In drei Wochen befindet das Schweizer Stimmvolk über die Reform der Altersvorsorge 2020. Und weil vor allem die Jungen die Folgen davon zu spüren bekommen werden, hätten die beiden Ortsparteien der FDP und SP absichtlich zwei Jungpolitiker zur Podiumsdiskussion eingeladen, sagte der Dietiker Gemeinderatspräsident Martin Romer (FDP) in seiner Begrüssung. Auf dem Podium im Dietiker Gemeinderatssaal wetzten derweil die zwei Jungpolitiker bereits ihre Klingen: Andri Silberschmidt, Präsident der Jungfreisinnigen Schweiz, ist gegen die Vorlage, während Rosmarie Joss (SP), Dietiker Gemeinderätin und Kantonsrätin, dafür ist. Doch bevor sich die beiden am Mittwochabend in die oft hitzige Debatte stürzen konnten, gab Bettina Hamilton-Irvine, Chefredaktorin der Limmattaler Zeitung und Gesprächsleiterin, einen Überblick über die wichtigsten Eckdaten der Rentenreform.

Dass es die Reform überhaupt braucht, hat viel mit der demografischen Entwicklung zu tun: Schweizer leben heute deutlich länger als bei der Einführung der AHV im Jahr 1948, entsprechend muss die Rente länger reichen. Damals finanzierten noch 6,5 Erwerbstätige einen Rentner, heute sind es 3,3. Die demografische Entwicklung wirkt sich auch auf die Pensionskasse aus, die zudem unter tiefen Renditen an den Finanzmärkten leidet. Eine Revision beider Vorsorgewerke ist deshalb dringend. Damit die Finanzierungslücken in beiden Säulen geschlossen und das Rentenniveau beibehalten werden kann, muss daher mehr Geld in AHV und Pensionskasse fliessen.

Chefredaktorin der Limmattaler Zeitung Bettina Hamilton-Irvine (in der Mitte) moderiert die kontradiktorische Diskussion um die Reform der Altersvorsorge 2020 zwischen den Jungpolitikern Rosmarie Joss (SP) und Andri Silberschmidt (FDP).

Podiumsdiskussion von Ortsparteien FDP und SP zur Reform der Altersvorsorge 2020

Chefredaktorin der Limmattaler Zeitung Bettina Hamilton-Irvine (in der Mitte) moderiert die kontradiktorische Diskussion um die Reform der Altersvorsorge 2020 zwischen den Jungpolitikern Rosmarie Joss (SP) und Andri Silberschmidt (FDP).

Gegen Frauen und Junge

Um dies zu erreichen, wird einerseits das Rentenalter der Frau stufenweise auf 65 Jahre erhöht. Zudem soll der Umwandlungssatz von 6,8 auf 6 Prozent gesenkt werden, womit die Renten in der zweiten Säule theoretisch um 12 Prozent sinken. Davon nicht betroffen sind Personen, die nächstes Jahr 45 Jahre oder älter sind. Zum Ausgleich bekommen alle Neurentner, egal ob sie von der Senkung des Umwandlungssatzes betroffen sind oder nicht, pauschal 70 Franken mehr AHV.

Die Gegner der Reform kritisieren, dass vor allem Frauen und die Jungen dafür bezahlen müssen. «Rosmarie Joss, Sie sind jung und eine Frau, wieso sind Sie trotzdem für die Reform?», fragte Hamilton-Irvine zum Einstieg. Weil die Reform ein guter Kompromiss sei, so Joss. Die bisherigen Lösungsversuche seien gescheitert, weil sie dem Volk zu extrem gewesen seien – das Spektrum reicht von der Rentenerhöhung bis zum sogenannten Rentenklau. Joss betonte, dass die Reform insgesamt die Situation der Frau sogar verbessern werde. Denn die 70 Franken mehr AHV und die Senkung des Koordinationsabzugs führten dazu, dass Teilzeitarbeitende und Menschen mit geringerem Einkommen besser abgesichert werden, sagte sie.

Silberschmidt nannte die Reform eine Scheinlösung: «Mit der Reform geben wir noch mehr Geld aus», sagte er: «Das führt zu einem Schuldenloch.» Er plädierte dafür, dass beide Säulen einzeln und nicht kombiniert revidiert werden. Im Moment werde bloss die erste Säule gestärkt, während die zweite Säule schlechtgeredet werde, sagte Silberschmidt: «Ich kann das nicht mehr hören.» Joss wies darauf hin, dass es eben gerade die Zusammenarbeit aller drei Säulen sei, die das gemeinsame Vorsorgedach tragen. Doch diese würden einzeln nicht funktionieren.

Wird die FDP sozial?

Der Jungfreisinnige kritisierte die Reform als ungerecht und wenig sozial. «Die Reform ist gerecht», widersprach die Sozialdemokratin. «Denn die Altersversicherung basiert auf dem Gedanken der Generationensolidarität.» Was daran sozial sein solle, wenn jeder 70 Franken mehr bekomme, egal ob er darauf angewiesen sei oder nicht, sagte Silberschmidt. Er würde es viel eher befürworten, wenn die Rente nur dort angehoben würde, wo es nötig sei – beispielsweise mit einer Anhebung der Minimalrente.

Auch die Frage nach einer Alternative wurde diskutiert. Silberschmidt betonte, das Parlament müsste sich nach einem Nein am 24. September zusammenraufen und eine bessere Lösung finden, die sozialer und langfristiger sei. Auf die Frage der Moderatorin, was ihn so sicher mache, dass dies in absehbarer Zeit mit einer Lösung gelinge, die auch im Volk mehrheitsfähig ist, antwortete er: «Auch das Parlament ist lernfähig.»
Joss betonte, die vorliegende Lösung sei ein vernünftiger, tragbarer Kompromiss, auch wenn er nicht alle Wünsche erfülle. Aber das gehöre zu einem Kompromiss nun einmal dazu.