Bezirksgericht Dietikon

«Hole meine Knarre und mache dich kaputt»: IV-Rentner landet vor Gericht

Vorgeworfen wurden dem 50-jährigen Schweizer IV-Rentner, dass er seine frühere Partnerin mehrmals tätlich angegangen habe.

Vorgeworfen wurden dem 50-jährigen Schweizer IV-Rentner, dass er seine frühere Partnerin mehrmals tätlich angegangen habe.

Weil er seine damalige Freundin malträtiert hatte, ist ein IV-Rentner zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 14 Monaten verurteilt worden.

«Ich sage gar nichts mehr», erklärte der Beschuldigte vor dem Bezirksgericht Dietikon. Dafür sprach der Pflichtverteidiger für den Mann, dem mehrfache versuchte schwere und einfache Körperverletzung, Drohung sowie wiederholte Tätlichkeiten vorgeworfen wurden.

Der Verteidiger forderte bereits zu Beginn der Verhandlung, dass das Verfahren gegen seinen Mandanten eingestellt wird: «Dieser Fall befindet sich in akuter Schieflage.» Er machte aufgrund der mehrmals abgeänderten Anklagen eine Vermischung der Rollen von Staatsanwaltschaft und Gericht und damit eine Verletzung des Anklageprinzips geltend. «Das Gericht ist vom Podest der Neutralität gestiegen», meinte er. «Der Beschuldigte hat aber Anrecht auf ein unvoreingenommenes Gericht.» Das Gericht unter dem Vorsitz von Bezirksrichter Benedikt Hoffmann wies jedoch den Antrag ab. Nach Ansicht des Gerichts sei nichts vorgefallen, was der Strafprozessordnung widersprochen hätte.

Tätlichkeiten gegenüber Partnerin

Vorgeworfen wurden dem 50-jährigen Schweizer IV-Rentner, dass er seine frühere Partnerin mehrmals tätlich angegangen habe. Gemäss Anklage soll er sie – vor bald drei Jahren – in der Wohnung eines Bekannten und in der gemeinsamen Wohnung nach verbalen Auseinandersetzungen mit der Faust ins Gesicht und in den Bauch geschlagen, sie mit einer Wodkaflasche am Auge verletzt, gewürgt und getreten haben. Zudem habe er gedroht, er werde «seine Knarre holen und sie kaputtmachen».

Ein als Zeuge aussagender Bekannter erklärte, dass er von einer Auseinandersetzung nichts mitbekommen habe. Er habe geschlafen. Als er aufgewacht sei, wären der Beschuldigte und dessen Partnerin bereits weg gewesen. In der Wohnung habe nichts auf eine Auseinandersetzung hingedeutet.

Die Beweislage sei nicht optimal, räumte der Staatsanwalt ein. Die angeklagten Sachverhalte würden sich im Wesentlichen auf die Aussagen der Geschädigten stützen. Er beantragte eine bedingte Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 80 Franken sowie eine Busse von 3000 Franken.
Im Gegensatz zum Staatsanwalt, der feststellte, dass das Gesamtverschulden des Beklagten «als leicht zu taxieren» sei, betonte die Rechtsbeiständin der Geschädigten: «Das Verschulden wiegt nicht mehr leicht.» Sie forderte die Bestrafung im Sinne der Anklage. Zudem verlangte sie eine Genugtuungssumme von 8000 Franken zuzüglich fünf Prozent Zins für die Frau. Das unter Vorbehalt von weiteren Schadenersatzforderungen für allfällige weitere Folgen der erlittenen Verletzungen.

Verteidiger: Opfer-Aussagen seien unglaubhaft

Der Verteidiger forderte in seinem Hauptantrag einen Freispruch für seinen Mandanten. Eventualiter sei bei einem Schuldspruch der Beklagte mit einer bedingten Geldstrafe von zehn Tagessätzen à 20 Franken milde zu bestrafen. Von einer Busse sei abzusehen und die Schadenersatz- und Genugtuungsforderungen seien abzuweisen. Der Verteidiger machte geltend, dass der Sachverhalt bestritten werde und die Aussagen der Geschädigten unglaubhaft seien.

Das Gericht stellte das Verfahren zum Vorfall in der Wohnung des Bekannten ein. Es sprach den Beschuldigten aber der versuchten schweren Körperverletzung, der mehrfachen einfachen Körperverletzung, der Drohung und der Tätlichkeiten schuldig und verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten.

Der Vollzug der Strafe wird bei einer Probezeit von zwei Jahren vorerst aufgeschoben. Der IV-Rentner muss zudem eine Busse von 2000 Franken zahlen und die Verfahrenskosten tragen. Auf die Forderung der Zivilklägerin trat das Gericht nicht ein.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1