Bergdietikon

Ihr Netzwerk nutzte sie für die Natur

Anita Weibel ist Bergdietikons unermüdlichste Naturschützerin. Nun gab sie ihr Amt als Präsidentin ab.

Anita Weibel ist Bergdietikons unermüdlichste Naturschützerin. Nun gab sie ihr Amt als Präsidentin ab.

Über zwanzig Jahre lang hatte Anita Weibel das Ruder der Naturschutzgruppe Bergdietikon in der Hand. Nun hört sie auf.

Die Tätigkeitsliste in den Jahresberichte der Naturschutzgruppe Bergdietikon ist vielfältig: Amphibienbetreuungen, Schnepfenweiherputzen, Vogelhäuser bauen, Fachvorträge und Exkursionen. Der Verein beweist: Es steckt sehr viel Herzblut und Arbeit für die heimische Pflanzen- und Tierwelt in seinen Aktionen.

Zu verdanken ist ein grosser Teil all dieser Bemühungen der Bergdietikerin Anita Weibel. Sie hatte seit 1998 das Amt der Präsidentin inne und setzte sich über 20 Jahre lang für die Anliegen des Vereins ein. Gestern Abend wurde sie nun an der Generalversammlung verabschiedet. Nach langem Suchen wurde eine Nachfolgelösung gefunden.

Weibel hat viele gute Erinnerungen. Die schönsten Momente seien jene gewesen, in denen sie Kinder habe begeistern können. «Wir haben immer wieder junge interessierte Menschen, die auf den Exkursionen mit uns die Natur besser kennenlernen», sagt sie.

Das Interesse der Jugendlichen verschwinde zwar oft mit etwa vierzehn Jahren wieder, dafür kommen aber neue motivierte Kinder nach, was sie freue. Denn es sei die nächste Generation, die sich so später für die Umwelt einsetzen werde. Dies, weil sie das Wissen über die Schätze der Natur habe. «Je mehr man über die Natur weiss, desto mehr Interesse wird geweckt», ist Weibel überzeugt.

Auch ihre Begeisterung für die Natur sei als Kind entfacht worden: «Ich erinnere mich, wie mich bei den Fahrten über den Gotthard schon sehr früh die Alpenblumen faszinierten», sagt sie. Zudem habe sie öfters Käfer und andere Kleintiere aus misslichen Lagen befreit.

Dieser frühe Zugang zur Flora und Fauna sei für sie prägend gewesen. «Wenn Kinder in die Schule gefahren werden, dann nimmt man ihnen schon nur die Möglichkeit, die kleinen Dinge auf dem Schulweg zu entdecken», findet sie.

Die modernen Steingärten bringen der Natur gar nichts

Zum Vereinsanliegen gehören deshalb nicht nur Aktionen, die direkt Einfluss auf das Wohl von Tierwelt und Landschaft haben, sondern auch Aufklärungsarbeiten und Wissensvermittlung dazu – beispielsweise über die Auswirkungen von Neophyten. Also von solchen Pflanzenarten, die ursprünglich nicht in der Region beheimatet waren.

«Sie mögen schön sein und in vielen Gärten wuchern, aber sie bringen der heimischen Natur gar nichts. Wir müssen entsprechend auch die Folgen für die Tierwelt vermitteln, wenn sich fremde Arten in den Wäldern weiter ausbreiten.» Sie würden die heimischen Pflanzenarten vertreiben, die für das Überleben zahlreicher Insekten notwendig sind.

Wie viel jeder schon nur im Kleinen bewirken kann, zeigt Weibels eigener Garten. Selbst gebaute Vogelhäuser stehen dort neben den über den Winter stehengelassenen Sträuchern. Zudem pflegt sie einen kleinen Teich. Damit bietet Weibel auch im privaten Umfeld viele Rückzugsmöglichkeiten für Kleintiere. Zudem gedeihen spezielle Blumenarten auf den von ihr zur Verfügung gestellten Ruralwiesen.

«Mit den Steinwiesen in den Vorgärten, die gerade so modern sind, ist niemandem gedient», sagt sie. Entsprechend wäre es am besten, wenn sich dieser Trend so schnell wie möglich wieder verflüchtigen würde.

«Im Allgemeinen war es in all den Jahren sehr viel Arbeit, die ich übernommen habe», sagt Weibel über ihr Engagement im Verein. Aber sie habe sich auch die Zeit nehmen können. «Ich konnte bereits bei der Übernahme des Präsidiums Teilzeit arbeiten.

