Dietikon
«Home Opera»: Opernhaus für einen Abend

Das Konzept der umtriebigen Sängerinnen und Sänger aus Berlin ist einfach erklärt: Gemeinsam mit einem Pianisten bieten sie unter dem Namen «Home Opera» Auftritte in Privatwohnungen an.

Alex Rudolf
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«Home Opera»: Opernhaus für einen Abend
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Am kommenden Sonntag kommt das Dietiker Publikum in den Operngenuss
Die Wohnungen werden zur Kulisse
Man wolle eine lockere Alternative zur 'steifen' Oper bieten
05_Erst wenige Stunden vor dem Auftritt beginnen die Proben in den Wohnungen
Der Zürcher Daniel Hellmann ist der einzige Schweizer in der Truppe von 'Home Opera'
Die Idee für 'Home Opera' stammt von der Dänin Hetna Regitze Bruun (untere Reihe links)

«Home Opera»: Opernhaus für einen Abend

ZVG

Die zwei Anforderungen an die Domizile: Sie müssen über ein Klavier sowie über hohe Decken verfügen. Kurz vor dem jeweiligen Auftritt wird auf der Homepage der Gruppe bekannt gegeben, wo sie spielen werden, Eintrittskarten können nur online gekauft werden. Die Idee der Gründerin, Mezzosopranistin Hetna Regitze Bruun, scheint den Nerv der Zeit zu treffen. Laut Daniel Hellmann, einziger Schweizer Sänger bei «Home Opera», kommen Konzertanfragen aus aller Welt von Australien bis Brasilien. «Leider lohnt es sich nicht, nur wegen eines Konzerts ans andere Ende der Erde zu fliegen», so Hellmann. Gut gebucht sind die Sänger aber auch in Europa. So sind dieses Jahr weitere Konzerte in Berlin, Dänemark und Italien geplant. Übermorgen ist aber erst mal das Dietiker Atelier Koller dran.

Ruedi Koller und Franziska Bernasconi vom «Atelier Koller», schätzen sich glücklich, die Operngruppe für ihre Räumlichkeiten gewonnen zu haben. «Wir sind grosse Opernfans. Dass meine wir den Anlass beheimaten dürfen, ist etwas Spezielles», sagt er. Die Zuschauer, es gibt rund 60 Plätze, erwartet ein italophiles Programm. So würden Ausschnitte aus Stücken von Rossini und Puccini zum Besten gegeben.

Interaktion als Schlüssel zum Erfolg

Neben dem Können der Sänger, sei aber auch das Ambiente ein Grund für den Erfolg der Truppe, so Daniel Hellmann. «Bei unseren Auftritten interagieren wir einerseits mit den Zuschauern, andererseits aber auch mit den Räumlichkeiten.» Jede Location sei anders, in die Stücke einbauen könne man sie aber immer. So werde allenfalls ein Balkon oder eine Bücherwand zu einem Element des Konzerts.

Beinahe alle Opernhäuser würden sich bemühen, ein junges Publikum anzuziehen. «Dies gelingt aber oft nicht, weil es in der Welt der Oper viele Regeln wie Dresscodes aber auch hohe Eintrittspreise gibt. Das schreckt junge Leute ab.» Hingegen sei die Stimmung in einer Wohnung entspannter, man könne die Musik geniessen ohne die «steife» Institution Oper, erleben zu müssen. Die Preise bewegen sich zwischen 25 und 60 Franken für die rund zweieinhalb Stunden dauernde Darbietung. Einen Ersatz für den Opernbesuch seien sie derweil nicht, Hellmann versteht sich und seine Kollegen eher als Ergänzung, denn «schliesslich verfügen wir über kein Orchester.»

Das Konzert vom Sonntag im Atelier Koller ist bereits ausverkauft. Ende Juni bietet sich aber die nächste Gelegenheit, «Home Opera» live zu erleben. Dann ist wieder eine Schweiztournee geplant. Unter www.homeopera.net können Tickets bezogen werden und, falls Sie über hohe Räume und ein Klavier verfügen, ihre vier Wände ins Rennen um einen Auftritt schicken.

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