«Der Schiedsrichter hat wohl vergessen, auf die Uhr zu gucken», sagte ein Zuschauer und löste damit Gelächter aus. Tatsächlich zog der Unparteiische an diesem Samstagabend auf dem Kunstrasenplatz im Werd in Geroldswil fragende Blicke von Spielern und Fans auf sich. Neuneinhalb Minuten lief die Nachspielzeit im 3.-Liga-Derby zwischen Oetwil-Geroldswil und Engstringen bereits, als er die Partie abpfiff. Ein Spiel wohlgemerkt, in der es keine längeren Unterbrechungen gegeben hatte.

Die lange Nachspielzeit änderte jedoch nichts mehr am Sieg von Oetwil-Geroldswil, das nach knapp einer Viertelstunde durch ein herrliches Freistosstor von Stefan Steuble mit 1:0 in Führung gegangen war und diesen Vorsprung bis zum Schluss nicht mehr preisgab. Die Engstringer kamen nur noch zu einer nennenswerten Szene: Janick Duske prüfte mit einem Schuss Oetwil-Geroldswils Torhüter Yannick Fux, doch dieser hatte keine Probleme, den Ball abzufangen.

Rudelbildung nach Foul

Es war der Schlusspunkt einer Partie, die nicht sehr viele Torszenen zu bieten hatte und nicht spektakulär war, die aber durchaus emotional geführt wurde. Das zeigte eine Szene kurz nach Steubles Freistosstreffer. Engstringens Sandro Frohoff ging etwas übermotiviert in einen Zweikampf mit Oetwil-Geroldswils Aimen Zouaoui und räumte diesen regelrecht vom Platz. «Ich weiss nicht, ob er es mit Absicht gemacht hat», sagte Engstringens Trainer Roger Balmer. Und Oetwil-Geroldswils Trainer Jean Marie Broggi wollte die Szene im Anschluss nicht überbewerten: «Es war insgesamt ein sehr faires Spiel, wie immer gegen Engstringen.»
Doch als das Foul passierte, kochten die Emotionen hoch. Es löste eine Rudelbildung aus, bei der die Spieler beider Teams sich gegenseitig die Meinung sagten und wegschubsten. Frohoff sah für seine Aktion die gelbe Karte, doch auch Oetwil-Geroldswils Luca Kälin wurde verwarnt, nachdem er auf Frohoffs Foul mit viel Wut im Bauch reagiert hatte.

Zum Glück beruhigten sich die Gemüter, doch Frohoffs Aktion hatte bei den eigenen Spielern offensichtlich eine Art Initialzündung gegeben. Die Engstringer wirkten jetzt präsenter als noch in der Startphase, in der die Hausherren dominiert hatten. Kurz vor Ende der ersten Hälfte hatte Engstringes Stürmer Patrick Meier gar die Möglichkeit, das 1:1 zu erzielen, als er von einem Aussetzer von Oetwil-Geroldswils Marco Credaro im gegnerischen Strafraum profitierte, diesem den Ball abnahm und zum Abschluss kam. Doch Meier traf den Ball nicht richtig, dieser kullerte am Torpfosten vorbei. «Den hätte er machen müssen», sagte Balmer.

In dieser Szene wäre der Ausgleich für die Engstringer eher schmeichelhaft gewesen. Doch in der zweiten Halbzeit hätten sie sich ein Tor verdient gehabt. Denn die Gäste waren im zweiten Durchgang die aktivere Mannschaft, Oetwil-Geroldswil konnte, bis auf einen Pfostenschuss von Zouaoui, offensiv kaum mehr Akzente setzen und konzentrierte sich darauf, den Vorsprung zu halten. «Mit dem Spiel nach vorne bin ich nicht zufrieden, das war in der zweiten Hälfte schlecht von uns», sagte Broggi. «Aber wir standen defensiv stabil und haben kaum etwas zugelassen.»

Abstiegskampf und Cup

In der Tat konnte man die Chancen der Engstringer an einer Hand abzählen, wobei keine davon zwingend war. «Wir wussten, dass wir nicht zu vielen Chancen kommen würden», sagte Balmer. «Daher sollte man die wenigen Chancen, die man gegen Oetwil-Geroldswil bekommt, auch nutzen.» Trotzdem könne er der Mannschaft keinen Vorwurf machen: «Wir haben alles versucht. Wir haben kämpferisch eine starke Leistung gezeigt, daher bin ich zuversichtlich, was die nächsten Spiele anbelangt.»

Balmer und seine Schützlinge bekommen es am Dienstag nach Ostern mit Kosova II zu tun, einer Mannschaft, die wie die Limmattaler im Abstiegskampf steckt. Doch der Engstringer Trainer ist optimistisch: «Wir müssen gegen Kosova auf dem aufbauen, was wir heute gezeigt haben.»

Für Oetwil-Geroldswil geht es dagegen schon am Donnerstagabend weiter – zu Hause im Cup gegen den Drittligisten Siebnen. Ein Spiel, auf das sich Broggi sehr freut: «Wenn man es geschafft hat, im Cup zu überwintern, will man natürlich auch weiterkommen.»