Dietikon

«Home Opera»: Oper im Mini-Format bietet grosse Unterhaltung

In der Heimoper geht es hoch her.

In der Heimoper geht es hoch her.

Ein gelbes, weites Shirt mit Pferdeköpfen, Pailettenshorts und Leggins – die Kostüme in der klassischen Oper stellt man sich anders vor. Aber konventionell und klassisch will sie gar nicht sein, die «Home Opera», sondern bewusst anders.

Das beginnt bereits beim «Opernsaal» – der ist an diesem Sonntagabend das Dietiker «Atelier Koller», die Bühne liegt zwischen Anziehpuppen und Kleiderständern. Und auch die Besucher erscheinen statt in langen Kleidern und Anzug in Jeans und Pullover.

Den grössten Unterschied zum klassischen Opernabend findet man aber in den Auftritten der Berliner Künstler selber. Bereits während des ersten Stücks präsentiert Mezzosopranistin und Gründerin der «Home Opera», Hetna Regitze Bruun, als ihren Verlobten den frisch zum Grand-Slam-Gewinner gekrönten Stanislas Wawrinka. Später tritt Bassbariton Daniel Hellmann, der einzige Schweizer in der Gruppe, nur mit einer hawaiianischen Blumenkette, Boxershorts und Bastrock bekleidet auf die Bühne. Und während der Zugabe streiten sich beide singend und kämpfend mit Sopranistin Olga Heikkilä um die Aufmerksamkeit des Publikums.

Schneiderschere als Mordwaffe

Trotz vieler Elemente, die nicht der konventionellen Oper entsprechen, ist der Name «Home Opera» aber keineswegs falsch gewählt: Die drei Sänger, begleitet vom Pianisten Markus Syperek, geben gekonnt Stücke der bekanntesten Opernkomponisten aus aller Welt wieder – unter anderem Mozart, Rossini, Bernstein, Bizet und Puccini. Sie singen auf Deutsch, Italienisch, Englisch und Französisch und das scheinbar mühelos. Lediglich die Interpretation der Stücke kommt etwas anders daher, ein wenig humorvoller und moderner.

Bassbariton Hellmann oder Pianist Syperek erklären vor den Stücken trocken, um was es in der jeweiligen Oper geht und nehmen ihr bereits damit die Ernsthaftigkeit. Während des Stücks interagieren sie mit ihrer Umgebung, nutzen einen Gürtel, der im Atelier hängt, als Utensil für einen Selbstmord oder eine Schneiderschere als potenzielle Mordwaffe, und vertraut kuschelt sich Heikkilä einmal an eine Anziehpuppe.

Opernstars zum Anfassen

Anstatt weit entfernt vom Publikum zu spielen, gehen die Künstler zwischen den Reihen hin und her, steigen auf Stühle, Hellmann überreicht während eines Stücks einer Besucherin gar eine Tulpe und flirtet mit ihr. Die Sänger zeigen dabei immer wieder ihre Wandelbarkeit, wechseln Rollen und Outfits mehrere Male – vom Anzug bis zum Schlabberlook.

Die Besucher lachen stellenweise Tränen, wobei sowohl Erstbesucher als auch Opernfans auf ihre Kosten kommen. «Ich mag es, wenn Leute etwas Neues ausprobieren. Dieser Anlass bietet einen tollen Zugang zur Oper», sagt etwa die Besucherin Beatrice Jungholz. Auch Johanna Coray lobt das Veranstaltungskonzept und insbesondere die Leistung der vier Künstler: «Die Stimmen hören sich trotz des kleinen Raumes sehr professionell an.»

Auch Gastgeberin Franziska Bernasconi vom «Atelier Koller» ist vom Auftritt begeistert: «Die Stimmung war sehr gut. Und wie die Künstler improvisiert und dabei unsere Gegenstände benutzt haben, war genial.» Die Opernstimmung werde wohl in den nächsten Tagen auch bei der Arbeit noch nachklingen, meint Bernasconi lachend.

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