Die ehemalige Analystin des US-Geheimdienstes Carrie Mathison hat alle Hände voll zu tun: Eine Terror-Gruppe plant in Berlin einen Anschlag, der Hunderte von Menschen das Leben kosten würde. Dies ist ein Kurzabriss der Handlung der fünften Staffel der US-Serie «Homeland», die wöchentlich Millionen von Zuschauern vor die Bildschirme lockt und regelmässig mit Preisen bedacht wird. Eines der Gesichter dieser Terrorgruppe dürfte vielen Oberengstringern bekannt vorkommen. Der gebürtige Iraner Alizera Bayram wuchs in der Gemeinde auf und schlüpft in «Homeland» in die Rolle des Terroristen Qasim. Im Gespräch erklärt Bayram, wie es ist, sich im amerikanischen Fernsehen zu sehen, wie er den Anti-Islam-Effekt in Europa wahrnimmt und wie behütet seine Kindheit im Limmattal war.

Herr Bayram: Wie war es, einen Terroristen zu spielen, nur wenige Tage, nachdem in Paris 130 Menschen wegen echter Terroristen ihre Leben verloren?

Alireza Bayram: Am Set herrschte eine spezielle Stimmung. Bevor gedreht wurde, hielten die Verantwortlichen, unter anderem der Produzent, kurze Reden, um der Opfer zu gedenken. Im Anschluss wurde dann im Berliner Reichstag nach Drehbuch gefilmt. 

Wo waren Sie, als Sie sich erstmals in «Homeland» über den Bildschirm flimmern sahen?

Am 8. November hatte mein Charakter seinen ersten kurzen Auftritt. Zu diesem Zeitpunkt waren wir noch inmitten der Dreharbeiten und ich schaute die Folge gemeinsam mit «Homeland»-Kollegen in einem Berliner Hotel. Für mich war dies aber noch kein Highlight, da mein Charakter unauffällig als Teil einer Terror-Gruppe eingeführt wurde. Im Verlauf der Geschichte wird Qasim zu einer Schlüsselfigur.

Qasim ist durch sein Umfeld in die Terror-Gruppe gelangt und fühlt sich darin nicht wohl, findet, er tue nichts Gutes. Wird der Terrorismus so vermenschlicht?

Durch meine Figur haben die Zuschauer Einblicke in eine solche Terrorzelle. Dabei finde ich es wichtig, menschliche Aspekte zu zeigen. In Vorbereitung auf meine Rolle schaute ich Dokumentarfilme über junge Islamisten und Salafisten, die in Deutschland aufwuchsen und nach Syrien gereist sind. Die Motive, die Menschen in die Radikalisierung treiben, sind vielfältig. Diese versucht die Serie abzubilden. 

Wollten Sie denn einen Terroristen spielen?

Die Rolle des Qasim zu spielen, war auf jeden Fall eine Herausforderung, die mich sehr gereizt hat.

War das nicht ein Risiko?

Nein. Ich schaue die Serie «Homeland» ja selber und ich bin davon begeistert. Im Speziellen finde ich, dass die Charaktere vielschichtig und feinfühlig gezeichnet sind und nicht einfach in einem Schwarz-Weiss- oder Gut-Böse-Schema daherkommen. Auch recherchieren die Drehbuch-Autoren sehr präzise, werden sogar von ehemaligen CIA-Mitarbeitern beraten, um die Geschichte so authentisch wie nur möglich zu machen. Daher hatte ich grosses Vertrauen in die Macher, was sich inzwischen ja auch ausgezahlt hat.

Sie stammen ja aus dem Iran, Sie bezeichnen sich als nicht religiös und Sie besitzen den Schweizer Pass. Spüren Sie eigentlich einen gewissen Anti-Islam-Effekt in Europa?

Ja. Ich spürte nach den Attentaten von Paris vermehrt misstrauische Blicke auf der Strasse, besonders als ich noch den Bart für meine Rolle trug. Doch ertappte auch ich mich dabei, wie ich mich in Anwesenheit von anderen bärtigen, nahöstlichen Männergruppen unwohl zu fühlen begann. Jedem muss klar sein, dass es falsch ist, Menschen aus dem Mittleren Osten oder Muslime mit den Terroristen gleichzusetzen. Angst und Unsicherheit trennt uns. Aufklärung und Wissen jedoch bringt uns näher zusammen.

Als Zweijähriger kamen Sie mit Ihren Eltern und Ihren drei Schwestern nach Oberengstringen und lebten dort, bis Sie knapp 20 Jahre alt waren. Wie war Ihre Kindheit und Jugend im Limmattal?

Sehr behütet und normal. Ich habe mich wohlgefühlt im Limmattal. Heute bewundere ich meine Eltern für ihren Mut, mit vier Kindern einen Neuanfang in einer anderen Kultur zu wagen.

Trailer zur Serie Homeland

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