«Ich bin stolz auf unsere vielen jungen Mitglieder»

Alfred Wismer präsidiert die Waldeggbühne seit vier Jahren und führt den Verein nun durch die Krise.

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Herr Wismer, wie nehmen es die Schauspielerinnen und Schauspieler der Waldeggbühne Uitikon hin, dass sie im kommenden März das geplante Stück «Super Theo» nicht aufführen können?

Alfred Wismer: Natürlich ist die Enttäuschung sehr gross, dass wir in zwei aufeinanderfolgenden Saisons nicht auf der Bühne stehen können. Die Aufführungen im vergangenen Jahr von «Mord on Backstage» mussten nach der Premiere abgesagt werden.

Wird die Theatergruppe «Super Theo» im Jahr 2022 aufführen?

Genau das ist der Plan. Aber in diesen Zeiten ist es ja sehr schwierig, längerfristig zu planen. Die Schauspielerinnen und Schauspieler sind jedoch alle wieder dabei und es ist geplant, nach den Sommerferien mit den Proben zu starten. Die Vorfreude darauf ist spürbar.

Die Waldeggbühne spürt sicherlich auch finanzielle Einbussen.

Dem ist so, ja. Beinahe alle unsere Einnahmequellen wurden in Mitleidenschaft gezogen. So erklärten sich zahlreiche Inserenten im November bereit, etwas in unserem Programmheft zu veröffentlichen, was nun nicht möglich ist. Im Gegensatz zu den Inserenten verlangte keiner unserer Gönner, die für eine Spende von 60 Franken zwei Freikarten erhalten, ihren Beitrag zurück. Fraglich ist, ob sie erneut einzahlen für die Vorstellungen im kommenden Jahr.

Erhielten Sie Entschädigungen von der öffentlichen Hand?

Ja. Vom Bund gab es einen Betrag für Kulturschaffende und auch die Gemeinde Uitikon entrichtete uns einen namhaften Betrag. Zudem verstarb dieses Jahr einer der Freunde der Waldeggbühne, der uns ein Legat hinterliess. Verglichen mit anderen kulturellen Gruppierungen haben wir den Kopf über Wasser aus finanzieller Sicht.

Welche Konsequenzen befürchten Sie langfristig für den Theaterbetrieb?

Das ist schwierig zu sagen. Unsere Mitglieder werden von ihrem Umfeld angesprochen und motiviert, wieder Theater zu machen. Für uns, die wir eine begrenzte Anzahl Vorstellungen vor überschaubarem Publikum aufführen, sind die im vergangenen Jahr angewandten Covid-19-Auflagen aber schwierig zu erfüllen. Damit meine ich etwa das Organisieren von zusätzlichen Freiwilligen für die Eingangskontrollen oder Vorgaben bezüglich Belüftung.

Hinzu kommt wohl eine Begrenzung der Zuschauer.

Genau. Es ist fraglich, ob es sich für uns lohnt, vor nur 50 Personen zu spielen. Eine grosse Einnahmequelle war auch das Theaterbeizli, das wir jeweils vor und nach den Aufführungen betrieben. Auf dieses müssen wir künftig vielleicht verzichten.

Die Waldeggbühne Uitikon besteht seit 30 Jahren, seit acht Jahren sind Sie im Vorstand und seit vier Jahren haben Sie nun das Präsidium inne. Was ist das Erfolgsgeheimnis der Waldeggbühne?

Wir sind ein super Ensemble, das eine grossartige Stimmung hat untereinander.

Das würden wohl andere Vereine, die im Gegensatz zu dem Ihrigen unter Mitgliederschwund leiden, auch sagen.

Das stimmt, aber wir erhalten auch viel Unterstützung von unseren Passivmitgliedern. Beispielsweise absolvieren wir pro Stück zwei Probewochenenden. Unsere Passivmitglieder kochen dann jeweils für uns und unterstützen uns auch sonst, wo sie nur können. Der Einsatz ist immens und die Stimmung mit jener in einer Grossfamilie zu vergleichen.

Besonders Theatergruppen beklagen einen Mangel an jungen Männern. Oftmals gibt es daher Probleme, männliche Rollen überhaupt zu besetzen. Die Waldeggbühne hat dieses Problem nicht.

Ich bin stolz auf unsere vielen jungen Mitglieder. Das Geheimnis, sie für das Theater zu begeistern, ist simpel: Sie fühlen sich bei uns wohl. Jungen Schauspielern sollte man auch viel zutrauen und sie auf diese Weise fördern. Mit Mund-zu-Mund-­Propaganda erfahren auch schauspielinteressierte Bekannte von unserer Theatergruppe.