Dietikon

«Identifikation ist unabdingbar»: Wie viele Dietiker arbeiten für die Stadt Dietikon?

Auf dem Dietiker Kirchplatz blühen schnell Heimatgefühle auf. «Eine gewisse Verbundenheit und Identifikation mit dem Arbeitsort ist nicht nur nützlich, sondern nötig oder gar unabdingbar», findet der grüne Gemeinderat Beat Hess. san/Archiv

Wie viele Angestellte der Stadt Dietikon wohnen in der Stadt Dietikon? Der Gemeinderat Beat Hess (Grüne) wills wissen

Der Grüne Beat Hess wohnt, arbeitet und politisiert in Dietikon. Diese Dreifaltigkeit leben auch andere Dietiker Parlamentarier von links bis rechts vor. Sie müssen hier wohnen, um überhaupt gewählt werden zu können.

Doch wie halten es die Angestellten der Stadt? Arbeiten sie nur hier oder ist da mehr? Eine tiefere Verbundenheit, die die Leistung verbessert? Muss man in Dietikon leben, um diese Verbundenheit zu besitzen? Genau darüber könnte bald das Dietiker Parlament diskutieren.

Denn Beat Hess will vom Stadtrat wissen: Wie gross ist der Anteil an Dietikerinnen und Dietikern in der Stadtverwaltung? Der Stadtrat soll diesen Anteil jeweils für jede Abteilung der Stadt einzeln auflisten, präzisiert Hess in seiner Frage. Das hat seinen Grund: Hess will auch wissen, in welchen Bereichen der Stadtrat eine lokale Verwurzelung der Mitarbeitenden als vorteilhaft beziehungsweise wünschenswert erachtet. «Die Verbundenheit mit dem Arbeitsort ist in der Sozialabteilung wahrscheinlich ein grösserer Vorteil als in anderen Bereichen. Wer hier wohnt, weiss, wie die Menschen sind, mit denen er zu tun hat», sagt Hess dazu auf Anfrage.

«Weshalb gerade Dietikon?»

Weiter interessiert sich Hess dafür, wie die Gespräche vor einer Anstellung laufen. «Weshalb gerade Dietikon?», sei sicher eine wichtige Frage im Anstellungsgespräch, so Hess. Er will wissen, wie stark diese Frage im Anstellungsgespräch gewichtet wird. Ausserdem soll der Stadtrat sagen, wie die Mitarbeitenden der Stadt in die lokalen Verhältnisse eingeführt werden. Und wie die Stadt ihre Angestellten dazu anleitet, die lokalen Verhältnisse in ihre Arbeit einzubeziehen.

Die Interpellation von Hess haben auch Christiane Ilg-Lutz und Manuela Ehmann (beide EVP) sowie Patrick Gäumann (SP) unterzeichnet.

Hess begründet seinen Vorstoss mit zwei Punkten. So sei es aus Sicht des Umweltschutzes ideal, wenn Wohn- und Arbeitsort nahe beieinander liegen. Natürlich stünden die fachlichen Kompetenzen der Mitarbeitenden an vorderster Stelle. «Und doch ist eine Gemeinde eine spezielle Arbeitgeberin», sagt Hess. Gemeindeangestellte würden nicht nur einen Beruf ausüben, sondern «einen Dienst für die Anliegen und zum Wohl der Bevölkerung leisten». Eine gewisse Verbundenheit und Identifikation mit dem Arbeitsort sei dafür nicht nur nützlich, sondern nötig oder gar unabdingbar, so Hess.

Sein Vorstoss weckt Erinnerungen an frühere Zeiten, als Beamte noch verpflichtet waren, an ihrem Arbeitsort zu wohnen. Diese Wohnsitzpflicht kam unter Druck, weil die Bundesverfassung allen Schweizern das Recht gibt, sich dort niederzulassen, wo sie wollen. Vielerorts wurde die Wohnsitzpflicht darum stark gelockert oder ganz fallen gelassen. In der Stadt Zürich zum Beispiel war das 1993 der Fall. Seither kann der Stadtrat nur noch obere Kaderangestellte zu einem Wohnsitz in der Stadt Zürich verpflichtet. Seit 2010 verzichtet er aber ganz auf diese Möglichkeit.

«Es ist eine Philosophiefrage»

Der Verband der Zürcher Gemeindeschreiber lässt sich nicht dazu verlauten, ob ein Wohnsitz am Arbeitsort für Gemeindeangestellte besser ist oder nicht. «Es ist eine Philosophiefrage, denn es gibt Vor- und Nachteile», sagt Verbandspräsident Thomas-Peter Binder, Gemeindeschreiber in Gossau und dort wohnhaft. «Wer in seiner Gemeinde wohnt und arbeitet, sieht zum Beispiel schneller, wenn es einen Handlungsbedarf gibt. Er bleibt aber für alle immer der Gemeindeschreiber und muss auch beim Hundespaziergang Fragen beantworten», so Binder. Wer auswärts wohne, könne dafür manches teilweise sachlicher und unvoreingenommener angehen als Einheimische.

Beat Hess sagt, dass es durchaus möglich ist, mit dem Arbeitsort verbunden zu sein, ohne dort zu wohnen. Das erlebe er auch bei seinen Stadtzürcher Lehrerkollegen im Dietiker Zentralschulhaus. «Anhand der genauen Zahlen, nach denen ich frage, könnten sich weitere Fragen aufdrängen, zum Beispiel ob der passende Wohnraum für Stadtangestellte fehlt», so Hess weiter.

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