Der Text im Geschäftsbericht der Stadt Dietikon klingt alarmierend: «Die Kündigungsabsicht, insbesondere beim Kader, erweist sich als sehr hoch.» Weiter: «Es braucht mehr Anerkennung.» Und: «Lohn und Ferien müssen überprüft werden.» Sowie: «Als Arbeitgeberin ist die Stadt in der Pflicht, ein Umfeld zu schaffen, dass Mitarbeitende nicht innerlich kündigen.»

Liegt in der Dietiker Stadtverwaltung also einiges im Argen? «Nein», sagt der oberste Chef der Verwaltung, Stadtpräsident Otto Müller (FDP), auf Anfrage. «Die Formulierung im Geschäftsbericht ist zu stark, ein bisschen unglücklich und spiegelt Einzelaussagen.»

Müller erklärt, wie es zu den Sätzen im Geschäftsbericht kam. Ein externes Beratungsbüro führte eine Mitarbeiterumfrage durch. Die Angestellten mussten folgende Aussage bewerten: «Ich würde die Arbeitsstelle wechseln, sehe momentan aber keine Möglichkeit dazu.» Auf einer Skala von 0 bis 5 erzielten die Mitarbeiter im Durchschnitt den Wert von 2,7.

Null heisst: «Ich stimme zu». Fünf bedeutet: «Ich stimme nicht zu». Beim Kader war dieser Wert «leicht tiefer», die Kündigungsabsicht also höher als beim Durchschnitt der Mitarbeiter, wie Müller sagt. Welchen Wert das Kader genau erreichte, sagt die Stadt nicht. Einen Wert, der höher ist als 2,7, werte das Beratungsbüro laut Müller als normal.

Die anderen Fragen der Mitarbeiter- umfrage hätten eine hohe Gesamtzufriedenheit ergeben. Müller: «Diese war höher als 2008 und 2013, als wir die Umfrage auch schon durchgeführt hatten. Das ist für mich sehr wichtig.»

Leicht mehr Tendenz zu Kündigung

Dagegen waren die Werte zur Kündigungsabsicht 2013 und 2008 «marginal besser». Also tendieren jetzt leicht mehr Angestellte zur Kündigung. Das Verwirrende: «Seltsamerweise haben wir bei der Aussage, ‹ich will meine Stelle behalten›, ebenfalls einen hohen Zustimmungswert von 4,3», sagt Stadtpräsident Müller.

Dass die Stimmung zumindest nicht bei allen Führungspersonen eitel Sonnenschein ist, lässt sich aus dem Geschäftsbericht herauslesen. Dort steht: «Grundsätzlich stellt das Kader fest, dass die Kompetenzen nicht der grossen Verantwortung entsprechen.»

Weiter: «Individuelle und anonyme Stellungnahmen zeigen, dass Vertrauen und Kompetenzen eng miteinander verknüpft sind und unterschiedliche Emotionen auslösen.» Wenn einzelne Kader-Mitarbeiter zu geringe Kompetenzenbeklagen und gleichzeitig Kompetenzen mit Vertrauen verknüpfen, liegt der Schluss nahe, dass diese Führungspersonen zu wenig Vertrauen fühlen.

Zur Frage der eingeschränkten Kompetenzen sagt Müller: «Ich begrüsse es natürlich, wenn sich das Kader einbringen will. Aber am Ende steht der Stadtrat in der Gesamtverantwortung.»

Die Stellungnahmen wie auch die ganze Umfrage wurden im Rahmen einer Arbeitsgruppe gemacht. Diese setzte der Dietiker Stadtrat ein, weil er im Regierungsprogramm 2014 bis 2018 das Ziel gesetzt hat, die Attraktivität der Stadt Dietikon als Arbeitgeberin zu steigern. Was genau die Führungspersonen der Arbeitsgruppe im Einzelnen mitgeteilt haben, konnte diese Zeitung nicht in Erfahrung bringen. Die Stadt Dietikon gab die Dokumente nicht heraus, weil man damit einzelne Angestellte identifizieren könne.

Nach der Umfrage wurden Massnahmen ausgearbeitet und dem Stadtrat vorgelegt. Das Resultat: «Dem neuen Stadtrat wird empfohlen, die Personalverordnung in Teilen zu revidieren», sagt Müller. Die Personalverordnung ist das wichtigste Regelwerk für die Angestellten der Stadt.

Sie bestimmt fast alles von den Ferientagen über die Rechte und Pflichten der Mitarbeiter bis zum Lohn. Sie muss vom Parlament verabschiedet werden. Der neue Stadtrat soll also dem Gemeinderat eine revidierte Fassung vorlegen. Was genau neu drinstehen wird, ist aber noch nicht bestimmt. Vorschläge wird eine neue Arbeitsgruppe erarbeiten, die der Stadtpräsident am nächsten Dienstag einsetzt.

Gibt es Lohnerhöhungen?

Eine mögliche Massnahme könnten Lohnerhöhungen sein. Müller sagt, die Löhne würden kontinuierlich überprüft, weil man konkurrenzfähig bleiben müsse: «In einzelnen Bereichen hat der Stadtrat strukturelle Lohnerhöhungen vorgenommen. Und auch in Zukunft werden wir Anpassungen machen.» Der Stadtrat kann Lohnerhöhungen ohne Parlamentszustimmung beschliessen.

Denn das Parlament legt nur die elf Lohnbänder fest, in denen sich die Löhne bewegen müssen. Innerhalb dieser kann der Stadtrat Mitarbeiter und Funktionen einstufen. Wie hoch die Grenzen der einzelnen Lohnbänder sind, wollte die Stadt dieser Zeitung auch nach mehrmaliger Nachfrage nicht sagen.

Andere Massnahmen sind schon beschlossen. So hat der Stadtrat pro Mitarbeiter 50 Franken bereitgestellt für Teamanlässe. Und er wird das System der Mitarbeiterbeurteilungen ändern. Das externe Beratungsbüro, das die Umfrage gemacht hat, kostete die Stadt laut Müller rund 12 000 Franken.

Müller betont, dass all diese Massnahmen wie auch die Lohnüberprüfungen nicht wegen der Umfrage getroffen wurden. Sondern im Rahmen des eingangs erwähnten Regierungsprogrammes 2014 bis 2018, das die Förderung der Attraktivität der Stadt Dietikon als Arbeitgeberin vorsieht. Auf die Frage, ob er nach der Umfrage dringenden Handlungsbedarf sehe, sagt Müller: «Nein. Aber Entwicklungsbedarf, wie ihn jede Verwaltung hat.»