Dietikon
Ihr gelingt die Fusion von Jazz und Kirchenmusik

Seit fünf Jahren ist Berner als Kirchenmusikerin der Reformierten Kirchgemeinde in Dietikon angestellt. An der Musikhochschule Basel wird sie in Zukunft als Dozentin angehende Musiklehrer unterrichten.

Tabea Wullschleger
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Elisabeth Berner ist oft am Flügel oder an der Orgel in der reformierten Kirche anzutreffen, mal spielt sie dabei Kirchenlieder, mal Jazz. wul

Elisabeth Berner ist oft am Flügel oder an der Orgel in der reformierten Kirche anzutreffen, mal spielt sie dabei Kirchenlieder, mal Jazz. wul

Jazz und Kirchenmusik sind auf den ersten Blick zwei völlig unterschiedliche Welten. Elisabeth Berner sieht jedoch auch die Gemeinsamkeiten. «In keiner anderen Musikrichtung ausserhalb des Jazz wird so viel improvisiert wie in der Kirchenmusik», sagt sie, die sich mit beiden Stilen bestens auskennt.

Studiert hat die 31-Jährige Kirchenmusik und Schulmusik, ergänzt durch ein einjähriges Jazzstudium. Vor drei Jahren vereinte sie für ein Konzert Jazz und Kirchenmusik zum ersten Mal; das damals gegründete Quartett «berner in fusion» besteht bis heute und spielt am Freitag in Dietikon.

Egal, für welchen Musikstil, Berners Welt sind die Tasteninstrumente. «Mit fünfeinhalb Jahren konnte ich meine Eltern mit einem Wutanfall davon überzeugen, dass ich mit Klavierspielen anfangen muss», erzählt sie schmunzelnd. Als jüngstes von sechs Kindern wuchs sie in der Nähe von Stuttgart in einer musikalischen Familie auf.

Regelmässige Kirchenbesuche waren dabei ein fester Bestandteil des Familienlebens. Mit fünfzehn begann sie, auch auf der Orgel zu spielen und Gottesdienste zu begleiten, wodurch sie zum Studium der Kirchen- und Schulmusik gefunden hat.

Grosse Veränderungen

Seit fünf Jahren ist Berner als Kirchenmusikerin der Reformierten Kirchgemeinde in Dietikon angestellt, wo sie auch wohnt. «Es war eine sehr vielfältige Tätigkeit», sagt sie, ganz bewusst in der Vergangenheitsform. Auf Ende Jahr verlässt sie die Stelle nämlich.

An der Musikhochschule Basel wird sie in Zukunft als Dozentin angehende Musiklehrer unterrichten; Schulpraktisches Klavierspiel nennt sich das. Sie habe versucht, Kirchenstelle und eigene Konzerttätigkeit unter einen Hut zu bringen, sagt Berner.

So begleitete sie zum Beispiel am Morgen einen Gottesdienst, fuhr dann 200 Kilometer irgendwohin, um ein Konzert zu geben und musste am Montag wieder unterrichten. «Es war auf die Dauer einfach zu anstrengend», so Berner.

Trotzdem falle es ihr sehr schwer, zu gehen. «Die Stelle in Dietikon hat mir enorm gut gefallen», sagt sie. Hier konnte sie verschiedene Musikstile vereinen und so für ein abwechslungsreiches musikalisches Programm sorgen. Trotz des Jobwechsels wird sie in der Stadt wohnen bleiben und sich auch weiterhin bei «JazzDietikon» im Stadtkeller engagieren.

Als ihr wichtigstes Projekt bezeichnet Berner jedoch das Quartett «berner in fusion». Zusammen mit einem Trompeter, einem Kontrabassisten und einem Perkussionisten verbindet die Klavierspielerin dabei Choräle, Kirchenlieder und klassische Werke mit Jazz. Die Arrangements der Stücke stammen aus ihrer Feder. Sie verwendet dafür die Melodie aus dem Kirchenlied und verändert Harmonik und Rhythmus.

«Die Struktur besteht, am Konzert selber wird aber improvisiert», sagt sie.Musik ist für Berner Kommunikation. So bringe gerade im Jazz jeder Musiker durch die Improvisation seine eigene Persönlichkeit ein.

Erfolg für das Quartett

Als Berner vor drei Jahren zum ersten Mal mit Carl Machado, Axel Kühn und Jonathan Günak auftrat, dachte sie noch, sie wären die ersten, die sakrale Musik mit Jazz verbanden. «Wie wir dann aber herausfanden, gab es auch andere Formationen, die sich Jazzbearbeitungen von Chorälen widmen», erzählt Berner.

Die CD, welche «berner in fusion» damals aufgenommen hatte, hat sich bis heute rund 700 Mal verkauft. «So bekommen wir von den unterschiedlichsten Orten Anfragen für Konzerte», sagt Berner. Von diesen leben könnten sie aber bei Weitem nicht; alle vier üben daneben einen Beruf aus. Nichtsdestotrotz sind sie mit Leib und Seele bei der Sache.

«berner in fusion» spielen am Freitag, 25.10.2013, 20 Uhr, im reformierten Kirchgemeindehaus Dietikon