Für Claudia Wartmann ist der Winter eine Zeit, in der man sich zurückzieht und Ruhe sucht. «Die ganze Hektik um Weihnachten kommt mir manchmal vor wie ein Versuch, die Stille und Dunkelheit nicht aushalten zu müssen», sagt die Oberengstringerin. 

Immerhin hat Weihnachten ihr auch Gutes gebracht: Die CD «De Sardona hilft am gwundrige Murmeli», auf der Wartmanns Tiergeschichten für Kinder zu hören sind, hat sich vor den Festtagen besonders gut verkauft. «Nun ist die erste Auflage von 1000 Exemplaren schon fast weg», stellt Wartmann zufrieden fest.

Überhaupt kam die CD mit Kindergeschichten und -liedern, die Wartmann zusammen mit der Musikerin Claudia Wyss aufgenommen hat, gut an. «Eltern haben uns erzählt, dass sie unsere CD manchmal fast ein bisschen verwünschen, weil ihre Kinder sie bei jeder Autofahrt hören wollen», erzählt Wartmann. «Es ist schön, zu hören, dass sie bei Kindern gut ankommt.»

Und im Bulletin des Schweizer Bibliotheksdienstes wurde sie sogar allen Bibliotheken zur Anschaffung empfohlen. Besonders die Verwendung des Schweizerdeutschen sei auf viel Zustimmung gestossen, sagt die Autorin.

Es sei ihr wichtig, in ihren Geschichten ein schönes Schweizerdeutsch zu pflegen, betont Wartmann. «Wörter wie ‹geil› oder ‹mega› kommen bei uns nicht vor.» Doch das heisst keinesfalls, dass sich Wartmann und Wyss immer einig waren, was schönes Schweizerdeutsch ist. Ihre verschiedenen Dialekte führten manchmal zu angeregten Diskussionen über das passendste Wort. «Wir diskutierten über Wörter wie ‹briegge› oder ‹süferli› und freuten uns, wenn wir auf einen traditionellen Mundartausdruck wie ‹vergelschtered› kamen», erzählt Wartmann.

Natur- und Wanderbücher schreibt die ehemalige Journalistin schon lange und gibt sie unter anderem im eigenen Verlag heraus. Dazu bewegt, auch Kindergeschichten zu schreiben, hat Wartmann ihre siebenjährige Tätigkeit als Rangerin im Natur- und Tierpark Goldau. Dabei hat sie regelmässig Schulklassen durch den Park geführt und den Kindern auf spielerische Art und Weise ihr Wissen über die Tiere vermittelt. Es habe sie immer wieder erschreckt, erzählt Wartmann, dass einige Kinder fast keine Beziehung zur Natur mehr hätten. «Ich habe siebenjährige Kinder getroffen, die noch nie im Wald waren. Das ist doch bedenklich.» Jedenfalls wolle sie nicht in einer Welt leben, in der die Menschen diese Beziehung verloren hätten.

Die vier Geschichten, die auf «De Sardona hilft am gwundrige Murmeli» zu hören sind, spielen je in einer Jahreszeit. Sie handeln von einem jungen Hirsch, einer Biene, einem Storch und einem Murmeltier. Mit den Geschichten will Wartmann aufzeigen, was die Jahreszeiten für die verschiedenen Tiere bedeuten und welchen Herausforderungen sie dabei begegnen: Der Hirsch erschrickt, weil er im Frühling plötzlich sein Geweih verliert, und das junge Murmeltier verirrt sich in der ungewohnten Winterlandschaft, bevor der Bartgeier Sardona es wieder zum Bau der Familie zurückbringt.

«Was ich in meinen Geschichten über die Tiere erzähle, ist biologisch korrekt», betont Wartmann. Weil ihr das wichtig sei, lasse sie ihre Texte immer noch von einer Biologin prüfen. «Das wichtigste ist aber, dass sich die Kinder mit meinen Tierfiguren identifizieren können.» Das sei das Geheimnis einer guten Kindergeschichte.