Mit der Priesterbruderschaft St.Pius X zieht eine umstrittene Religionsgemeinschaft nach Schlieren. An der Rohrstrasse7 im Zelgliquartier wird sie am 3.April ihr neues Gemeindezentrum für Zürich eröffnen. Dies schreibt die Bruderschaft in einem Rundbrief an ihre Gläubigen.

Zuvor war die Piusbruderschaft in Zürich Altstetten zu Hause, wo sie seit 1986 die Christkönigskapelle führte. Die Liegenschaft im Struppen11 war aber nur angemietet und der Ruf nach einer eigenen Kirche laut geworden. Mit der Einrichtung der Christkönigskapelle in Schlieren ist damit ein langjähriger Wunsch in Erfüllung gegangen.

Die Bedingungen für die Gläubigen sind gut im neuen Domizil. Bereits zuvor hatte dort nämlich eine Religionsgemeinschaft ein Zentrum: die neuapostolische Kirche Schlieren. Land und Liegenschaften standen zum Verkauf, nachdem Schlieren 2009 mit der neuapostolischen Kirche von Dietikon fusionierte.

Religiöser Zuwachs

Damit erhält Schlieren als Stadt der Religionen Zuwachs. Neben den Katholiken und den Reformierten haben weitere christliche Gemeinschaften in Schlieren ein Zuhause gefunden, so die evangelischen Freikirchen Chrischona-Gemeinde und Täufergemeinde. Aber auch ein anatolisch-alevitisches Kulturzentrum befindet sich in Schlieren oder das Dzemat der islamischen Gemeinschaft Bosniens.

Die Priesterbruderschaft St.PiusX ist allerdings umstritten. Nicht erst seit Papst BenediktXVI 2009 den Holocaustleugner und Piusbruder Richard Williamsons sowie drei weiterer Bischöfe um den verstorbenen traditionalistischen Erzbischof Marcel Lefebvre wieder in die katholische Kirche aufgenommen und damit deren Exkommunikation aufgehoben hat – sie dürfen aber weiterhin keine Priester weihen.

Führenden Exponenten der Bruderschaft wird seit langem antisemitische Gesinnung vorgeworfen. Williamsons Äusserungen am schwedischen Fernsehen, der Holocaust habe nicht stattgefunden, nähren solche Vorwürfe. Die Piusbruderschaft gilt unter Katholiken als erzkonservativ.

Nun also in Schlieren. Für Stadtpräsident Toni Brühlmann-Jecklin war die Ankündigung des Zuzugs der Priesterbruderschaft St.PiusX bislang kein Thema, wie er auf Anfrage erklärt.