Dietikon
Hommage an den «Überlister der Schwerkraft»

Die Stadt widmet dem 2006 verstorbenen Plastiker Josef Staub eine Ausstellung im Foyer des Stadthauses.

Katja Landolt
Drucken
Teilen

Limmattaler Zeitung

«Josef Staub ist ein Bildhauer für Plätze.» Das schrieb der Publizist und Ausstellungsmacher John Matheson vor 20 Jahren über seinen Freund im Bildband «Josef Staub». «Ein Bildhauer wie Josef Staub braucht Aufträge. Er braucht die urbane Öffentlichkeit.»

Urbane Öffentlichkeit; die ist dem 2006 verstorbenen Bildhauer und Kunstmaler Josef Staub in den nächsten Monaten gewiss: Ab dem 30. November – es wäre sein 80. Geburtstag – ehrt die Stadt Dietikon ihren Kulturpreisträger mit einer Ausstellung im Foyer des Stadthauses.

Dass die Ausstellung dort stattfindet, ist ein Wunsch von Sohn und Ausstellungsmacher Fredi Staub: «Ich möchte, dass alle Bürger die Kunst von Josef Staub erleben können. Also machen wir die Ausstellung da, wo die Bürger von Dietikon ein und aus gehen – im Stadthaus.»

Gezeigt werden ausschliesslich Plastiken aus Chromstahl; zwölf Werke aus dem Nachlass des Künstlers. Das entspreche Staubs Credo, sagt Matheson: «Er wollte nicht, dass Bilder und Plastiken gemeinsam gezeigt werden.» Auf dem Platz vor dem Stadthaus wird für die Dauer der Ausstellung die fünfeinhalb Meter hohe Plastik «Otello» stehen, eine Leihgabe der Gemeinde Baar, dem Geburtsort Josef Staubs.

«Mir bedeutet diese Ausstellung sehr viel», sagt Fredi Staub. Er wird an der Vernissage eine Ansprache halten. Er wolle primär auf Josef Staubs Wirken als engagierter Bürger eingehen; Staub war Kursleiter der Elternschule und in den Siebzigerjahren Mitinitiant der kulturellen Vereinigung «Limmethus». Zudem war er mehrere Jahre lang Mitglied der ersten Kulturkommission in Dietikon.

Für einmal gilt «Kultur vor Kunst» – denn die Kunst, sagt Fredi Staub, «die Kunst spricht für sich selbst und braucht keine Erklärungen.»

Auch Matheson wird an der Vernissage vor die Besucher treten und über die Ausstellung «Eisen 89» berichten, die er damals gemeinsam mit Staub organisiert hat. «Ich möchte, dass auch die Neuzuzüger erfahren, wer Josef Staub war – damit er nicht vergessen geht.»

Vergessen gehen; das scheint mit Staubs Kunst eigentlich nicht vereinbar. Die Werke des «Überlisters der Schwerkraft», wie Staub genannt wurde, sind von zeitloser Schönheit, die Faszination, die von den schlichten, die Statik herausfordernden Werke ausgeht, ist ungebrochen. «Sie imponieren durch ihre Kühnheit der Konstruktion bei gleichzeitiger Leichtigkeit, ja Eleganz», hat Matheson vor 20 Jahren die Plastiken beschrieben. Das gilt noch heute. «Sie fallen auch dem gleichgültigen Passanten im öffentlichen Raum oft durch ihre Grösse auf, ganz besonders aber durch ihren Glanz, der vom Material ausgeht.»

Matheson weiter: «Es sind Solitäre, die das Gespräch ausserhalb von Atelier, Galerie und Museum suchen, das wichtige Gespräch mit der Umwelt und ihren täglichen Passanten, die vom Kunstwerk keine Anpassung, sondern die Erscheinung des Unerhörten erwarten.»

Ausstellung zum 80. Geburtstag 30. November 2011 (Vernissage um 19 Uhr) bis 15. Januar 2012 (Finissage, 11 bis 14 Uhr), im Foyer des Stadthauses Dietikon. Weitere Infos: www.dietikon.ch