Limmattal
Homöopathische Mittel sind unter Tierhaltern und Landwirten sehr beliebt

Egal ob Rind, Huhn, Katze, Pony oder Hofhund – wird eines der Tiere auf dem Biohof Fondli in Dietikon krank, alarmiert Anita Lê Spahn nicht gleich den Tierarzt, sondern greift erst ins Küchenregal.

Katja Landolt
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Anita Lê Spahn mit Hofhund Siko. Auch er wird mit homöopathischen Mitteln behandelt.Katja Landolt

Anita Lê Spahn mit Hofhund Siko. Auch er wird mit homöopathischen Mitteln behandelt.Katja Landolt

Hier stehen Dutzende Fläschchen, gefüllt mit den kleinen weissen Kügelchen, den Globuli. «Ich wende Homöopathie bereits seit rund 20 Jahren an und habe sehr gute Erfahrungen damit gemacht», sagt Anita Lê Spahn. Ganz nach dem Prinzip: Was dem Menschen selber nicht schadet, kann auch für die Tiere nicht schlecht sein.

Die Liste der erfolgreich aufgepäppelten Tiere ist lang: vom Katzenbaby, das mit Nierenproblemen zu kämpfen hatte, über Euterentzündungen bei Mutterkühen, bis hin zur Sommerallergie beim Pony. «Bei der Homöopathie muss ich keine Angst vor Nebenwirkungen haben», sagt Lê. Es müssen aber nicht immer homöopathische Mittel sein, auch Hausmittelchen haben ihre Wirkung. Da hilft ein Umschlag mit Käslikraut oder Beinwellwurzeln bei Klauenentzündungen oder Bachblütentropfen gegen Nervosität.

Längst nicht nur ideelle Gründe

Dass Lê als Biobäuerin die Homöopathie der Schulmedizin vorzieht, hat aber nicht nur ideelle Gründe. Auf die chemischen Medikamente zu verzichten, lohnt sich auch finanziell: Die Kosten für Globuli, Fencheltee oder Käslikraut stehen in keinem Verhältnis zu den Kosten für Medikamente und den Tierarztbesuch. «Ausserdem bedeutet beispielsweise eine Antibiotikabehandlung bei Kühen ein Einkommensausfall; die Milch darf in dieser Zeit nicht verwendet werden.»

Trotzdem ist auch für Lê klar: Ohne Schulmedizin geht es nicht immer. «Wenn sich der Zustand des Tieres nicht bessert oder verschlechtert, muss der Tierarzt weiterhelfen.» Da mache sie keine Experimente, schliesslich stehe ein Leben auf dem Spiel. «Homöopathie kann die Schulmedizin nicht ersetzen, nur ergänzen.» Übrigens gilt für Tiere, was auch für Menschen gilt: Nicht alle reagieren gleich gut auf Homöopathie.

Interesse an Homöopathie ist gross

Die Zürcher Kantonstierärztin Regula Vogel hat die Aufsicht über die Berufsausführung der Veterinärmediziner. Sie bestätigt das gewachsene Interesse an homöopathischer Behandlung: «Wir haben regelmässig Anfragen von Tierheilpraktikern, die Tiere homöopathisch behandeln möchten.» Die Bestimmungen seien jedoch recht restriktiv und die Zahl der Anfragen eher rückläufig. Vogel persönlich erachtet Homöopathie als ergänzende Möglichkeit zur Schulmedizin. «Bei sehr schmerzhaften Erkrankungen wie gewissen akuten Infektionen alleine darauf abzustellen, erachte ich als nicht tierschutzkonform.»

Am Strickhof, dem Kompetenzzentrum für landwirtschaftliche Aus- und Weiterbildung in Lindau, bestätigt man die grosse Nachfrage nach Kursen zur homöopathischen Behandlung von Tieren. Jedoch beschränke sich dieses Interesse in der Zwischenzeit auf Kurse zum Erfahrungsaustausch. Der Einsteigerkurs sei nicht mehr so gefragt.