Kloster Fahr

«Ihr Feuer brannte bis ins hohe Alter» - an Aktualität haben ihre Texte nichts eingebüsst

«Voll singenden Feuers»: In der Woche nach Ostern gedenken die Nonnen des Klosters Fahr der Dichterin Silja Walter.

Heute vor 100 Jahren kam Silja Walter auf die Welt. 60 Jahre verbrachte die Schriftstellerin im Kloster.

Heute treffen sich 18 Siljas im Kloster Fahr zu einer geselligen Frauenrunde. Grund ist Silja (Cecile) Walter. Heute vor 100 Jahren wurde die schreibende Nonne als zweites von neun Kindern in die Verlegerfamilie Walter hineingeboren. Priorin Irene Gassmann freut sich auf das Treffen der Namensvetterinnen. «Ich möchte gerne hören, wie diese Frauen zu ihrem Namen gekommen sind», sagt sie. Am Abend folgt die ausverkaufte Vorstellung der Theater- und Musikproduktion «Ich habe den Himmel gegessen» von Christine Lather. Diese hat Silja Walters Lyrik und Texte zu deren Jubiläum zu einem Theaterabend verflochten. Das Stück ist eines der verschiedenen Aktionen, die dieses Jahr zum Gedenken an die Dichterin und Schriftstellerin stattfinden. «Durch die verschiedenen Aktionen möchten wir, dass die junge Generation entdeckt, dass Silja Walter ihnen etwas zu sagen hat», sagt die Priorin.
Im Kloster lebt die schreibende Nonne noch immer in verschiedenen Gebeten und Liturgien weiter. «Ich staune immer wieder, wie viel Neues ich in den Texten entdecke», so die Priorin. Das sei wohl auch eine der grössten Begabungen von Silja Walter gewesen, dass sie Dinge, die ihr wichtig waren, in Bildern wiedergeben konnte. So hätten ihre Gedichte bis heute nichts an ihrer Aktualität eingebüsst.

Lehrerin und Schriftstellerin

Das Schreiben sei Silja Walter in die Wiege gelegt worden. Ihr Bruder Otto F. Walter war ebenfalls Schriftsteller. Silja Walter schrieb ihre ersten Gedichte im Alter von etwa 16 Jahren. Nach ihrer schulischen Bildung schloss sie das Lehrerinnenseminar im zugerischen Menzingen ab. Danach begann sie ein Literaturstudium in Fribourg und Basel. Dieses musste sie aber aufgrund gesundheitlicher Beschwerden abbrechen, das Schreiben blieb ihr jedoch erhalten. Sie fasste es so in Worte: «Schreiben ist für mich ein Melden müssen.»

Nach einem Berufungserlebnis am Schwarzsee bei Zermatt 1947 trat Silja Walter mit 29 Jahren ins Kloster Fahr bei Unterengstringen ein. Dort erhielt sie den Namen Schwester Maria Hedwig (altdeutsch für die Kämpferin). Während den 60 Jahren im Kloster entstand der grösste Teil ihres literarischen Werks, für das sie mehrfach ausgezeichnet wurde. Silja Walter erhielt unter anderem zweimal den Preis der schweizerischen Schillerstiftung und den Kunstpreis des Kantons Solothurn. In ihren Gedichten, Prosabänden, Festspielen, Oratorien und theologischen Schriften bezeugte sie, dass das Leben im Kloster ein lebendiges Zeichen für Gottes-Dasein sein kann. Zeitlebens setzte sich die Schriftstellerin und Dichterin intensiv mit ihrem Verständnis vom Sinn des Lebens und ihrem Gottesbild auseinander.

Ihre Leidenschaft als Benediktinerin für Gott zu leben und das Erlebte auch weiterzugeben beeindruckte auch die Priorin. «Für mich war sie eine beeindruckende Person, deren Feuer bis ins hohe Alter brannte», sagt sie. Das zeigte sich auch ganz praktisch in ihrem Alltag: Mit 80 Jahren hat sich Silja Walter für ihr Schreiben einen Computer gewünscht und mit 90 Jahren fragte sie, ob man ihr einen Internetanschluss geben könne.

Kurz vor ihrem 90. Geburtstag sagte Silja Walter in einem Interview. «Es kommt jetzt die Überzeugung, dass ich nicht mehr lange Zeit habe. 60 Jahre bin ich nun auf diesen letzten Augenblick hingegangen und bin zur Einsicht gelangt, dass es gestimmt hat mit meinem Glauben.» Gegen den Schluss ihres Lebens ermutigte die Priorin sie, weiter Tagebuch zu schreiben. Das tat sie bis wenige Monate vor ihrem Tod am 31. Januar 2011 im Alter von 91 Jahren. Der letzte Eintrag hiess: «Danke für Deine Mühe mit mir – es ist hart für Dich und hart für mich, jetzt zu tanzen.» Diese Zeilen widmete Silja Walter der Priorin. «Als ich das las, bekam ich Gänsehaut.» Sie habe den Eintrag erst nach Silja Walters Tod gelesen.

Gotteserfahrungen in Worte fassen

An Silja Walters Beerdigung wurde sie vom Aargauer SVP-Regierungsrat Alex Hürzeler als «besondere Persönlichkeit, die das literarische Schaffen des Kantons Aargau entscheidend mitgeprägt hat», gewürdigt. Sie hätte zudem viele Menschen auf der Suche nach dem Sinn des Lebens unterstützt. Das hinterlassene Vermächtnis an Gedichten, Dramen, Hymnen und Gebeten soll nun besonders in diesem Jubiläumsjahr einem breiteren Publikum zugänglich gemacht werden. Denn Silja Walters Kunst war, «dass sie ihre Gotteserfahrungen in Worte fassen konnte, die andere verstehen oder über die sie stolpern und selber darüber nachdenken konnten», so die Priorin.

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