Schlieren
Hockey geht auch unter Wasser

Der Schlieremer Beat Strathmann spielt im einzigen Unterwasserhockey-Club der Schweiz. Der Sport fordert von den Spielern mehr, als nur die Luft anhalten zu können.

Michel Sutter
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Marie Clermont (Nummer 2) schnappt dem Engländer Martin Reed (8) den Puck weg. Im Hintergrund: Beat Strathmann.ZVG

Marie Clermont (Nummer 2) schnappt dem Engländer Martin Reed (8) den Puck weg. Im Hintergrund: Beat Strathmann.ZVG

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Nur dank seines roten Randes ist der Puck auf dem Beckenboden zu erkennen. Doch schon wird er wieder verdeckt von etwa einem Dutzend Spielerinnen und Spielern, die ihn mit ihrem gebogenen Schläger unter Kontrolle bringen möchten. Es dauert einige Sekunden, bis sich das Getümmel auflöst. Ein Akteur entwischt und schiebt den Puck vor sich her. Als er kurz darauf von den anderen eingeholt wird, bildet sich wieder eine Spielertraube. Das Ganze geht wieder von vorne los

Vom Beckenrand aus wirkt das Geschehen rund um die Unterwasserhockeyaner des Unterwassersportzentrums Zürich (USZ Zürich), die an diesem Abend im Hallenbad Zürich Oerlikon ein Trainingsspiel bestreiten, ziemlich verwirrend. Doch unter Wasser spielt sich das ab, was auch in anderen Varianten des Hockeys geschieht. Die Spielerinnen und Spieler – im Unterwasserhockey sind die Teams gemischt und bestehen aus sechs Akteuren – kämpfen um den Puck, um ihn ins gegnerische Tor zu befördern. Einer von ihnen ist Beat Strathmann.

Schon seit acht Jahren dabei

Der Schlieremer spielt seit 2008 Unterwasserhockey. Zuvor hatte er mit Tauchmaske, Schnorchel und Tauchflossen an Tauchtrainings teilgenommen. Aber das wurde ihm zu langweilig, wie er sagt. Dann hat er das Unterwasserhockey entdeckt. Da taucht man nicht nur, sondern es passiert auch etwas unter Wasser.

Sie spielen ohne Sauerstoffflasche

Strathmann ist Verteidiger, spielt manchmal aber auch im Sturm – die Grenzen von der einen Position zur anderen sind im Unterwasserhockey fliessend. Der grösste Unterschied zwischen der Rolle als Verteidiger und als Stürmer sei das Tempo. «Im Sturm muss man sehr schnell sein, damit einen die Verteidiger nicht einholen können», sagt der 45-Jährige. Und man müsse sehr gut schwimmen können, um den Verteidigern überhaupt ausweichen zu können. Eine Eigenschaft muss ein Unterwasserhockeyaner aber in jedem Fall haben, egal auf welcher Position er spielt: Er muss die Luft anhalten können. Denn die Unterwasserhockeyaner spielen ohne Sauerstoffflaschen. «So alle 15 Sekunden muss man kurz auftauchen, um Luft zu holen», sagt Strathmann.

Die Schweiz hinkt etwas hinterher

Der Schlieremer trainiert einmal pro Woche, wobei eigentlich zwei wöchentliche Trainings durchgeführt werden. Wie oft man an den Einheiten teilnimmt, hängt von den persönlichen Ambitionen ab. Die sind bei Strathmann, der die Sportart als Ausgleich zum Beruf ansieht, weniger ausgeprägt als bei jüngeren Akteuren, von denen übrigens die Mehrzahl aus dem Ausland stammt, wo Unterwasserhockey viel bekannter ist. «Wir haben Spielerinnen und Spieler aus Frankreich, Singapur, ja sogar aus Neuseeland und von den Bermudas», sagt Strathmann. Es handelt sich dabei meist um Akteure, die bereits in ihrem Heimatland Unterwasserhockey gespielt haben und die Sportart auch in der Schweiz ausüben möchten.

So zum Beispiel Martin Reed: Der Engländer ist 2007 wegen eines Jobangebots in die Schweiz gekommen und hat dabei gleich das Unterwasserhockey mitgebracht. Sein Ziel ist es, in der Schweiz eine Meisterschaft aufzubauen. Damit er selber nicht mehr mitspielen muss, wie er scherzhaft hinzufügt. Denn es gibt hierzulande offiziell nur einen einzigen Verein, der eine Mannschaft im Unterwasserhochey stellt: den USZ Zürich. Daher nehmen die Unterwasserhockeyaner des USZ Zürich an ausländischen Turnieren teil, wenn sie sich mit anderen Mannschaften messen wollen. Strathmann ist aber meistens nicht dabei. «Aus Zeitgründen», sagt er.

Unter Wasser fallen viele Tore

Zurück zum Trainingsspiel. Die eine Hälfte des USZ Zürich hat gegen die andere mittlerweile ein Tor geschossen. Das merkt der Zuschauer allerdings nur, weil sich die beiden Teamhälften wieder vor dem eigenen Tor aufreihen, um das Anspiel auszuführen. Das tun sie an diesem Abend noch öfter – denn eines hat das Unterwasserhockey mit dem Hockey in der Halle und auf dem Eis gemeinsam: Es fallen meistens viele Tore.