Schlieren
«Hüslimärt» muss sich erst bewähren

Detaillistenpräsident Locher steht der kurzfristigen Sperrung der Bahnhofstrasse skeptisch gegenüber.

Florian Niedermann
Merken
Drucken
Teilen
Ab Freitag steht hier ein kleines Dorf von 47 Verkaufshäuschen. An der Bahnhofstrasse soll sich die Bevölkerung auf die Adventszeit einstimmen können. fni

Ab Freitag steht hier ein kleines Dorf von 47 Verkaufshäuschen. An der Bahnhofstrasse soll sich die Bevölkerung auf die Adventszeit einstimmen können. fni

Florian Niedermann

Nur einen Tag, nachdem auf dem Zürcher Sechseläutenplatz das «Wienachtsdorf» mit roten Verkaufshäuschen eröffnet wird, wirft sich auch Schlieren in vorweihnachtliche Schale. Von Freitag bis Sonntag findet auf dem Stadtplatz und auf der Bahnhofstrasse der erste «Hüslimärt» statt, den die Detaillistenvereinigung Pro Schlieren, das Management des Parkside und die städtische Standortförderung gemeinsam ins Leben gerufen haben. In 47 gemieteten Häuschen halten lokale und regionale Anbieter ab Freitagabend vom Adventskranz bis zu Kerzen und Confiserie alles feil, was zur Vorweihnachtszeit gehört.

Öffnungszeiten

Die Verkaufsstände des ersten Schlieremer «Hüslimärts» sind kommendes Wochenende an folgenden Tagen offen:

Freitag, 20.11.: 17 – 20 Uhr
Samstag, 21.11.: 10 – 20 Uhr
Sonntag, 22.11.: 11 – 17 Uhr

Am Freitag und Samstag sorgt eine Panflötenspielerin für die musikalische Untermalung. Am Samstag findet von 13 – 13.30 Uhr die Performance eines Kettensägen-Holzskulpteurs statt.

Die Bahnhofstrasse bleibt während des Marktbetriebs für den Verkehr gesperrt. Das ist nicht selbstverständlich. Denn Philipp Locher, Präsident des Detaillistenvereins Pro Schlieren, stellt sich üblicherweise allen Behörden und politischen Initiativen mit Vehemenz entgegen, welche die Zugänglichkeit der dortigen Geschäfte für den motorisierten Verkehr einschränken wollen. So hat er etwa gegen das kantonale Strassenprojekt für den Zentrumskreisel Einsprache eingelegt, welches vorsieht, dass die heutige Einbiegemöglichkeit aus dem Kreisel in die Bahnhofstrasse aufgehoben wird. Und auch die Volksinitiative «Flaniermeile Schlieren», die das Stadtparlament den Stimmberechtigten am Montag mit einem klaren Entscheid zur Ablehnung empfohlen hat (die Limmattaler Zeitung berichtete), war ihm ein Dorn im Auge: Die Initiative forderte eine für den Verkehr gesperrte Fussgängerzone vom Bahnhofvorplatz bis zur Ringstrasse.

«Zwei Herzen in meiner Brust»

Wie kommt es also, dass ausgerechnet Locher einen Weihnachtsmarkt auf die Beine stellt, für den die Bahnhofstrasse während dreier Tage und insgesamt 19 Stunden gesperrt wird? «In dieser Sache schlagen zwei Herzen in meiner Brust», sagt der Drogist. Er lehne eine langfristige Sperrung nach wie vor kategorisch ab und sei auch skeptisch, was diese vorübergehende während des kommenden Wochenendes angehe. Doch sei es ihm als Detaillistenpräsident ein Anliegen, sich für das Verkaufsgewerbe einzusetzen und zur Belebung des Zentrums etwas beizutragen. Den «Hüslimärt» bezeichnet Locher als «Wagnis». So ist er zum heutigen Zeitpunkt noch nicht davon überzeugt, dass sich der Aufwand für den Markt lohnt. Mit Auftritten einer Panflötenspielerin, einer Performance eines Kettensägen-Holzskulpteurs und einem Koffermarkt im Innern des Parksides am Sonntag hoffen die Organisatoren, auch über den Markt hinaus ein Publikumsmagnet schaffen zu können. Sollte dieser in der Bevölkerung aber nicht auf Gegenliebe stossen, wäre Locher auch bereit, ihn wieder aufzugeben, wie er sagt: «Wir lassen das Angebot nun während zweier Jahre laufen. Dann werden wir wissen, ob die Stadt es auch wirklich schätzt.»

Mit Aktionen wie dem «Hüslimärt» oder der Eisskulpturen-Ausstellung kurz vor Weihnachten versuchen die Detaillisten, die Laufkundschaft vermehrt ins Zentrum zu locken. Aus den Schilderungen des Drogisten ist jedoch wenig Zuversicht spürbar, was die Situation des Gewerbes im Schlieremer Zentrum angeht.

Renommierte Firmen sagten ab

Tatsächlich haben die Detaillisten dort einen schwierigen Stand: Wenige Monate nach der Eröffnung des Parkside-Einkaufszentrums im Sommer 2011 wurde offensichtlich, dass der Standort nicht allen Betrieben die gewünschten Umsätze einbringt. Bald standen erste Ladenlokale leer. Auch gegenwärtig sind mehrere nicht vermietet. «Schlieren hat schlicht nicht das Potenzial, um zu einem Einkaufsort zu werden», ist Locher überzeugt. Er habe gemeinsam mit dem Parkside-Management und der Standortförderung «Hunderte» von renommierten Betrieben telefonisch umworben, damit sie im Parkside ein Lokal übernehmen, wie er sagt: «Alle teilten uns mit, dass die Frequenzen in Schlieren zu tief seien, als dass es sich lohnen würde, hier eine Filiale zu eröffnen.»

Auch eine Fussgängerzone, wie sie sich die Initianten der «Flaniermeile» wünschen, würde daran nichts ändern, sagt Locher. Selbst wenn das Konzept des «Hüslimärts» funktioniere wie erhofft, bedeute das nicht, dass eine autofreie Bahnhofstrasse auch langfristig die Kundenfrequenzen erhöhen würde. «Wir haben hier den falschen Branchenmix. Er vermag keine Kunden anzuziehen, die regelmässig der Strasse entlang und durch die Läden flanieren», sagt er.

Für Locher ist deshalb klar, dass das Gewerbe im Umfeld des Bahnhofs auch langfristig darauf angewiesen ist, dass die Kundschaft mit dem Auto vorfahren kann. Eine Temporeduktion wäre für ihn denkbar – «allerdings nur auf 30 Stundenkilometer, nicht bis auf 20». Seine Einsprache gegen das Kreiselprojekt des Kantons, das vom Regierungsrat laut Baudirektion voraussichtlich bis Ende November festgesetzt wird, will er weiterziehen, sofern am Einbiegeverbot festgehalten wird.