Schlieren
Hofacker: Neue Schulleitung soll Kontinuität bringen

Das Schulhaus Hofacker erhält eine neue Leitung – zuletzt wechselte sie dreimal innert dreier Jahre. Die Schlieremer Schulpflege hofft, dass damit im «Hofi» wieder Kontinuität Einzug hält.

Florian Niedermann
Merken
Drucken
Teilen
Bea Krebs: Schulpräsidentin Schlieren

Bea Krebs: Schulpräsidentin Schlieren

Limmattaler Zeitung

Ab 31. Juli übernimmt Verena Kocher die Leitung des Schulhauses Hofacker. Die Schlieremer Schulpflege hofft, dass damit im «Hofi» wieder Kontinuität Einzug hält. Zuvor traten drei Personen innert dreier Jahre vom Amt der Schulleitung zurück.

«Auf den Schulbetrieb aus Sicht der Schüler hatten diese Wechsel keinen Einfluss», erklärt Schulpräsidentin Bea Krebs. Für das Lehrerteam im Hofacker sei es aber wichtig, dass ihnen die neue Führung länger erhalten bleibe.

Dieser Einschätzung widerspricht Stadtparlamentarier Beat Rüst (Grüne), der selbst als Fachmann für Schulbeurteilung arbeitete: «Eine Schule funktioniert ähnlich wie ein mittelständisches Unternehmen: Häufige Führungswechsel erschweren es, eine Linie hineinzubringen. Sie verunmöglichen auch eine kontinuierliche Personalführung und die pädagogische Zusammenarbeit.» Wenn diese Faktoren nicht gegeben seien, finde keine Schulentwicklung statt. «Im Endeffekt führt das dazu, dass die Schüler weniger lernen», so Rüst.

Zu viel vorausgesetzt

Die Gründe für die letzten drei Rücktritte im Schulhaus Hofacker waren gemäss Schulpräsidentin Bea Krebs unterschiedlicher Natur: Die erste Schulleiterin zog sich aufgrund einer Schwangerschaft zurück.

Auf Beginn des Schuljahres 2009/10 trat ein ausgebildeter Heilpädagoge aus Deutschland ihre Nachfolge an. Von diesem Fachmann versprach man sich eine kompetente Leitung bei der Einführung der Sonderpädagogik. Es habe sich aber gezeigt, dass dieser Schulleiter zu viel vorausgesetzt habe, sagt Krebs: «Er nahm gewisse Dinge schon als gegeben an, die in unserem Schulbetrieb noch nicht eingeführt worden waren.» Über die Aufgaben der Schulleitung hätten unterschiedliche Erwartungen bestanden. Schliesslich sei eine einvernehmliche Trennung erfolgt.

Sein Nachfolger schliesslich verblieb ebenfalls nur während des Schuljahres 2011/12 in seinem Amt, bevor er sich beruflich in einem anderen Landesteil neu orientierte.

Ein Team von Einzelkämpfern?

Könnte es auch schulinterne Gründe dafür geben, dass die Schulleiterinnen und Schulleiter der jüngsten Vergangenheit nach so kurzer Zeit wieder den Hut nahmen? Nein, sagt Krebs. Diese Kündigungen hätten auf persönlichen Entscheidungen beruht. «Die Leitung der Schule ist aufgrund der Grösse des Betriebs sicher anspruchsvoll. Es handelt sich beim Hofacker aber um eine gut funktionierende Schule.»

Rüst sieht dies etwas anders: «Die Leitung des Hofackers ist eine grosse Herausforderung.» Dass «viele sehr starke Persönlichkeiten» im dortigen Team arbeiteten, mache die Überleitung von einer herkömmlichen zu einer geleiteten Schule schwierig. «Viele Lehrpersonen wirkten teilweise über Jahrzehnte als Einzelkämpfer. Die Schulleitung muss also mit Einfühlsamkeit und einer natürlichen Autorität ans Werk gehen.»

Die Ansicht, dass die Schule Hofacker gut funktioniert, teilt Rüst derweil nicht: «Es handelt sich dort zwar um gut funktionierende Klassen und viele gute Lehrpersonen, aber eine Klassen übergreifende pädagogische Ausrichtung lässt der Schulbetrieb vermissen.» In dieser Einschätzung bezieht er sich auf die letzte Schulevaluation aus dem Jahr 2010, die festhält, «dass viele Lehrpersonen durch die Umstrukturierungen und den häufigen Wechsel auf der Führungsebene verunsichert und die meisten mit der Führung unzufrieden» seien. «Die personelle Führung war bisher weder strukturiert, noch zeigte sie Wirkung», hielt die Fachstelle für Schulbeurteilung in ihrer Einschätzung fest.

Es sei ihm klar, dass inzwischen viel Zeit vergangen sei, sagt Rüst: «Die Frage ist, wie die Schulpflege auf diesen Evaluationsbericht reagiert hat. Damit steht und fällt alles.» Er bedauere, dass die Schulverwaltung nur einen Massnahmenkatalog publik gemacht habe, nicht jedoch das Schulprogramm, wie dies das Volksschulgesetz vorsieht.

Neue Leiterin zeigt viel Engagement

Die Schulpräsidentin hofft, dass mit der neuen Schulleiterin nun eine längerfristige Lösung für das Schulhaus Hofacker gefunden wurde: «Ich bin in dieser Hinsicht sehr zuversichtlich.»

Die ausgebildete Pädagogin mit Masterabschluss in sozialer Arbeit wurde während der letzten vier Wochen in die örtlichen Gegebenheiten eingeführt. «Weil Verena Kocher bisher noch nie als Schulleiterin amtete, gestaltete sich diese Einführung etwas intensiver, als bei ihren Vorgängern. Sie hat sich dabei aber sehr engagiert», erklärt Krebs.