Dietikon
«Ich habe es mir nicht zugestanden, dass ich eine Auszeit hätte nehmen sollen»

Ein Männerteam lud den Theologen und Männercoach Christoph Walser zum Vortrag «Timeout statt Burnout» ein. Mit vielen praktischen Beispielen referierte der 52-Jährige rund um das Spannungsfeld zwischen Arbeits-, Familien- und Eigenwelt.

Christian Murer
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Christoph Walser will mit seinem Vortrag Antworten auf oft gestellte Fragen finden.

Christoph Walser will mit seinem Vortrag Antworten auf oft gestellte Fragen finden.

Christian Murer

Walser schloss am Freitag sein Powerpoint-Referat mit dem kernigen Spruch von Karl Valentin: «Heute Abend besuche ich mich selbst – ich hoffe, ich bin daheim.»

Den Lebensabschnitt vor und nach der Pensionierung positiv gestalten: Dies setzte sich eine Gruppe von Männern im vergangenen Herbst zum Ziel.

Das siebenköpfige Team kommt weitgehend aus Dietikon, aus verschiedenen Berufen und ist konfessionell unabhängig. Die ökumenische Vorbereitungsgruppe möchte damit Begegnungsräume schaffen und ein Netzwerk aufbauen. Referate und Gesprächsrunden, aber ebenso Exkursionen sollen mithelfen, Antworten auf Fragen zu bekommen und für Probleme mögliche Lösungen mit Fachleuten zu finden.

Beim anschliessenden Apéro gaben drei Männer bereitwillig Auskunft. Der selbstständige Treuhänder Bruno Strässle aus Dietikon findet das Thema überaus wichtig: «Für mich ist es überhaupt kein Tabuthema, weil ich vor etwa zehn Jahren selber ein Betroffener war.»

Dies sei für ihn der Grund gewesen, damals den Kurs von Christoph Walser mit dem Titel «Verbrannte Männer geben keine Wärme» zu besuchen. «Seither besuche ich jedes Jahr am ersten Advent dieses Timeout-Seminar, das für mich nicht mehr wegzudenken ist», ist der 54-Jährige überzeugt. «Da ich selber ein Stück weit vom Thema Burnout betroffen bin, ist für mich dieser Abend wichtig», betonte SBB-Teamleiter Marcel Lechmann aus Dietikon.

Er sei erstaunt über die Professionalität des Referenten. «Ich bin seit ein paar Monaten ‹ausser Gefecht› und habe deshalb ein Timeout genommen, um mehr Zeit für mich zu haben», so der 51-Jährige, der im Stellwerkdienst in Spreitenbach tätig ist.

Alex Grieder aus Dietikon ist der «frechen» Meinung, «dass diejenigen, die es am Nötigsten haben, heute leider nicht da sind, weil man eben nicht darüber spricht.» Er selber sei 24 Jahre lang in Dietikon Jugendsekretär gewesen.

«Ja, bei mir gab es bestimmt auch solche Burnout-Momente. Doch ich habe es mir nicht zugestanden, dass ich eine Auszeit hätte nehmen sollen», so der 73-Jährige, «bis dann die Verantwortlichen gefunden haben, ich sei nicht mehr der richtige Mann am richtigen Ort und mich mit 55 in die Wüste schickten.» Zum Glück sei er dann als Friedensrichter gewählt worden.