Schlieren

Höchster Schlieremer Sasa Stajic: «Wir brauchen eine Portion Optimismus»

Sasa Stajic von der FDP ist seit Montagabend Präsident des Gemeindeparlaments. Wegen des Coronavirus wurde er einen Monat später gewählt.

Unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen tagte gestern Abend das Schlieremer Parlament und wählte unter Ausschluss von Besuchern seinen neuen Präsidenten. «Meine Freude ist wirklich sehr gross. Der einzige Wermutstropfen ist, dass meine Frau Suna und meine beiden Kinder Stefan und Sanela die Wahl nicht als Zuschauer mitverfolgen konnten. Ohne sie wäre ich nicht so weit gekommen», sagt der neue höchste Schlieremer Sasa Stajic. Der FDP-Gemeinderat erhielt 27 von 31 gültigen Stimmen bei 34 eingereichten Wahlzetteln.

Sie werden in der grössten Krise dieses Jahrhunderts zum höchsten Schlieremer. Was überwiegt: die Sorge um die Zukunft oder die Freude über die Wahl?
Sasa Stajic: Das ist keine einfache Frage. Natürlich freue ich mich sehr auf meine Zeit als Parlamentspräsident. Und natürlich ist die aktuelle Pandemie mit viel Unsicherheit verbunden, aber ich bin zuversichtlich, dass wir die Krise gemeinsam meistern werden.


Wie wird die Stadt nach Corona aussehen?
Einen Teil haben die Schlieremerinnen und Schlieremer selber in der Hand. Besonders was die Entwicklung der Wirtschaft angeht. Wenn die Restaurants fleissig besucht werden, der Quartierbäcker berücksichtigt wird und man generell mehr auf Schweizer Produkte setzt, werden wir die Krise sicherlich bewältigen. Dazu brauchen wir auch eine gesunde Portion Optimismus.


Welche Themen werden das Parlament im kommenden Jahr beschäftigen?
Sicherlich die Massnahmen zur Linderung der Schäden, die von der Pandemie verursacht wurden. Generell werden die Stadtfinanzen in Bedrängnis kommen. Mehrere Firmen und Privatpersonen werden wohl weniger Steuern zahlen. Wir als Gemeinderat müssen uns fragen, ob es der richtige Zeitpunkt ist, gewisse Investitionen zu tätigen. Oder können wir uns dies nicht leisten? Möglicherweise wäre es sinnvoll, bewusst mehr zu investieren, um das Gewerbe zu unterstützen. Dies sind wohl die Fragen, mit denen sich das Parlament befassen wird.


Das Parlament ist geteilt. Bei der Budgetdebatte zeigte sich, dass der Graben zwischen links und rechts tief ist. Wie sieht die künftige Zusammenarbeit aus?
Das ist schwer abzuschätzen. Ich muss aber betonen: Wie auch die Steuerfusssenkung entstanden alle Parlamentsentscheide demokratisch und sind daher legitim. Im Dezember war die Welt noch eine andere, da die Pandemie noch nicht in Europa angekommen war. Dass sich die politischen Lager nun gegenseitig unterstützen und gemeinsam nach konstruktiven Lösungen suchen müssen, liegt auf der Hand. Und ich werde mich dafür einsetzen, dass dies auch so geschieht.


Sie sind der erste Parlaments­präsident mit Wurzeln im Balkan. Erhalten Sie deswegen ein grosses Feedback?
Von meinem Umfeld, das seine Wurzeln ebenfalls im Balkan hat, erhalte ich viel positives Feedback. Darauf bin ich stolz, denn ich sehe mich als Brückenbauer zwischen den beiden Kulturen.


Haben Sie eine Vorbildfunktion?
Da mein Werdegang zeigt, wie man sich erfolgreich integrieren kann, denke ich schon, dass ich manchen als Vorbild diene. Es kommt hin und wieder vor, dass mich junge Menschen aus dem Balkan als Vorbild bezeichnen. Das freut mich unbeschreiblich.

Zweiter Vize Beat Kilchenmann (SVP), Präsident Sasa Stajic (FDP) und zweiter Vize Marc Folini (GLP)

Das neue Büro des Schlieremer Gemeindeparlaments

Zweiter Vize Beat Kilchenmann (SVP), Präsident Sasa Stajic (FDP) und zweiter Vize Marc Folini (GLP)


Sie absolvierten zahlreiche Ausbildungen, waren nebenher noch politisch aktiv und sind Familienvater. Welches waren die grössten Hindernisse?
Oft verzichtete ich auf Freizeit und auf Zeit mit meiner Familie. Man muss Kompromisse machen. Meiner Familie bin ich sehr dankbar für die uneingeschränkte Unterstützung.

Erlebten Sie Vorurteile?
Leider kommt das ab und zu vor. Bei einer Stelle, auf die ich mich beworben hatte, wurde mir gesagt, dass meine Qualifikationen stimmen würden, nur meine Herkunft problematisch sei. Solche Rückmeldungen sind zum Glück selten. Mir ist es sehr wichtig, dass wir gut integrierten Ausländern grossen Respekt und Wertschätzung gegenüberbringen.


Auch 2011, als Sie erst im zweiten Wahlgang in die Bürgerrechtskommission gewählt wurden, führten Sie sie dies auf Ihren «-ic»-Namen zurück.
Genau. Dies war eine intensive Zeit und ich bin der Schlieremer FDP und ihrer Präsidentin Barbara Angelsberger noch heute dankbar dafür, wie sie damals agierte. Ich überlegte mir nämlich einen Rückzug, da ich die Wahlchance als gering betrachtete. Aber Angelsberger und die Partei standen geschlossen hinter mir und stellten mich allen anderen Parteien vor, was schliesslich in meiner Wahl mündete.


Haben Sie für Ihre Zeit nach dem Präsidium noch höhere Ziele in der Politik?
Nun will ich erst das Jahr als Parlamentspräsident absolvieren und danach schaue ich weiter. Der erste Bundesrat mit einem «-ic»-Namen werde ich aber sicherlich nicht.

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