Spiel des Lebens

Höhenflug im Schneegestöber - Wie ein Traum in Erfüllung geht

Marco Birrer (auf der Dietiker Fussballanlage Dornau, wo er das Frauenteam trainiert) mit einer Abbildung einer Aufnahme aus seiner Eishockeykarriere.

Marco Birrer (auf der Dietiker Fussballanlage Dornau, wo er das Frauenteam trainiert) mit einer Abbildung einer Aufnahme aus seiner Eishockeykarriere.

Eishockeyspieler Marco Birrer über die Erfüllung seines Bubentraums im EHC Urdorf im Herbst 1998.

Als kleiner Junge war ich auf der Tribüne gestanden und hatte den damaligen Urdorfer Star Hanspeter Luzi gefragt, ob er mir einen Stock gibt. Nun lief ich gegen Engiadina zum ersten Mal selbst für die erste Mannschaft auf. Natürlich war ich nervös. Es herrschten «traumhafte Verhältnisse» auf der offenen Weihermatt: Schneegestöber.

Wenige Wochen vorher war nicht absehbar gewesen, dass das geschehen würde. Ich begann die Saison bei den Novizen von GC. Weil ich wegen der Lehre relativ viele Trainings verpasste, hatte ich einen schweren Stand. In einem Vorbereitungsspiel rissen meine Fussbänder. Ich besuchte daraufhin einen Freund in Urdorf, wir entschieden spontan, uns dort das Juniorenspiel anzusehen.

Die Urdorfer spielten nur zu siebt – armi Sieche! Sobald ich gesund war, entschied ich mich zur Rückkehr nach Urdorf, um diesem Team zu helfen. Nach einem Spiel und einem Training mit den Junioren wurde ich von Trainer Jörg Burri bereits in die erste Mannschaft berufen. Im Spiel gegen Engiadina spielte ich in der dritten Linie Center.

Urdorf war Letzter und hatte schon lange nicht mehr gepunktet. Wir spielten 2:2, ich erzielte beide Tore. Der erste Treffer war nicht spektakulär. Die Scheibe blieb nach einem Abpraller im Schnee stecken, ich reagierte als Erster. Beim zweiten wurde ich schön angespielt, konnte – auch dank des Schnees – gut am Verteidiger vorbeiziehen und traf zum 2:1. Obwohl wir kurz vor Schluss noch ein Tor kassierten, waren alle glücklich, wenigstens wieder einmal einen Punkt geholt zu haben. Für mich war es eine tolle Rückkehr. Im Limmattaler Tagblatt wurde ich entsprechend gut bewertet.

Nach den Regeln hätte ich als Neuling eine Runde schmeissen müssen. Aber weil ich erst 16 Jahre alt war, drückten die andern Spieler ein Auge zu und zahlten mir eines. Diese Partie war ein Höhepunkt für mich persönlich in dieser insgesamt traurigen Saison für den Verein. Wir stiegen in die 3. Liga ab. Der Vorstand zog die erste Mannschaft dann zurück. Daraufhin sollte es eine Saison lang kein Eishockey mehr in Urdorf geben.

Aufgezeichnet von: Raphael Biermayr

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