Vier Wochen à je einer Stunde pro Woche. Diese Zeit muss ein erfahrener Hundebesitzer bei der Übernahme eines neuen Tiers aufwenden. Solange dauert nämlich der vom Bund verordnete praktische Sachkundenachweis für Hundehalter. Erstmalige Hundebesitzer müssen zusätzlich einen Theoriekurs von der gleichen Länge besuchen.

Laut Esther Wyss-Tödtli, Geschäftsleiterin der Hundeschule Learny in Dietikon, lernen Hundehalter im praktischen Kurs minimalste Grundlagen wie An-der-Leine-Laufen und Befehle wie Sitz und Platz.

Unnötige Belastung

In einer Motion forderten die SVP-Kantonsräte Peter Preisig (Hinwil) und Jürg Sulser (Otelfingen), dass Hundebesitzer auch den praktischen Sachkundenachweis insgesamt nur einmalig absolvieren müssen, da diese Kurse die Hundebesitzer unnötig belasteten.

Die Motion ist letzte Woche an den Regierungsrat überwiesen worden. Dieser hat nun drei Jahre Zeit für die Umsetzung. Für Wyss-Tödtli stellt dies ein Problem dar: «Der praktische Sachkundenachweis ist in der Tierschutzverordnung festgelegt, einem Gesetz auf Bundesebene. Wollte man die Forderungen der Motionäre umsetzen, müsste man die Tierschutzverordnung ändern.»
Da dies nicht die Aufgabe des Kantons sei, bestehe ein Interessenskonflikt. Das Hundegesetzes im Kanton Zürich müsse getrennt von der Tierschutzverordnung betrachtet werden.

Unmut hat sich gelegt

Im Jahr 2010 wurde das Hundegesetz im Kanton Zürich verschärft. Die Verschärfung gilt aber nur für «massige» Hunde mit einer Schulterhöhe von mehr als 45 Zentimeter oder einem Gewicht von über 16 Kilogramm. Wer einen solchen Hund besitzt, muss zusätzlich vier Stunden lang einen Welpen- und zehn Stunden lang einen Junghund-Kurs besuchen. Diese zusätzlichen Ausbildungs-Kurse, die von gewissen Hundehaltern als Belastung empfunden werden, haben jedoch nichts mit den von der Tierschutzverordnung auferlegten Sachkundenachweisen zu tun.

Die Argumente von Wyss-Tödtli für die Beibehaltung der momentanen Regelung gleichen jenen des Zürcher Regierungsrats: «Hunde haben einen individuellen Charakter. Nicht jeder Hund reagiert gleich auf bestimmte Situationen.» Das sieht auch der Regierungsrat so. Er hält in einer Stellungnahme fest, dass es auch für erfahrene Hundebesitzer wichtig sei, den praktischen Kurs zu besuchen.

In Wyss-Tödtlis Erfahrung sind die zusätzlichen Trainingsstunden kein Problem für ihre Klienten. Der anfängliche Unmut der Hundebesitzer bei der Einführung des neuen Gesetzes habe sich mittlerweile grösstenteils gelegt, sagt sie.