Dietikon
«Ich bin nur die Aushilfs-Loki»

Tropisches Wetter machte Mario Caspar und «Neuland» fast einen Strich durch die Rechnung: Erst kamen nur wenig Gäste an den Rapidplatz in Dietikon, wo die Formation Cover-Versionen berühmter Popsongs mit jazziger Note spielte.

Kathrin Fink (Text und Foto)
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Die Band im Endspurt
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Mario Caspar und «Neuland» im «Caffè Bar Limmatfeld»
Neuland mit Mario Caspar (Mitte)
Die leeren Plätze und die Band
Germano Cantore am Bass

Die Band im Endspurt

Kathrin Fink

Die Konzertreihe «Musik im Limmatfeld» soll mehr Menschen an den neu entstandenen Rapidplatz in Dietikon bringen. Sie soll abends den Vorort beleben. Am Mittwoch war das im «Caffè Bar Limmatfeld» aber leider so gar nicht der Fall. Auf acht Uhr ist die Band «Neuland» mit dem Spezial-Gast Mario Caspar angesagt und um fünf vor acht ist das Lokal immer noch fast leer. Die wenigen Gäste fläzen sich vor allem auf den Lounge-Sofas vor dem Caffè. An der musikalischen Darbietung des Abends liegt die grosse Leere aber ziemlich sicher nicht, eher an der tropischen Hitze, die die Dietiker wohl an einen kühleren Ort gelockt hat.

Die Band reisst zu Beginn noch ein paar Witze über die leeren Plätze, lässt sich aber die gute Laune nicht verderben und fängt mit ihrer Mischung aus Soul, Pop und Jazz an. «Neuland» besteht aus dem Keyboarder Marcus Bodenmann und dem Bassisten Germano Cantore. Das Duo mache «schon sehr, sehr lange» zusammen Musik, wie Bodenmann erzählt. Er findet es besonders interessant, berühmte Popsongs wie «Grenade» oder «Kiss from a Rose» als Jazz-Versionen zu interpretieren: «Pop-Melodien eignen sich wirklich gut dazu.»

Engagiert in zehn Formationen

Der Spezial-Gast des Abends, der Urdorfer Mario Caspar, blickt auf eine lange Karriere als Profi-Drummer zurück. Mit der Band «Neuland» spielt er schon länger zusammen, stieg aber zwischenzeitlich aus. «Ohne mich klang die Band mehr nach Lounge-Musik, ich bin eher progressiv unterwegs. Und im Moment bin ich sowieso nur die Aushilfs-Loki», witzelt Caspar.

Auch wenn sich der Schlagzeuger wegen seiner Familie mittlerweile nicht mehr auf lange Tourneen begibt, spielt er doch in rund zehn verschiedenen Formationen. «Allerdings spielen gewisse dieser Bands nur alle ein, zwei Jahre einmal», erklärt er das grosse Pensum. Zu seinen Gruppen zählen etwa die Rock-’n’-Roll-Formation «Hair over Heels» oder die Funk-Band «Soul Virus», mit der er gerade eine CD produziert hat: «In dieser Band sind allerdings 13 Musiker, das ist schwierig, live umzusetzen.» Caspar scheut auch nicht vor ganz neuen Ufern zurück: So ist der Schlagzeuger demnächst Teil eines Kindermusicals namens «Sing it».

An diesem Mittwochabend spielt die Band viele Cover-Versionen berühmter Popsongs. Robbie Williams’ «Feel» ist dabei, oder auch Cyndi Laupers «Time after Time». Und auch Songs, die selbst bereits jazzig angehaucht sind wie «Don’t know why» von Norah Jones. Zwischendurch hat auch die eine oder andere eigene Komposition Platz, und so langsam, langsam tröpfeln mehr Gäste ins Lokal. Der Applaus wird nach jedem Stück etwas lauter, sodass am Schluss eine begeisterte Zuschauerin sogar vehement eine Zugabe verlangt. Das Trio kommt dem Wunsch gerne nach und lässt das Limmatfeld eine halbe Stunde länger als geplant in jazzige Klänge tauchen.