Schon der Anfang der Minitransat verlief nicht wie erwartet. Wegen eines Tiefs wurde der Start um zwei Wochen verschoben. Dann sahen wir, dass das Wetterfenster sehr klein ist, um das Kap Finisterre zu umfahren. Zwei Tage nach dem Start musste die Etappe abgebrochen werden, weil sich das Wetterfenster geschlossen hatte. Wir mussten in Sada landen. Dort liefen wir in Crocks und Skiunterwäsche durch die Stadt, denn unser Material war in Lanzarote, wo wir eigentlich landen sollten. Bald war klar, dass wir nie in Lanzarote zwischenlanden, sondern direkt nach Guadeloupe fahren. So musste zuerst alles Material zu uns gelangen.

Die Stimmung unter den Teilnehmern war während des Wartens angespannt. Wir waren alle vorbereitet und wollten segeln. Nach dem Neustart erwarteten uns vier ganz harte Tage. Ein Freund von mir kenterte, was ich zum Glück erst später mitkriegte. Andernfalls hätte ich wohl Angst gekriegt. In der ersten Nacht musste ich auf den Mast, weil das Seil eines Segels blockiert war. In diesem Moment wusste ich nicht, ob das Schiff mein Gewicht tragen würde. Es ist darauf ausgelegt, maximal 55 Kilogramm zu heben, wenn es flachliegt – nicht 80. Die zehn Meter Mast kamen mir extrem lang vor. Es kostete sehr viel Kraft, mich festzuhalten, damit ich nicht am Mast umhergeschleudert werde. Ein anderes Mal stieg eine vier Meter hohe Welle ins Boot ein und erwischte einen Teil der Elektronik. Ich verbrachte einige Zeit mit dem Lötkolben.

Vor Lanzarote lag ich an zweiter Stelle, bevor eine weitere harte Nacht auf uns wartete. Hinter der Insel war ich Zweiter und hatte Funkkontakt mit dem Führenden. Wir erinnerten uns an eine ähnliche Konstellation einer früheren Regatta. Ich wusste: Wenn ich mich an ihn hängen kann, werden wir ein schnelles Rennen fahren. Doch es kam anders: Als ich den Autopiloten einschalten wollte, sah ich, dass der Antrieb hinten herunterhing, ein Teil war gebrochen. Zum Glück hatte ich das nötige Ersatzteil mitgenommen; eigentlich hatte ich nicht damit gerechnet, dass das kaputtgehen kann. Ich verlor sehr viel Zeit und Energie mit der Reparatur. Der Führende hatte mich abgehängt. Ich war so müde, dass ich nicht mehr in die Beschleunigungszone zwischen den Kanaren segelte, und fiel auf Rang drei zurück.

Von da an wurde der Wind immer leichter. Auch in den dunkeln Wolken ging nicht viel. Irgendetwas war nicht wie normal, die hoch hängenden Wolken zeigten ein ungewohntes System an. Von da an ging die richtige Regatta los, wo man nicht nur reagieren muss, sondern auch selbst taktische Entscheide fällen kann, und die Wetterkarte zeichnen und den Wetterbericht hören. Weil es nicht mehr so schnell vorwärtsging, kam mir der zweite Teil der Regatta ewig vor. Es wurde heiss, mittags war es an Deck kaum auszuhalten. Unter Deck ist es zwar auch nicht kühl, aber wenigstens brennt die Sonne nicht direkt auf einen. Weil ich keinen Kontakt zur Flotte hatte, herrschte bei mir Unsicherheit über den weiteren Verlauf. Würden mich die hinteren Boote überholen, weil sie mehr aus den Wetterinformationen machen können? Während der letzten drei Tage war der klassische Wind zurück. Meine Moral stieg merklich, auch wenn ich nicht allen Gewitterwolken ausweichen konnte. Ich habe grossen Respekt davor, wenn es blitzt und donnert.

Auf den letzten 500 Meilen war mir klar, dass ich den dritten Platz behalten werde, wenn nicht etwas kaputtgeht. Mein Ziel war es, meinen Bruder Florian noch zu sehen, der schon zwei Wochen auf Guadeloupe gewartet hatte und bald zurückfliegen würde. Ich kam am Tag vor seiner Abreise an. Es warteten viele Leute am Wasser, die örtliche Segelschule begleitete mich in den Hafen. Das erste Bier und der erste Rum schmeckten hervorragend.

Aufgezeichnet von: Raphael Biermayr