Unterengstringen

«Ich bin so dankbar für die Hilfe»: Seniorin von Passanten aus der Limmat gerettet

Beim Versuch ihren Hund aus dem Wasser zu ziehen, fiel Erika Maibach selber in die Limmat. Passanten konnten sie retten.

Erika Maibach zeigt auf eine Wurzel im steil abfallenden Waldboden. «Hier machten sie das Seil fest, während sie mich aus der Limmat zogen», sagt sie. Die Seniorin war am Freitag vor einer Woche auf ihrer Gassi-Runde mit ihren zwei belgischen Schäferhunden Malinois Maxi und Mila und der Alaska Husky Rüde Karhu. Auf der Höhe des Tennisclubs Oetwil ging Mila neugierig zum Wasser hinunter, dabei verlor sie das Gleichgewicht und fiel die steil abfallende Böschung hinunter in die Limmat. Als zertifizierte Hundetrainerin wusste Maibach wohl, dass man das Tier nicht retten sollte. «Doch wenn dein Hund im Wasser zappelt, hat man den natürlichen Reflex zu helfen», sagt die Unterengstringerin. So zog die 70-Jährige am Halsband der Hundedame. «Mit einem Ruck hatte ich sie an Land gezogen, doch dabei fiel ich selbst ins Wasser», sagt sie. An dieser Stelle ist der Fluss so tief, dass das Wasser über ihrem Kopf zusammenschlug. «Ich hatte keinen Grund unter den Füssen und konnte mich nur an einer Wurzel an der Böschung halten.»

Die Hunde seien immer wieder zu ihr gekommen und hätten sie angestupst. Doch sie schickte sie wieder auf den Weg hoch, da sie nicht wollte, dass nochmals einer der Hunde ins Wasser fällt. Nach kurzer Zeit hielt ein älteres Paar auf dem Weg an. Die Senioren wollten ihr zur Hilfe eilen, doch Maibach hatte kaum mehr Kraft sich am Wasserschlauch zu halten, den sie ihr reichten, um sie aus dem Wasser zu ziehen. Ein weiterer Passant probierte sie an der Hand aus dem Wasser zu ziehen. Doch sein Arm sei zu kurz gewesen. Irgendwann entschloss eine Frau, die Polizei zu informieren, da die versammelten Spaziergänger keinen Weg sahen, die Seniorin aus dem kühlen Flusswasser zu ziehen.

Rettung nach rund 30 Minuten im Fluss

Da kam ein junger Mann mit einem Hund an einer langen Leine vorbei. «Er schlug vor, dass ich mir die Leine um den Oberkörper binden könnte. So zogen mich vier Passanten mit vereinten Kräften die Böschung hoch», sagt Maibach. Zur Sicherung knoteten die Helfenden das Seil an einer Holzwurzel fest. «Ich war schwer und unbeweglich wie ein Sack.» Die Spaziergänger hätten sie so Meter für Meter weitergezogen und ihr immer wieder gesagt, wie weit es noch sei, bis sie in Sicherheit sei. Nach rund 30 Minuten im Wasser, war es dann so weit: «Ich drehte mich auf den Rücken, schaute in den Himmel und war gottefroh, dass alles vorbei war», sagt sie.

Das Erlebnis an diesem Freitag mitten in der Coronapandemie war für Maibach ein schönes Beispiel der Zusammenarbeit und Hilfsbereitschaft. «Niemand hatte Berührungsängste oder machte gar Fotos meiner misslichen Lage», sagt sie. Als sie vom Boden aufstand, habe ein anderer Spaziergänger ihr gar sein Frotteetuch gereicht, damit sie sich wenigstens die Haare trockenreiben konnte. Als alle gemeinsam den Waldweg verliessen, fuhr ein Kastenwagen der Polizei über den Kiesweg. Die Polizisten kamen somit gerade rechtzeitig, um der Geretteten zu gratulieren. «Ich bin so dankbar für die Hilfe der Spaziergänger und den Einsatz der Polizei», sagt Maibach. Alle seien sehr solidarisch gewesen.
Zuhause angekommen, nahm Maibach als erstes eine lange warme Dusche. Danach habe sie sich ins Bett gelegt. Dort wurde sie sofort von ihren Hunden besucht. «Die Hunde merkten, dass ich ein wenig Ruhe brauchte», sagt Maibach. Gesundheitliche Schäden habe sie keine davongetragen. «Ich hatte nicht einmal einen Pfnüsel. Doch die Stellen, an denen das Seil um die Rippen lag und an denen ich über die Böschung geschleift wurde, werde ich wohl noch eine Weile spüren», sagt Maibach. Noch länger werde ihr wohl aber die Hilfsbereitschaft der Passanten in Erinnerung bleiben.

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