutet auf die Einrichtung im Wohnzimmer und merkt an: «Hinter allem steckt hier eine Geschichte.»

Es kommt auch vor, das Miracola an ihre Grenzen stösst, etwa als sie eine Lampe aus Beton fertigen wollte und mit den dünnen Stromdrähten in Konflikt geriet. «Schwierige Stücke sehe ich als Herausforderung. Und mein Partner unterstützt mich dabei. Oft findet ein regelrechtes Brainstorming statt, wie man dieses Problem lösen könnte. Danach probiere ich es einfach noch mal.» Die grösste Freude sei es dann, wenn so eine Arbeit gelinge.