Der Schlieremer Bauvorstand Markus Bärtschiger (SP) ist enttäuscht. «Wir haben eine Gelegenheit verpasst», sagt er. «In zehn Jahren werden wir uns fragen: Wieso haben wir die Chance nicht ergriffen und Schlieren schöner gemacht?» Der Grund seines Unmuts: Das Parlament hat ihn am Montagabend im Zusammenhang mit dem Geissweidplatz zurück auf Feld eins geschickt. Es wollte von der stadträtlichen Vorlage zur Gestaltung des heutigen Chilbiplatzes nichts wissen.

Der Stadtrat hatte vorgeschlagen, den Platz an der Badenerstrasse, auf dem einst die Limmattalbahn halten und das 2er-Tram wenden wird, mit 80 einheimischen Bäumen zu begrünen. Dafür hatte er einen Kredit von 992 000 Franken beantragt. Die Limmattalbahn AG hätte weitere 305 000 Franken übernommen. Die ersten Arbeiten wären schon nächstes Jahr in Angriff genommen worden, wenn auch der Bau der ersten Etappe der Limmattalbahn beginnt. Gebaut worden wäre dann 2018.

Kein Kredit im Budget

Doch daraus wird nun nichts. Die Mehrheit der Rechnungsprüfungskommission beantragte, das Geschäft an den Stadtrat zurückzuweisen. Man wolle mit dem Platz an bester Lage auch Einnahmen generieren können, sagte Thomas Widmer (QV) und schlug ein Hochbauprojekt vor. Das stellt Bärtschiger gleich vor mehrere Herausforderungen, wie er gestern auf Anfrage sagte. Dass er nun im Budget, welches gleich vor dem Geschäft Geissweidplatz behandelt wurde, kein Geld für eine neue Planung eingestellt habe, sei dabei noch das kleinste Problem, so Bärtschiger. Schwierig sei vor allem, auf dem Platz überhaupt ein Gebäude zu planen.

Da ist einerseits einmal die Sache mit den beiden Trams, die den Platz dominieren werden. Ein allfälliges Gebäude müsste in der Mitte der Tramschlaufe zu stehen kommen. Zwar gebe es durchaus Beispiele, die zeigten, dass man in unmittelbarer Nähe des Trams etwas erstellen könne, sagt Bärtschiger und verweist auf die Zürcher Überbauung Kalkbreite beim Tramdepot.

Doch seien dort die Rahmenbedingungen und auch die Vorschriften der Stadt Zürich anders, so Bärtschiger. «Wie will man auf dem Geissweidplatz beispielsweise die Zufahrt zu einer Tiefgarage am Tram vorbei planen?», fragt er und verweist auf den Sicherheitsaspekt. Zudem gebe es Probleme mit dem Bach beziehungsweise dem Grundwasser und einem geschützten Baum. «Und selbst wenn wir all das lösen können, dann würden Wohnungen auf dem Platz einfach auch sehr teuer.»

Platz hätte auch Geld eingebracht

Der Bauvorstand weist darauf hin, dass die geplante Platzgestaltung nicht nur Geld gekostet, sondern auch Geld eingebracht hätte. So habe die Limmattalbahn AG der Stadt 900 Franken pro Quadratmeter für den mittleren Teil des Platzes zugesichert, weil man davon ausging, dass man darauf nicht bauen könne. Dazu wären weitere 900 Franken pro Quadratmeter gekommen, weil man die nicht benötigte Ausnützung an die Nachbarn übertragen hätte. Statt dass nun rundherum, wo bereits Gebäude stehen, dichter gebaut werde und man auf dem Platz einen grünen Freiraum schaffe, werde die Verdichtung nun gleichmässig verteilt, sagt Bärtschiger: «Ich verstehe diese Logik nicht.»

«Ich nehme den Auftrag an»

Bärtschiger geht davon aus, dass man nun an der Badenerstrasse vier Jahre lang eine Brache haben wird. Denn alles brauche seine Zeit: Machbarkeitsstudien, Wettbewerb, politische Prozesse, Bauprojekt, allfällige Änderungen am Gestaltungsplan. Das ärgert ihn. In der Parlamentssitzung erinnerte Bärtschiger denn auch an den Zentrumsplatz, der schon seit vielen Jahren brach liegt und zwischengenutzt wird.

Er persönlich habe langsam genug von diesen Zwischennutzungen und würde gerne an einem attraktiveren Stadtbild arbeiten, sagte er. Doch wenn das Parlament nun die Baumvariante auf dem Platz nicht wolle, müsse man genau damit rechnen: Dass man wieder jahrelang einen Kiesplatz im Zentrum haben werde. «Und dann muss mir einfach niemand kommen und sagen, diese Brache sei ein Schandfleck», sagte Bärtschiger, sichtlich aufgebracht. Gestern zeigte er sich versöhnlicher: «Ich habe vom Parlament nun diesen Auftrag bekommen und nehme ihn an.»