Herr Färber, morgen wollen die Schweizer Lions-Clubs ihre Philosophie und Aktivitäten der Bevölkerung mit regionalen Anlässen näher bringen (siehe Infobox). Warum ist das nötig für einen exklusiven Club, in dem die Reichen und Mächtigen zusammentreffen?

Horst Färber: Genau dieses Image ist der Hauptgrund, warum der Lions-Tag alle fünf Jahre auf Initiative unserer nationalen Dachorganisation durchgeführt wird: Die Öffentlichkeit soll darüber informiert werden, was die Lions-Clubs (LC) tatsächlich für die Gesellschaft leisten.

Die zahlreichen wohltätigen Projekte geraten aufgrund des elitären Images leider oft in Vergessenheit. Viele Menschen denken, dass unsere Club-Mitglieder in erster Linie zusammen essen, trinken und Businesskontakte knüpfen.

Behindert die öffentliche Wahrnehmung die wohltätige Arbeit Ihres Clubs – zum Beispiel beim Spendensammeln?

Nein. Vonseiten der nationalen Lions-Dachorganisation wird das Image zwar als hinderlich empfunden. Im Limmattal und auch in anderen mir bekannten Regionen haben wir aber nicht mit diesem Problem zu kämpfen.

Organisationen oder Vereine, die Unterstützung suchen, kommen ungeniert auf uns zu und denken nicht: «Mit diesen hochnäsigen Typen wollen wir nichts zu tun haben.» (lacht) Umgekehrt finden auch wir problemlos Partner und Gönner für unsere Projekte.

Warum sind die Lions gut in der Region verankert?

Zum einen verschafft uns die Zusammensetzung unseres Clubs ein grosses Beziehungsnetz im Limmattal: Unsere Mitglieder sind beispielsweise Banker, Landwirte, Handwerker, Industrielle, Architekten, Ärzte, Juristen, Kaufleute oder Werber. Zum anderen wohnen die meisten Mitglieder im Limmattal und sind ein Teil der lokalen Bevölkerung.

Dann hat der LC Limmattal den morgigen Event auf dem Dietiker Kirchplatz also gar nicht nötig?

Im Sinne einer Imagepflege tatsächlich nicht. Trotzdem ist der Aktionstag eine gute Sache. Unsere Mitglieder stellen etwas auf die Beine und treten gemeinsam als Lions in der Öffentlichkeit auf. Ein solches Erlebnis stärkt den Zusammenhalt und motiviert auch unsere beruflich voll eingespannten Mitglieder, sich weiterhin für die Club-Projekte zu engagieren. Wir freuen uns deshalb, wenn möglichst viele Limmattalerinnen und Limmattaler den Weg auf den Kirchplatz finden.

Der LC Limmattal sammelt morgen Geld für die «Spitex Rumänien». Worum geht es?

Es handelt sich um ein Projekt des Vereins «Hilfe für Rumänien». Der LC Limmattal finanziert seit einigen Jahren den Lohn für drei Spitex-Krankenschwestern, die arme und mehrheitlich ältere Menschen in der ländlichen Region Cluj medizinisch versorgen.

Funktionierende Spitäler, wie wir sie kennen, gibt es dort keine – selbst Krebskranke sind sich häufig selber überlassen. Das gesammelte Geld wird dem Verein als Sonderbeitrag gespendet, um vor Ort die Ärmsten der Armen zu unterstützen.

Ihr Club unterstützt mit Spenden und Mitgliederbeiträgen primär humanitäre Projekte im Ausland. Warum liegt der Schwerpunkt nicht in der Schweiz?

Als Aktivitäten-Verantwortlicher ist es mir ein Anliegen, dass wir in erster Linie Regionen unterstützen, die im Gegensatz zur Schweiz noch gar nicht über wichtige soziale oder medizinische Einrichtungen verfügen.

Wir sind aber auch in der Schweiz präsent: Beim LC Limmattal geht es nebst dem Geldverteilen nämlich auch darum, dass sich die Mitglieder aktiv einsetzen – und davon profitieren oft auch hiesige Projekte. So luden wir zum Beispiel behinderte Menschen dazu ein, eine Vorstellung des Säuliämter Jugend Circus Biber zu besuchen. Unsere Mitglieder holten die Gäste mit dem Auto ab, betreuten sie und begleiteten sie an die Vorstellung.

Angenommen, ich bin begeistert vom Engagement der «Lions». Kann ich mich für eine Mitgliedschaft bewerben?

Nein. Lions-Club-Mitglied kann nur werden, wer von zwei Club-Mitgliedern vorgeschlagen wird. Der Verein muss diesen Vorschlag einstimmig befürworten. Danach kann sich der Kandidat entscheiden, ob er dem Club beitreten will.

Welche Kriterien muss man erfüllen, um zum «Lion» gekürt zu werden?

Zuerst einmal achten wir darauf, dass durch ein neues Mitglied kein «Klüngel» entsteht: Wir möchten nicht sechs Banker im Club haben, sondern Vertreter möglichst vieler Branchen. Weiter muss der Kandidat eine verantwortungsvolle Position in unserer Gesellschaft innehaben und über eine soziale Ader und einen einwandfreien Leumund verfügen.

Warum nimmt der Lions-Club nur Führungspersönlichkeiten auf?

Dieses Kriterium geht primär auf die historischen Wurzeln und auf die Zielsetzung der Lions-Bewegung zurück: Der erste Club wurde 1917 in den USA gegründet – mit der Idee, dass Businessmänner in ihren Zirkeln nicht mehr nur übers Geschäft reden, sondern auch soziale Verantwortung wahrnehmen.

Es gibt keine einzige Frau in den Reihen des LC Limmattal. Warum?

Frauen können bei uns nicht Mitglieder werden, auch wenn es in der Schweiz seit längerem gemischte Lions-Clubs gibt. Eine Änderung dieser Praxis wurde bereits mehrfach diskutiert. Momentan herrscht die Meinung vor, dass es nur Sinn machen würde, drei oder vier Frauen gleichzeitig aufzunehmen und ihnen somit von Anfang an ein gewisses Gewicht zu verleihen. Persönlich bin ich der Meinung, dass die Öffnung unseres Clubs für Frauen begrüssenswert wäre und nur eine Frage der Zeit sein dürfte.