Oberengstringen

Hohe Sprachkunst ohne Duden

Slam-Poetin Lara Stoll.  ms

Slam-Poetin Lara Stoll. ms

Mit viel Fantasie und Wortwitz unterhielt Slam-Poetin Lara Stoll ihr Publikum beim «Lesen am Tresen».In der Bibliothek Oberengstringen gab sie eine Auswahl ihrer Texte zum Besten

Bekannt ist sie den meisten als Schweiz- und Europameisterin im Poetry-Slam. Das ist eine Art moderner Dichterwettstreit, bei dem die Künstler in vorgegebener Zeit ihre Texte einem Publikum vortragen und von ebendiesem bewertet werden. Zu gewinnen gäbe es, ausser dem Titel, noch meistens einen Schnaps. «Deshalb mache ich das Ganze auch», sagt Lara Stoll. «Aber ich komme auch ganz gut ohne Whiskey klar.»

Kurze, intensive Geschichten

Humor, Ironie und eine starke Brise Sarkasmus sind ihr Markenzeichen. Genau diese Mixtur wurde dem Publikum am Donnerstag hoch dosiert eingeflösst. Die Art ihrer Texte lässt sich, wie sie selber sagt, am ehesten der Kategorie «Storytelling» zuschreiben. In diesen kurzen, aber intensiven Geschichten bekommt so ziemlich jeder sein Fett weg, nur die «adipösen Enten» nicht. Die werden von den Rentnern überfüttert, denn zum demografischen Wandel sagt Lara Stoll: «Früher hat ein Rentner sieben Enten gefüttert und heute füttern sieben Rentner eine Ente.»

In ihren Texten bekommen auch andere mal eins auf den Deckel, seien es Politiker, Eltern, Banker oder Männer. Manchmal handeln sie aber auch einfach von «offenen Töpfen ohne Deckel», die im Spiel des Lebens «alleine gegen den Rest der Welt» spielen und verlieren, denn in der Bandbreite ihrer Werke finden sich neben politischen Seitenhieben auch emotionale Liebesbekenntnisse. «Körpergeräusche» von schnarchenden Männern werden dabei zur anbetungswürdigen Tugend und man stellt fest: «Schnarchen ist ehrlich.» Wenn der geliebte Duden, ohne ein Wort, einfach verschwindet und man nichts mehr richtig schreibt, dann wird ein E-Mail an den Duden zur Herausforderung: «Fieber Dudem. Es nist so död ohne tich». Besonders dramatisch, wenn sich herausstellt, dass man vom Duden sitzen gelassen wurde, obwohl man doch schwanger ist und «die deutsche Rechtschreibung in sich trägt». An Aktualität fehlt es Stolls Texten auch nicht. Sie trug einen Text vor, den sie noch am Mittag geschrieben hatte. Er handelt von einem Aufstand ihrer Haustiere, unter ihnen ein «libyscher Langhaar-Gecko» und eine «jordanische Riesenschnauzkatze» namens Heinz. Sie forderten mehr Mitspracherecht und Meinungsfreiheit. Die Wohnung wurde verwüstet und so geschah es, dass Lara in der Unordnung stürzte «und merkte: Ich wurde gestürzt.» Aktualität, Wortwitz und Programm kamen an: «Den aktuellen politischen Bezug fand ich gut und auch ihren schauspielerischen Einsatz», so Besucherin Corinne von Burg.

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