Schlieren

Hörbuch-Vernissage des Romans «Sofia» - hier wird das Tempo vom Sprecher bestimmt

Peter Kner und Erica Brühlmann-Jecklin wohnen beide in Schlieren und sind quasi Nachbarn.

An der Hörbuch-Vernissage des Romans «Sofia» ziehen Peter Kner und Erica Brühlmann-Jecklin die Zuhörer in ihren Bann.

Sofia ist eine mutige Frau aus dem Prättigau. Sie muss ihr Leben, das mit den Ereignissen eines wechselhaften Jahrhunderts verwoben ist, unter den widrigsten Umständen meistern. Die Schlieremer Autorin und Psychotherapeutin Erica Brühlmann-Jecklin hat Sofia und den drei Generationen ihrer Familie 2009 ein bewegendes Buch gewidmet. Nun liegt der Roman als Hörbuch vor, gesprochen vom ehemaligen «Kassensturz»-Sprecher und Schauspieler Peter Kner. Am Mittwoch lud die Stadtbibliothek Schlieren zur Vernissage.

Wenn Peter Kner liest, ist er das Zimmermädchen Karolina, das bei der Arbeit singt. Er ist die kleine Sofia, die die Steine weiter werfen kann als der Nachbarsbub Peter, der später ihr Mann werden wird. Kner ist der verbitterte Johannes, der während des Alpaufzugs nur schimpfen und murren kann. Und Kner ist der 9-jährige Peter auf der Alp, der sehnsüchtig aber vergeblich den Besuch seiner Familie erwartet und auf seinem Strohlager vor Enttäuschung den Tränen freien Lauf lässt.

Viel recherchiert

Stimme, Mimik und Gestik des Schauspielers lassen die Gestalten, die Erica Brühlmann-Jecklin zu Papier gebracht hat, so lebendig werden, als sprächen sie an diesem Abend selber. Die Autorin war während der dreitägigen Tonaufnahmen im Studio dabei und so begeistert von der Art, wie Peter Kner ihren Text interpretierte, dass sie immer mal wieder dachte: «Habe ich das wirklich geschrieben?»

Einiges im Roman «Sofia» ist autobiografisch, vieles dichterische Freiheit. Aber, so Brühlmann-Jecklin: «Geschichte, Geografie und Wetter – das muss in meinen Büchern immer stimmen.» Sie habe viel recherchiert, in Archiven gegraben und sogar die Maiensässe ihrer Heimat erwandert, um mit eigenen Augen zu sehen, welche Bäume wo wachsen und wo die Baumgrenze verläuft.

«Sofia und Peter spielten im ersten Entwurf meines Buches im Sommer am Bach. Während meinen Recherchen las ich dann, dass der Sommer des Jahres 1919 verregnet war und die Kinder wohl nicht häufig draussen gespielt hatten. Darum verlegte ich die Szene in den Herbst, der sehr warm und sonnig war», erzählte die Autorin.

Die Geschichte von Sofia und ihrer Familie spielt in einer Zeit, als es noch keine Beamer und keine Powerpoint-Präsentationen gab. Vielleicht trat auch darum die Technik vor der Vernissage in den Streik. Dass Erica Brühlmann-Jecklin ihre ergänzenden Ausführungen und die Bilder von Orten und Personen jener Zeit daher nur auf dem kleinen Bildschirm ihres Laptops zeigen konnte, tat dem Erfolg der Lesung jedoch keinen Abbruch. «Es war ein wunderbarer Abend», freute sich Renate Grubert.

Die Freundin der Autorin war aus Berlin angereist und bereute dies keinen Moment. «Ich habe das Buch sicher schon dreimal gelesen und trotzdem hatte ich heute das Gefühl, wieder Neues zu hören.» Auch für den Schlieremer Hans Peter Stemmler war es ein gelungener Abend und er konnte bestätigen, was Monique Roth, die Leiterin der Stadtbibliothek Schlieren, in ihrer Begrüssungsansprache betonte: «Beim Lesen eilen wir zuweilen durch den Text und überlesen ganze Passagen. Beim Hörbuch hingegen gibt uns der Sprecher das Tempo vor.»

Dass Kner und Brühlmann-Jecklin, die beide in Schlieren wohnen und quasi Nachbarn sind, bei der Vertonung des Buches erfolgreich zusammengearbeitet haben, sei bei der Lesung zu spüren gewesen, sagte Monique Roth zum Abschluss und gab einem Wunsch Ausdruck, den wohl die meisten Anwesenden unterschreiben würden: «Ich hoffe, Peter Kner wird bald noch weitere Romane von Erica Brühlmann-Jecklin als Hörbuch vertonen.»

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