Heute sind bei Berufsleuten mindestens 80-Prozentstellen üblich.» Sie könne deshalb nachvollziehen, dass viele Personen keine Zeit mehr für ein solches Amt haben. «Es ist nicht die Gleichgültigkeit gegenüber der Natur, sondern die Tatsache, dass sich immer weniger Leute für eine Sache fest engagieren wollen», sagt sie.

Zu ihren Tätigkeiten gehörten die Planung der Exkursionen, allgemeine Organisationsarbeiten, Sitzungen, sowie das Verfassen von Beiträgen und Protokollen. Auch die Aktualisierung der Mitgliederliste musste erledigt werden. Insgesamt zählt der Verein 111 Mitglieder.

Das Netzwerk ist wichtig, damit man etwas bewirken kann

Es ist nicht das erste Mal, dass Weibel eine geeignete Nachfolge für ihre Position suchte. Denn bereits 2015 trat sie zurück. Der damals gewählte Präsident gab das Amt aber nach kurzer Zeit wieder ab. Das müsse man akzeptieren, sagt sie. Sie sei deshalb kurzfristig wieder eingesprungen, aber nun sei definitiv fertig. Auch finanziell sei der Verein gut abgestützt.

«Wir hatten einen sparsamen Kassier», sagt sie und lacht. So erhalten beispielsweise die Kinder vier Mal im Jahr das Magazin Ornis Junior gratis.

Auf die Frage, bei welchen Aktionen es in all den Jahren Widerstand gegeben habe, grinst Weibel ebenfalls vergnügt: «Ich habe so ziemlich alles durchgebracht, was ich in Angriff nahm.» Nicht zu unterschätzen sei aber ihr grosses Netzwerk gewesen, auf das sie sich habe verlassen können.

Dieses habe eine gute Zusammenarbeit mit der Gemeinde und anderen Vereinen ermöglicht. Wenn sie den neuen Vorstandsmitgliedern etwas mitgeben könne, dann sei es deshalb, dass Kontakte wichtig sind, um etwas zu bewirken. Das gebe sie auch gerne an Birthe Lohmann und Dagmar Soergel weiter, die sich künftig im Co-Präsidium um die Arbeiten kümmern werden.

Das Vogel-Lisi gab ihr Kampfgeist bei der Übergabe weiter

Auch Weibel hat viel von Ihre Vorgängerin Lisa Ammann gelernt. Sie übernahm die Leitung des Vereins damals im Gründungsjahr 1981. «Ammann war wegen ihres Engagements als Vogel-Lisi bekannt und setzte sich mit enormer Power ein», sagt sie. Damals sei das Verständnis für die Natur in der Gesellschaft noch nicht so gross gewesen, wie dies heute der Fall sei. «Sie musste als Präsidentin kämpfen und ich bekam das auch mit.»

Wie viel Geduld es in der Natur manchmal braucht, bis sich die Engagements auszahlen, weiss auch sie aus eigener Erfahrung. «Du musst durchhalten können und das habe ich.» Acht Jahre lang habe sie unzählige Frösche vor dem sicheren Tod bewahrt. «Es war kürzlich eine Freude zu sehen, dass es Laich beim Schnepfenweiher hatte, noch bevor wir mit der ersten Rettungsaktion starteten», sagt sie.

Eine Treppe habe es den Fröschen verunmöglicht an den Laichort ihrer Geburt zurückzukehren. «Natur bedeutet eben auch Arbeit und nicht nur der Spass an den Exkursionen.» Dennoch sei ein Ausflug 2019 ein Höhepunkt gewesen. «Ich lernte das Moorgebiet in Niederrohrdorf bei einem Feldbotanikkurs kennen. Das muss man gesehen haben», sagt sie. «Wir haben deshalb eine Exkursion mit der Gruppe dorthin unternommen.»

Was dem Verein nun noch fehle, sei ein Bergdietiker Ornithologe, der sich mit der hiesigen Vogelwelt auskenne.Und auf was sie seit acht Jahren ebenfalls wartet: Dass Schwalben in das längst gebaute «Schwalbenhotel» beim Feuerwehrteich einziehen. Ein Zeichen der Laune der Natur. Aber vielleicht folgt das auch noch als weiterer Dank für ihr Engagement. Die Generalversammlung hat sie gestern zur Ehrenpräsidentin ernannt.

Autor

Cynthia Mira

Cynthia Mira

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