Heiss war es zur Mittagszeit in Unterengstringen, als 1.-August-Redner Simon Wirth (FDP) ans Rednerpult trat. Trotzdem hatten sich etwa 150 Gäste vor dem Feuerwehrgebäude eingefunden. Geschützt unter einem gelben Zeltdach oder im Schatten der umliegenden Bäume hörten sie dem neugewählten Gemeindepräsidenten zu, der traditionellerweise am Nationalfeiertag spricht. «Dass wir auf Feuerwerk verzichten müssen, trifft vor allem die Kinder», meinte er einleitend und erinnerte sich an seine eigenen Bubenjahre, als er es liebte, zusammen mit seinem Bruder «Chracher» loszulassen. Auch erwähnte er eine Episode aus seinen Jugendferien im Berner Oberland, als im Club Méditerranée am 14. Juli der französische Nationaltag gefeiert wurde. Eine ältere Nachbarin habe gemeint, die Franzosen seien schon etwas komisch, dass sie den 1. August bereits am 14. Juli feierten. Die Lacher hatte er damit auf seiner Seite.

Etwas ernster wurde Wirth allerdings, als er zu Bedenken gab, was eine Fussballweltmeisterschaft bezüglich des Zugehörigkeitsgefühls einer Nation auszulösen vermag. Gemeint war die Jubelgeste mit dem albanischen Doppeladler, die für Kontroversen geführt hatte. «Die Schweiz bietet Sicherheit und Stabilität», fasste er den Kern der Nation zusammen, trotzdem sei kein Staat perfekt, weil er von Menschen getragen werde. «Mich würde es deshalb freuen», meinte er zum Schluss, «wenn in Unterengstringen noch mehr Stimmbürgerinnen und Stimmbürger an Gemeindeversammlungen teilnehmen und damit ihre Rechte in der direkten Demokratie ausüben würden.»

Hochgezogene Röcke

Beim Anstehen für die Würste stöhnte dann manch einer, dass es an einem 1. August noch nie so heiss gewesen sei. Nicht, als die Feier noch auf dem Sonnenberg stattgefunden hatte, noch jetzt auf dem Platz vor dem Feuerwehrgebäude, wo sie seit ein paar Jahren ausgetragen wird. Auch die Mitglieder der Trachtentanzgruppe Schlieren, welche mit ihren Tänzchen das Publikum unterhielten, litten unter der Hitze. So setzten sie sich nach der Aufführung sofort in den Schatten, die Frauen zogen ihre Röcke hoch bis über die Knie, sodass die spitzenbesetzten langen Unterhosen hervorlugten. «Heute wäre eine Austragung am Abend sicher angenehmer», sagte Thomas Wirz, Präsident des Bürgerlichen Gemeindevereins Unterengstringen, der den Anlass bereits seit 18 Jahren organisiert. Grundsätzlich habe sich der Mittag des 1. Augusts aber bewährt. «Wir werden daran nicht rütteln.» Zufrieden zeigte er sich denn auch mit der Teilnehmerzahl, die sich seit Jahren stabil halte. «Die Feier hat bisher an verschiedenen Orten stattgefunden.» Aber seit der Anlass auf den Mittag verschoben worden ist, habe man ein Drittel mehr Leute angesprochen. «Wir Unterengstringer können noch Feste feiern», meinte Gemeindepräsident Wirth, der endlich auch zur verdienten Wurst gekommen war.