Bruno-Weber-Park

«Ich habe das Gefühl, dass ich deeskalierend wirken könnte»: Rolf Steiner zu seiner Wahl in den Stiftungsrat

Mit der Wahl von Rolf Steiner vergrössert sich der Stiftungsrat der Bruno-Weber-Stiftung auf vier Mitglieder.

Mit der Wahl von Rolf Steiner vergrössert sich der Stiftungsrat der Bruno-Weber-Stiftung auf vier Mitglieder.

Mit dem ehemaligen Kantonsrat gibt es einen neuen Mitspieler im Feld der Auseinandersetzungen rund um den Bruno-Weber-Park. Fest steht: Seine Aufgaben als Stiftungsrat werden herausfordernd.

Es waren nur fünf dürre Sätze, die am 12. Juli als Meldung der Bruno-Weber-Stiftung an die Medien gingen: «Am 10. Juli 2017 wurde Dr. Rolf Steiner neu in den Stiftungsrat gewählt. Steiner war bis zum 8. Mai 2017 Zürcher Kantonsratspräsident. Er ist Mitglied der Sozialdemokratischen Partei, wohnt in Dietikon und ist von Beruf Chemiker. Die Bruno-Weber-Stiftung vergrössert mit der Wahl Steiners den Stiftungsrat auf vier Mitglieder. Die Präsidentin ist die Kunsthistorikerin Frau Isabelle A. Cart.»

Diese Meldung warf verschiedene Fragen auf, unter anderem «Warum Steiner?» und «Warum jetzt?». An dem nämlichen 10. Juli ging in einem Nebenraum des Wassergartensaals im Bruno-Weber-Park eine denkwürdige Aktion über die Bühne. Nach über zwei Jahren erhielt die Witwe des Dietiker Künstlers Bruno Weber nach langem Hin und Her wieder uneingeschränkten Zugang zu ihrem Eigentum: über 300 Gemälde und Tausende von Skizzen und Zeichnungen ihres Mannes.

Ein Urteil des Aargauer Obergerichts vom Juni hatte ihr die sofortige Verfügung über ihren Besitz zugesprochen. 2015 hatte die Witwe die Werke an die Bruno-Weber-Stiftung zur Anlage eines Werkverzeichnisses übergeben. Dann kam es zum Zerwürfnis zwischen dem dreiköpfigen Stiftungsrat auf der einen und Weber und dem Verein «Freunde Bruno Weber Park» auf der anderen Seite. Weber forderte einen Schlüssel zum Depot und jederzeitigen Zugang zu ihrem Besitz, was ihr von der Stiftung verweigert wurde. Die Stiftung argumentierte mit dem Stiftungszweck, der ohne Zugang zum Werk nicht erfüllt werden könne und mit dem Schutz des Werks vor Weber.

Es herrscht Eiszeit

Nach Öffnung des Depots entzog Weber mithilfe von einigen Helfern sämtliche Werke der Stiftung. Der jetzige Lagerort wurde der Öffentlichkeit nicht bekannt gegeben. Die ganze Aktion verlief im Beisein einer Rechtsanwältin von Weber und in gereizter Stimmung aller Beteiligten. Ein Ende der Eiszeit, die schon länger zwischen Stiftung und Verein herrscht, ist seit dieser Zügelaktion noch weniger in Sicht als die Monate zuvor.

Dass es am selben Tag auch zu einem Treffen zwischen ihm und Cart gekommen ist, sei Zufall gewesen, so Steiner auf Nachfrage. Von der Depotöffnung habe er im Vorfeld nichts gewusst. Die Stiftungsratspräsidentin und ihren Mann hatte er auf dem Kantonsratsanlass im September im Limmattal kennen gelernt, als er als amtierender Ratspräsident seinen Kolleginnen und Kollegen die Schönheiten des Limmattals präsentierte, darunter den Bruno-Weber-Park. Cart und Steiner blieben im Gespräch. Schliesslich folgten zwei längere Treffen, an deren Ende seine Zusage stand, als Kandidat für die Wahl in den Stiftungsrat zur Verfügung zu stehen. Nun gehören dem Stiftungsrat vier Mitglieder an: neben Steiner und Präsidentin Isabelle Cart, deren Mann Eric Maier und der Wirtschaftsanwalt Michele Imobersteg. Der prominente Neuzugang ist auf der Internetseite der Stiftung indes noch nicht vermerkt.

Geldgeber motivieren

Er wisse von den verschiedenen Konflikten, meint Steiner. «Ich stehe zwar jetzt auf einer Seite, werde aber nicht über die andere herziehen.» Ihm fehle ausserdem noch der detaillierte Einblick in die Materie. Zum Verein und zur Witwe habe er bislang noch keinen Kontakt gehabt, und er fügt hinzu: «Ich habe das Gefühl, dass ich deeskalierend wirken könnte. Dazu will ich beitragen.»

Seine nächsten Arbeitsschritte im Stiftungsrat seien noch nicht festgemacht. Er wolle aber Kontakte zu Behörden und wichtigen Geldgebern wieder beleben. Auf deren Seite gebe es Erklärungsbedarf, so Steiner mit Verweis auf die Konflikte zwischen Stiftung und Verein. Es handle sich um ein halbes Dutzend wichtiger Geldgeber. Auf Sponsorensuche wird er sich nicht begeben. Gemäss Anet Nyffeler, der Kommunikationsbeauftragten der Stiftung, verknüpft die Stiftung mit der Wahl Steiners die Erwartung, dass dieser dank seiner breiten Kompetenz und seiner politischen Erfahrungen spezielle Aufgaben der Stiftung erfüllen wird. Konkretes könne sie nicht nennen, da es sich dabei um Interna handle, so Nyffeler.

«Weber soll in den Stiftungsrat»

Sabine Billeter, Vereinspräsidentin des «Vereins Freunde Bruno Weber Park» begrüsst diesen ersten Schritt, «da wir der Meinung sind, dass mindestens sieben Stiftungsräte und die Inhaberin des Parks im Stiftungsrat vertreten sein müssen.» Damit ist Maria Anna Weber gemeint. Ihr gehören 78 Prozent des Parkgeländes. Lediglich der Wassergarten mit 22 Prozent ist im Besitz der Stiftung. Ferner strebe die Stiftung die Verankerung der Zewo-Richtlinien in einem Stiftungsreglement an, mit einer entsprechenden Zertifizierung, ausserdem die Unterschutzstellung des Parks unter den kantonalen Denkmalschutz. «Gegenwärtig wird ein entsprechendes Fachgutachten im Auftrag der Denkmalpflege erarbeitet», so Billeter.

Im Weiteren sei es unumgänglich, mit der Stifterfamilie eine Nutzungsvereinbarung in Form eines Baurechtsvertrags mit einer Laufzeit bis 2081 zu schliessen. Dort soll unter anderem «das Vetorecht auf strategischer Ebene, das unentgeltliche Wohnrecht für Maria Anna Weber und nach Vertragsablauf die Eigentumsübertragung des Grundbesitzes an den Kanton Aargau festgehalten werden».

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